Cincinnati

Trotz Sieg sagt Wawrinka: «Ich bin noch nicht wieder der Alte. Ich erwarte weitere Höhen und Tiefen»

Stan Wawrinka tastet sich in Nordamerika ein Jahr nach seinen Knieoperationen wieder in die Weltspitze vor. In Toronto gewann er erstmals seit Februar wieder zwei Spiele in Folge. In Cincinnati zwang er Diego Schwartzman in die Knie und trifft nun auf Kei Nishikori.

Die vorletzte Gemeindeversammlung wurde ersatzlos gestrichen, die letzte kurzfristig um einen Monat verschoben. Das sind die aufregendsten Nachrichten aus Mason im Bundesstaat Ohio. 30'000 Menschen leben hier, es gibt eine Indoor-Golfanlage, einmal im Jahr wird ein Festival zur Feier des Kulturerbes abgehalten und wer noch mehr wissen will, der erfährt, dass in dieser Stadt eine Autostunde von Cincinnati entfernt 40 Polizisten arbeiten, die nach Feierabend auch Frauen in der Kunst der Selbstverteidigung unterrichten.

Doch es gibt auch zwei Dinge in Mason, die Weltruhm erlangt haben, und beide befinden sich in Sichtweite der Interstate 71. Auf der einen Seite das Lindner Family Tennis Center, wo derzeit ein Tennisturnier ausgetragen wird. Auf der anderen Seite Kings Island, ein Vergnügungspark, der jährlich 3,5 Millionen Besucher anlockt.

Stan Wawrinka hat sich gefangen und will seiner Achterbahnfahrt ein Ende bereiten.

    

Wawrinkas Achterbahnfahrt

Anders als bei Andy Murray und Nick Kyrgios, die in der Vorwoche die Bahnen austesteten, ist von Stan Wawrinka nicht überliefert, ob er schon einmal Gast in Kings Island war und sich eine Fahrt auf «The Beast», dem Biest, gönnte, die als «grösste», «böseste» und «höchste» Holzachterbahn der Welt angepriesen wird, mit 2,2 Kilometer Länge weltweit aber nachweislich die längste ihrer Art ist. Sicher ist aber auch, dass es kaum ein passenderes Bild gibt als jenes einer Achterbahn, um Wawrinkas zwölf Monate nach zwei Knieoperationen zu beschreiben.

Sie waren geprägt von Tiefschlägen und Selbstzweifeln, aber auch von Momenten des Aufschwungs. Einen solchen erlebt der 33-Jährige derzeit in Nordamerika. In Toronto gewann er erstmals seit Februar wieder einmal zwei Spiele in Folge, verlor dann gegen Rafael Nadal. In der Nacht auf Dienstag besiegte er mit dem Argentinier Diego Schwartzman die Nummer 12 der Welt. «Das ist wichtig für mein Selbstvertrauen», resümierte Wawrinka danach.

«Ich erwarte weitere Höhen und Tiefen»

Er sei sehr glücklich über sein Niveau. Darüber, wie er sich fühle und auf dem Platz bewege. Nun ist es nicht so, dass Wawrinka als unerschütterlicher Optimist bekannt wäre, doch es ist augenscheinlich, dass Zuversicht und Vertrauen Schritt für Schritt zurückkehren. Gleichwohl hebt er selber den Warnfinger: «Der Weg ist noch weit. Ich mache zwar Fortschritte, aber ich bin noch nicht wieder der Alte. Ich erwarte weitere Höhen und Tiefen.»

Ausgeschlossen sind weiter Rückschläge mit Blick auf die Weltrangliste. Weil die aktuelle Nummer 151 der Welt im letzten Halbjahr 2017 pausiert hatte, wird sich Wawrinka selbst dann weiter verbessern, wenn er bis Ende Jahr keine Siege mehr einfahren kann. Obwohl Wawrinka gegen Schwartzman noch die Souveränität früherer Tage vermissen liess, erscheint dieses Szenario unwahrscheinlich. Zudem erreichte Wawrinka gestern frohe Kunde aus New York: Der Sieger von 2016 erhielt von den Organisatoren der US Open eine von acht Wildcards zugesprochen.

Als nächstes trifft Stan Wawrinka auf Kei Nishikori.

  

Sein nächster Gegner ist der Japaner Kei Nishikori (28, ATP 23), der im letzten Jahr wie er die Höhen und vor allem die Tiefen einer Sportlerlaufbahn zu spüren bekommen hat. Zwar gewann Nishikori die beiden letzten Duelle, die Direktbilanz ist mit 4:4 aber ausgeglichen. Gut möglich, dass dieses Spiel erst am Abend ausgetragen wird. Es würde damit selbst «The Beast» in den Schatten stellen: Kings Island schliesst nämlich bereits um 20.00 Uhr seine Pforten.

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