Poker um Genf-Teilnahme

Warum Novak Djokovic für Stan Wawrinka plötzlich zum Problem wird

Novak Djokovic und Stan Wawrinka könnten in Genf teilnehmen.

Novak Djokovic und Stan Wawrinka könnten in Genf teilnehmen.

Regelmässig trainiert Stan Wawrinka mit Novak Djokovic, der wie er einen Wohnsitz in Monte Carlo hat. Nun ist der Serbe im Poker um eine Teilnahme bei Wawrinkas Heimturnier in Genf die grosse Unbekannte.

Noch einmal machte Stan Wawrinka am Donnerstag unmissverständlich klar, dass er derzeit nur von Woche zu Woche plane. Etwas anderes mache keinen Sinn. Von Woche zu Woche planen: das bedeutet auch, dass er bis zuletzt offen lässt, ob es zwischen dem Romand und seinem Heimturnier in Genf zu einer Einigung kommt. Die Meldefrist ist längst abgelaufen.

Wawrinka sagte gegenüber der Westschweizer Zeitung «Le Matin Dimanche» durchblicken, dass der Graben zwischen ihm und den Organisatoren grösser ist, als bisher anzunehmen war. Er fühle sich in Genf nicht willkommen, sagte der 33-Jährige. Dem Vernehmen nach geht es in den Verhandlungen um die Laufdauer eines neuen Vertrags. Und um die Antrittsgage.

Wawrinka will langfristige Lösung

Der im letzten Sommer ausgelaufene Dreijahresvertrag brachte dem Sieger der letzten beiden Austragungen 500'000 Franken pro Teilnahme ein. Wawrinka strebt eine langfristige Lösung an: mit vierjähriger Laufzeit und zu gleichen Bezügen. Für Turniere dieser Grössenordnung, die auf lokale Aushängeschilder angewiesen sind, wäre das eigentlich ein Segen. Eigentlich.

Denn die Genfer pokern, weil sie Zweifel an Wawrinkas Gesundheit haben. Ihr Angebot soll 80'000 Franken betragen, mit einer Laufzeit über ein Jahr. Wawrinka kommentierte diese Zahlen nicht. Doch sicher ist, dass die Karten von Turnierdirektor Rainer Schüttler gut sind. Zahlreiche Spieler benötigen in der Woche vor den French Open dringend Spielpraxis.

Geneva Open: Entry List

Djokovic hat Verwandte in Genf

Unter ihnen: Novak Djokovic. Die ehemalige Nummer 1 der Welt kehrte wie Wawrinka im Januar nach halbjähriger Pause zurück. Wie Wawrinka bisher mit mässigem Erfolg. Fünf Siegen stehen fünf Niederlagen gegenüber. Zuletzt sagte Djokovic, der in Barcelona eine Wildcard nutzte: «Ich habe Fehler gemacht. Das Verlangen war stärker als die Vernunft.»

Seit Wochen kursiert das Gerücht, Djokovic spiele in Genf, zumal er in der Region Verwandte hat. Er braucht Spielpraxis und Punkte für die Weltrangliste. Zwar ist er noch die Nummer 12 der Welt, doch ihm droht der Absturz. Schüttler sagt: «Alles ist möglich. Wenn er kommen will, ist er sehr willkommen.» Der Vorteil: Djokovic dürfte keine Antrittsgage verlangen. 

Novak Djokovic könnte in Genf antreten.

Novak Djokovic könnte in Genf antreten.

Für Wawrinka ist das ein Problem. Kann das Turnier Djokovic, der in Madrid in dieser Woche gleich in der Startrunde auf Kei Nishikori trifft, zu einem Start bewegen, ist man zumindest in diesem Jahr nicht auf den Romand angewiesen. Mit dem Bulgaren Grigor Dimitrov und dem Kroaten Marin Cilic kommen zwei weitere Spieler für die nur drei Wildcards in Frage. 

Sowohl Wawrinka als auch die Organisatoren können die Situation entspannt sehen. Beide glauben, sie hätten die besseren Karten in der Hand. Im Umfeld des Turniers gibt es Stimmen, die sich gegen Wawrinka aussprechen. So soll Berater Marc Rosset gesagt haben, man solle sich lieber um Juan Martin Del Potro oder Nick Kyrgios bemühen als um seinen Landsmann. 

Die Geschichte mit Basel

Wawrinka bereitet sich mit seinem ehemaligen Trainer Magnus Norman auf die Sandsaison vor. Kommende Woche spielt er in Rom. Eine Wadenverletzung hatte eine frühere Rückkehr verhindert. Für den Romand sind es wegweisende Wochen: Ihm fallen 1540 seiner 1695 aus der Wertung. Ihm droht damit der Absturz aus den Top 300 der Weltrangliste. 

Mit Magnus Norman als Coach feierte Stan Wawrinka seine grössten Erfolge (Archivbild)

Mit Magnus Norman als Coach feierte Stan Wawrinka seine grössten Erfolge (Archivbild)

Zumindest äusserlich lässt ihn das kalt. Er habe schwierige Monate mit depressiven Episoden hinter sich, zuletzt habe er sich sogar die Frage gestellt, ob er zurücktreten solle. Er hatte sich im letzten Sommer wegen eines Knorpelschadens zwei Mal am linken Knie operieren lassen. Nach drei Siegen und vier Niederlagen brach er seinen Comeback-Versuch im Februar ab.

Bei den Geneva Open betont man, dass man alles unternehme, den Titelverteidiger doch noch von einer Teilnahme zu überzeugen. Doch Wawrinka ist ein harter, zuweilen unnachgiebiger Verhandlungspartner. Das bewies er schon andernorts. 2010 fehlte Wawrinka bei den Swiss Indoors Basel, weil Roger Brennwald nicht bereit gewesen war, seine Forderungen zu erfüllen. 

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