An seinem 50. Geburtstag hatte Stefan Edberg frei. Anders als in den vergangenen beiden Jahren stand der «Alte Schwede» am Dienstag nicht auf einem der blauen Courts im australischen Melbourne, um Roger Federer die Bälle zuzuwerfen. Nach der Trennung vom Schweizer Maestro ist Edberg im Ruhestand – zumindest, was seinen Job als Tennistrainer auf der Profitour angeht.

«Ich bin mir zu 99,9 Prozent sicher», sagte Edberg: «Das war eine unglaubliche Zeit. Ich hatte eine äusserst ehrenvolle Aufgabe.» Ohne Tennis wird der frühere Weltranglistenerste mit der eleganten Rückhand und dem unwiderstehlichen Volley in Zukunft jedoch nicht leben. Edberg trainiert Spieler in seiner Heimat Växjö, dort betreibt er eine Akademie gemeinsam mit dem ehemaligen Profispieler Magnus Larsson.

Rivalität mit Boris Becker

Edberg gibt seine Erfahrungen aus zwölf Profijahren weiter, in denen er sechs Grand-Slam-Titel gewann und 72 Wochen an der Spitze des Rankings stand. Ende der 80er- und Anfang der 90er-Jahre war er der grosse Rivale von Boris Becker (48) und ärgerte den Deutschen mit zwei Finalsiegen in dessen selbst erklärtem Wohnzimmer in Wimbledon (1988 und 1990).

In insgesamt 35 Duellen – damit liegen Edberg und Becker auf Platz vier aller Tennis-Klassiker – gewann Edberg jedoch nur zehn Begegnungen. Auch im Trainerduell hatte er an Federers Seite oft das Nachsehen gegen Becker und Novak Djokovic. Dennoch zog Edberg ein positives Fazit der Partnerschaft: «Es wurde schnell klar, dass es eine spezielle Zusammenarbeit mit dem wohl grössten Tennis-Repräsentanten aller Zeiten werden würde.»

Die besten Bilder der Australian Open:

Der hochgelobte Federer gab das Kompliment zurück. Es sei für ihn ein Traum gewesen, mit seinem Kindheitsidol um die Welt reisen zu dürfen. Eigentlich sei von vornherein nur eine Zusammenarbeit für 2014 geplant gewesen, umso glücklicher war Federer, dass Edberg ihn auch 2015 begleitete.

Gemeinsam verpassten die beiden Tennis-Gentlemen zwar Federers angestrebten 18. Grand-Slam-Titel, entwickelten jedoch das Spiel des Rekordspielers weiter. Federer stürmte mehr denn je ans Netz, erfand den «SABR», einen als Halbvolley geschlagenen Return von der T-Linie, und brachte damit sogar Dominator Djokovic ein ums andere Mal in Bedrängnis. Edberg habe ihn «so viel gelehrt», sagte Federer: «Sein Einfluss auf mein Spiel wird bleiben.»

Nicht nur Tennis im Kopf

Seinen Schützlingen in Växjö zeigt Edberg nicht nur den Weg in die Weltspitze, dem zweifachen Familienvater liegt auch deren Ausbildung am Herzen. «Sie sollen es kombinieren», sagte Edberg, «dabei ist es egal, wo sie es tun: am College in den USA, hier oder sonst wo.» Der Schlüssel sei, sich auf etwas verlassen zu können, wenn es mit dem Tennis nichts wird. «Diese Sicherheit kann positiv wirken», meinte der Jubilar, der als erfolgreicher Geschäftsmann aus Erfahrung spricht.