Australian Open
Tennis-Mozart wider Willen: Federers nächster Gegner Richard Gasquet

Roger Federer trifft am Samstagmorgen ein weiteres Mal auf Richard Gasquet. Bisher konnte er ihn in 16 von 18 Turnieren bezwingen, aber der Franzose ist nicht zu unterschätzen. Seine einhändige Rückhand ist schon seit vielen Jahren weltbekannt.

Simon Häring
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Richard Gasquet oder Roger Federer, wer gewinnt das Turnier morgen in Melbourne?

Richard Gasquet oder Roger Federer, wer gewinnt das Turnier morgen in Melbourne?

Keystone

Seine Geschichte kennt jeder. Sie ist ein Sinnbild für das, was im französischen Tennis seit Jahrzehnten schiefläuft. Mit neun Jahren ziert Richard Gasquet das Titelblatt des nationalen Tennismagazins. Wer Aufnahmen von damals sieht, versteht, wieso Gasquet bereits damals als kleiner Tennis-Mozart bezeichnet wird. Die einhändige Rückhand ist eine Augenweide, der Stil unvergleichlich.

Es gibt dieses Video aus dem Jahr 1999, als er das renommierte Juniorenturnier «Les Petits As» in Tarbes gewinnt, wo er im Halbfinal Rafael Nadal bezwingt. Ab dem Moment gilt er als Heilsbringer für eine Nation, die nun seit 25 Jahren und Yannick Noahs Triumph in Roland Garros auf einen Grand-Slam-Erfolg im Männer-Einzel wartet.

Richard Gasquet siegt 2011 gegen Federer am Italian Open Tennis Turnier in Rom.
9 Bilder
Gasquet verliert am Shanghai Masters Tennis erst letztes Jahr gegen Roger Federer.
Gasquet trifft im Jahr 2014 am Sony Open Tennis ein weiteres Mal auf Federer.
2005 gewinnt Gasquet mit seiner unvergleichlichen einhändigen Rückhand, in Monte Carlo gegen Federer.
Der Gewinner Federer und der zweitplatzierte Gasquet am Tennis Master Hamburg, 2005.
Der Franzose im Einsatz 2002 im Queens Club in London.
Am Australian Open 2007 gewinnt Gasquet gegen den Italiener Filippo Volandri.
Richard Gasquet gewann erst zwei von 18 Turniere gegen Federer. Richard Gasquet
Gasquet in Aktion beim Key Biscayne, 2014.

Richard Gasquet siegt 2011 gegen Federer am Italian Open Tennis Turnier in Rom.

Keystone

Richard Gasquet erreichte 2009 in Wimbledon die Halbfinals. Er gewann 14 Turniere, stiess in der Weltrangliste bis auf den siebten Rang vor. Doch den Sehnsüchten der Franzosen genügt er damit nicht. «Ich weiss nicht, ob man jemandem einen Gefallen macht, wenn man ihn in diesem Alter zu einer Art Tennis-Mozart macht», sagt Roger Federer über seine Gegner in der dritten Runde der Australian Open.

Und beantwortet die Frage damit gleich selber: Natürlich nicht. «Viele Spieler würden sofort ihre Karriere gegen seine eintauschen», sagt er über den in Neuenburg domizilierten Gasquet, den er in 16 von 18 Duellen bezwungen hat und dem er zwei Mal auf Sand unterlegen war.

Federers Kritik an Franzosen

«Frankreich macht seine Spieler zu früh zu gross und dadurch werden sie, ich will nicht sagen verwöhnt, aber sie werden zu schnell zu glücklich und machen dann nicht mehr die letzten Schritte in ihrer Entwicklung», hatte Federer im letzten Oktober in Schanghai vor dem letzten Duell mit Gasquet Kritik geübt. «Wir sollten uns ab und an auch selbst zu unseren Erfolgen gratulieren», entgegnete Gasquet daraufhin und bestätigte damit Federers Verdacht der Genügsamkeit.

Dabei zeigte er sich aber auch durchaus selbstkritisch: «Natürlich hätte ich es gerne weiter nach oben geschafft. Am Ende ist es aber mein Fehler, dass ich nie Nummer eins geworden bin. Die Entschuldigungen müssen aufhören.»

Gasquet im Einsatz an den Swiss Indoors Basel

Gasquet im Einsatz an den Swiss Indoors Basel

Keystone

Zehn Franzosen werden in den Top 100 der Weltrangliste geführt. Nur die USA weist eine vergleichbare Dichte an Spitzenspielern auf. Mit Gilles Simon (33), Gaël Monfils (31) und Jo-Wilfried Tsonga (32) war Gasquet einst als einer der vier «Nouveaux Mousquetaires» und damit als Nachfolger von Jacques Brugnon, Jean Borotra, Henri Cochet und René Lacoste inszeniert worden. Ihre Zeit neigt sich ohne Grand-Slam-Titel dem Ende zu. Gasquet (31, ATP 31) ist der Letzte aus dem Quartett, der noch im Turnier ist.