Tennis
Wawrinka kritisiert Federer: «Ich verstehe Roger nicht»

Stanislas Wawrinka verliert in Basel sein Startspiel gegen den Russen Nikolaj Dawidenko in zwei Sätzen. Er steht aber im Davis-Cup immer zur Verfügung – nicht etwa wie Roger Federer.

Michael Wehrle
Merken
Drucken
Teilen

Er steht immer im Schatten von Roger Federer. Dabei hält sich Stanislas Wawrinka seit Jahren in der erweiterten Weltspitze, hat sich wieder unter die Top 20 der Welt gespielt. Wawrinka ist der Marathon-Man, selten gehts bei ihm zügig.

Auch gestern: 133 Minuten wehrte er sich bei den Swiss Indoors in der Basler St. Jakobshalle gegen Nikolaj Dawydenko. Dann schlich er zweimal im Tiebreak geschlagen vom Platz: 6:7 (7:9), 6:7 (3:7).

Wawrinka ist nicht nur ein grosser Einzelkämpfer, auch für die Schweiz gibt er immer alles. Bei Olympia führte er als Fahnenträger das Team in London ins Stadion. «Das war einer der grössten Momente für mich, als ich mein Land repräsentieren durfte», sagt er.

Stanislas Wawrinka unterliegt dem Russen Dawydenko in zwei Tie-Breaks
7 Bilder
Wawrinka unterliegt in seinem Startspiel dem Russen Daqydenko in zwei Tie-Breaks
Stanislas Wawrinkas Ehefrau Illham mit gemeinsamer Tochter Alexia

Stanislas Wawrinka unterliegt dem Russen Dawydenko in zwei Tie-Breaks

Keystone

Und für ihn sei es immer auch eine Ehre, die Schweiz zu vertreten. «Du brauchst mich gar nicht mehr zu fragen, ich bin im Davis-Cup immer dabei», hat er vor einem Jahr René Stammbach, dem Präsidenten von Swiss Tennis, versprochen und sagt offen: «Nein, ich verstehe Roger Federer nicht, dass er im Februar gegen die Tschechen in Genf wohl nicht dabei ist.»

Aber das sei dessen Entscheid. Richtig enttäuscht sei er deswegen nicht. «Ich bin es ja gewohnt», sagt er lapidar und zuckt mit den Schultern.

Nach einem Durchhänger Mitte des Jahres lief es bei Wawrinka in den vergangenen Monaten bis gestern wieder gut. Vor Dawydenko war ihm zuletzt fünf Mal nur einer der ganz Grossen vor der Sonne gestanden.

Je zweimal unterlag er Roger Federer und Andy Murray, einmal war Novak Djokovic zu stark für ihn. «Das sind die Sieger der Grand-Slam-Turniere», sagt er. Die spielten einfach immer auf ihrem höchsten Niveau, sobald es notwendig sei.

«Ja, ich bin sehr zufrieden, wie es zuletzt gelaufen ist», sagt er. Er habe auch im Frühjahr eine gute Sandsaison gehabt, nach einem Loch sei er nun wieder auf einem guten Weg. «Ich habe schon das ganze Jahr gut trainiert, aber nach einem Wechsel des Rackets brauchte ich eine gewisse Zeit der Anpassung», erklärt er.

Dazu habe er sein Spiel umgestellt, spiele aggressiver. «Ich versuche, das Spiel zu machen, dem Gegner meine Linie aufzuzwingen und mit meinen Schlägen gefährlicher zu sein», erklärt der 27-Jährige. Ein paar Kleinigkeiten fehlten allerdings noch. Daran arbeite er, dann sollte er auch im Ranking noch weiter nach oben klettern. Im Moment ist er die Nummer 17 der Welt.

Hilfe vom Federer-Coach

Noch immer ist er ohne Coach unterwegs. «Klar, ich suche jemanden», sagt er. Aber es müsse jemand sein, der ihm wirklich helfe. Es eile nicht und die richtige Person habe er noch nicht gefunden.

Er brauche niemanden, der nur mit ihm um die Welt reise. Dafür habe er seinen Physiotherapeuten Stéphane Falchi. Ratschläge in Sachen Tennis holt er sich bei Severin Lüthi, dem Coach von
Federer und Captain des Davis-Cup-Teams.

«Wir kennen uns schon lange, er weiss viel über Tennis und hat mir sehr geholfen», sagt er. Es sei super, dass Lüthi ihm helfe. Dazu arbeite er seit einigen Jahren mit Pierre Paganini. Der sei nicht nur sein Fitnesscoach, sondern auch Ansprechpartner und eine ganz wichtige Person in seinem Team.

Seit Februar lebt Wawrinka wieder mit seiner Familie zusammen, mit Frau Ilham und Tochter Alexia. «Ich bin sehr glücklich damit», sagt er, «doch übers Privatleben will ich nicht gross reden. Klar ist aber, dass meine Tochter sehr froh ist.»

In Basel hat Wawrinka seine Familie dabei. Das macht er immer öfters. Vor allem, wenn es der Turnierplan verlangt, dass er mehrere Wochen von zu Hause weg ist.

Bei den Matches sitzt die Tochter aber noch nicht auf der Tribüne. «Sie will immer mit mir spielen, wenn sie mich sieht», erzählt Wawrinka schmunzelnd. Um ein Match zu schauen, sei sie mit ihren gut zweieinhalb Jahren natürlich noch zu klein.

Das Leben mit den vielen Reisen sei wegen der Familie nicht immer ganz einfach. Aber noch geniesse er sein Dasein als Tennisprofi.

Er sei glücklich, dass er dieses Leben führen dürfe, und mache sich noch keine grossen Gedanken, über die Zeit danach. Ideen habe er, aber nichts Konkretes. Fünf Jahre, so plant er im Moment, möchte er noch auf der Tour aktiv sein. Und das zu einhundert Prozent.