«Ich will das Ganze nicht verhexen», sträubte sich Roger Federer gegen eine Würdigung von Stanislas Wawrinkas grösstem Erfolg. Zu dem Zeitpunkt war noch nicht klar, ob dessen Viertelfinal-Qualifikation bereits reicht. «Er würde die Teilnahme aber mehr als verdienen», betonte Federer weiter. «Ich bin über seinen Erfolg jedenfalls nicht überrascht und würde mich riesig freuen, mit ihm zusammen in London zu sein.» Es brauchte schliesslich die Niederlage von Milos Raonic (ATP 10) gegen Tomas Berdych (ATP 7), um alle Rechenspiele ad acta zu legen. Der Kanadier verlor das Tiebreak des ersten Satzes 13:15 (!) und danach auch den zweiten Durchgang (4:6).

Seinen Part hatte Wawrinka zuvor mit Bravour erfüllt. Mit einem klaren Sieg über den etwas angeschlagenen Spanier Nicolas Almagro (ATP 13) erreichte er den Viertelfinal, in dem er heute auf die Weltnummer 2 Novak Djokovic trifft. Über die - zu diesem Zeitpunkt noch nicht feststehende - Masters-Teilnahme sagte der Romand: «Das wäre für mich etwas Unglaubliches, ein Traum, der wahr würde!» Ein Hotel hatte er bis gestern Mittag vorsichtshalber noch nicht gebucht.

Er sei nicht wie Federer, der sein Ticket nach London bereits am Mittwoch gelöst hatte und zum zwölften Mal in Serie (das schaffte bisher nur Ivan Lendl von 1980 bis 1991) dabei ist. «Ich brauche ein aussergewöhnliches Jahr, damit dies klappt, und das ist mir diesmal gelungen.»

Mit nun bereits 49 Siegen - acht mehr als Federer - erlebt der 28-jährige Lausanner tatsächlich das beste Jahr seiner Karriere. Am Anfang und am - leider ungekrönten - Höhepunkt dieses aussergewöhnlichen Parcours stand Novak Djokovic. Zweimal - am Australian und am US Open - hatte er den Serben fünf Sätze lang an den Rand einer Niederlage gebracht. Nun treffen sich die beiden in Paris erneut. «Ich freue mich enorm auf dieses Duell», versicherte Wawrinka. «Das wird natürlich schwierig, aber ich weiss, dass ich das Niveau habe, um ihn zu schlagen.» Zumal er jetzt völlig befreit aufspielen kann.

Ebenfalls ohne Probleme zog Roger Federer in die Viertelfinals ein. Er zeigte sich gegen den Deutschen Kohlschreiber (ATP 23) sehr effizient. Je ein Break gegen Ende der beiden Sätze - zum 5:3 im ersten, zum 5:4 im zweiten - reichten zum sicheren Sieg. Heute kommt es deshalb zur Revanche für den verlorenen Final von Basel gegen Juan Martin del Potro. Der Argentinier brauchte gegen den aufstrebenden Grigor Dimitrov allerdings drei Sätze und wirkte leicht angeschlagen.

Federer zog Parallelen zum Jahr 2011, als er im Final von Paris, in der Vorrunde und im Final des Masters innerhalb von etwas über zwei Wochen dreimal gegen Jo-Wilfried Tsonga triumphierte. «Das ist diesmal leider nicht mehr möglich», bedauerte er. Denn beim Heimspiel am Rhein war er del Potro ja knapp unterlegen. Da er in der Vorrunde der ATP Finals erneut auf ihn treffen könnte, misst er dem heutigen Duell einige Bedeutung zu.

«Ein Sieg wäre psychologisch sicher etwas wert», glaubt er. Die Chancen stuft er nicht schlecht ein. «Der Belag ist hier etwas schneller als in Basel und ich fühle mich sehr wohl.» Er hoffe vor allem darauf, dass er diesmal etwas besser und konstanter aufschlage. (si)