Tennis
Sydney Wellers Sprung ins kalte Wasser

Die Baslerin Sydney Weller durfte diese Woche an der Junioren-EM in Klosters teilnehmen. Für die 16-Jährige ein Sprung ins kalte Wasser, hat sie doch auf internationalem Parkett bisher kaum Erfahrung sammeln können.

Fabio Baranzini
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Eine einmalige Erfahrung: Die Baslerin Sydney Weller an der U18-EM in Klosters

Eine einmalige Erfahrung: Die Baslerin Sydney Weller an der U18-EM in Klosters

Fabio Baranzini

Am Ende war das Resultat beinahe nebensächlich. Die klare 1:6-, 1:6-Niederlage in der ersten Runde gegen die Ungarin Anna Bondar (ITF 375) konnte die Laune von Sydney Weller nicht trüben. Das Dauerlächeln auf dem Gesicht der 16-jährigen Baslerin war nicht weg zu bringen. Sie strahlte mit der Sonne um die Wette. «Ich habe mich unglaublich gefreut, dass ich für die EM selektioniert wurde und für die Schweiz antreten durfte», schwärmt Weller.

Mit ihrer Leistung war sie zufrieden. «Es war nicht ganz einfach, in dieser Höhe zu spielen. Die Bälle flogen weiter und sprangen höher ab als normalerweise, daher hatte ich etwas Mühe mit dem Return. War ich aber im Ballwechsel drin, konnte ich gut mithalten. Das Resultat ist etwas zu klar ausgefallen», analysiert sie ihr Match, das nur rund eine Stunde gedauert hat. Dennoch betont Sydney Weller mehrmals, dass allein schon die Teilnahme für sie eine einmalige Erfahrung gewesen sei, von der sie viel lernen könne.

Den Urlaub unterbrochen

In der Tat war die EM in der idyllischen Berglandschaft des Prättigau eine völlig neue Erfahrung für Weller. Bis anhin spielte sie fast ausschliesslich nationale Turniere und trat bloss sporadisch bei internationalen Events der untersten Kategorien an. Die EM in Klosters ist entsprechend eine andere Liga – in Sachen Spielniveau und vor allem auch was die Organisation betrifft. «Das ganze Umfeld ist anders. Ich war noch nie mit einer Delegation von Swiss Tennis unterwegs und wurde auch noch nie von Nationaltrainern betreut. Auch die Atmosphäre ist ganz etwas anderes, als ich es mir normalerweise gewohnt bin», sagt Weller, die für ihre EM-Teilnahme den Urlaub mit ihrer Familie in Italien unterbrochen hat.

Ihre Familie war es auch, der sie es zu verdanken hat, dass sie bereits als Kind zum Racket griff. Zwei ihrer drei älteren Brüder spielten Tennis. Und so begann auch Sydney Weller, dem gelben Filzball hinterher zu jagen. Wirklich gezielt gefördert wird Weller jedoch erst seit ein paar Jahren. «Als Kind habe ich viele andere Dinge ausprobiert und auch heute ist es mir noch wichtig, dass ich zur Schule und zum Tennis noch einen Ausgleich habe», sagt Weller, deren zweite grosse Leidenschaft die Musik ist. Und so ist die junge Baslerin mit ihren rund acht Stunden Training pro Woche im Vergleich zu vielen Kontrahentinnen, die an der EM in Klosters aufgelaufen sind, fast noch eine Amateurin. Die meisten Gegnerinnen dürften mindestens das Doppelte investieren und sich ausschliesslich auf den Tennissport konzentrieren.

Noch viel Potenzial vorhanden

Etwas, das Sydney Weller bald ebenfalls tun wird. Sie hat sich entschieden, die Fachmaturitätsschule, die sie derzeit besucht, zu unterbrechen und mindestens ein Jahr auf die Karte Tennis zu setzen. Betreut wird sie dabei von Nadjib Hamid, mit dem sie seit sechs Jahren in Sissach zusammenarbeitet. «Ich glaube, dass ich noch sehr viel Potenzial habe und möchte schauen, wie weit ich kommen kann», sagt Weller. Eines ist für sie aber trotzdem klar: «Es muss mir Spass machen und ich will die Freude am Sport unbedingt behalten.»
Wer Sydney Weller allerdings an der EM in Klosters gesehen hat, der kann sich kaum vorstellen, dass ihr das Tennisspielen keinen Spass machen kann. Dafür war ihr Lächeln zu breit. Und wer weiss, vielleicht nimmt Sydney Weller in einem Jahr wieder an den europäischen Titelkämpfen im Bündnerland teil und befindet sich dann auf Augenhöhe mit der Konkurrenz.

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