Stanislas Wawrinka, Sie waren verletzt, wie sieht es fürs French Open aus?

Stanislas Wawrinka: Für mich ist es perfekt, dass ich erst am Dienstag spielen muss. Ich habe jetzt zweimal richtig trainiert, noch kleine Schmerzen im Oberschenkel, aber es wird von Tag zu Tag besser.

Sind Sie schon so gut wie in Madrid, wo Sie im Final standen?

Ich bin noch weit vom Rhythmus von Madrid entfernt, aber das kommt schnell wieder, auch wenn es bis Dienstag nicht ganz auf das Niveau reicht. Es ist schon schade, dass ich mich nicht wie gewünscht vorbereiten konnte.

Sie spielen so gut Tennis wie noch nie in Ihrer Karriere. Was ist der Grund?

Das Match gegen Novak Djokovic beim Australian Open hat mir mental unheimlich viel geholfen. Das gab mir trotz der Niederlage viel Selbstvertrauen. Es zeigte mir, dass ich in der Lage bin, bei den grossen Turnieren mit den besten Spielern mitzuhalten. Nach der Pleite im Davis-Cup gegen Tschechien fühlte ich mich schlecht, dann erinnerte ich mich daran, dass ich ganz nah dran war. Ich begann wieder hart zu arbeiten und auch das half mir. Es kamen viele kleine Sachen zusammen. Im Training lief es gut, ich gewann Matches auf Sand, ich habe in Oeiras ein Turnier gewonnen und spielte dabei sehr gut im Final.

Sie gewinnen plötzlich auch gegen die Grossen der Szene.

Ich habe innerhalb von drei Wochen vier Top-Ten-Spieler geschlagen: Andy Murray, David Ferrer, Tomas Berdych und Jo-Wilfried Tsonga. Seit Monte Carlo hab ich sehr gut gespielt. Viele kleine Sachen funktionieren. Die anderen Spieler merken auch, dass ich mit viel Selbstvertrauen antrete. Ich war im Final gegen Ferrer, die Nummer vier der Welt, klar besser. Die Gegner wissen das. Und vor allem habe ich jetzt solche Matchs beendet, ich gewinne jetzt enge Matchs. Nicht nur gut gespielt und dann verloren wie schon oft. Es gibt natürlich Selbstvertrauen, wenn ich weiss, dass die Gegner im Moment nicht unbedingt gegen mich spielen wollen, weil ich gute Chancen auf den Sieg habe.

Warum dauerte es so lange, bis Sie mit Magnus Norman einen neuen Coach verpflichteten?

Magnus war ein sehr guter Tennisspieler, die Nummer zwei der Welt, stand in einem Grand-Slam-Final. Und als Trainer hat er hervorragende Arbeit mit Robin Söderling geleistet, ihn von Rang 30 auf 5 gebracht. Klar ich bin nicht Söderling, aber es stimmt das ganze Bild, darum habe ich ihn gewählt. Ich kannte ihn ja, er arbeitet sehr professionell, ist sympathisch, sehr positiv, er bleibt ruhig und im Hintergrund, strahlt natürliches Vertrauen aus. Das sind alles Dinge, die mir wohl helfen können. Wir haben erst begonnen, noch nicht viel zusammengearbeitet. Aber ich bin sehr zufrieden. Ich denke, wir können zusammen einiges bewegen. Ich hatte Magnus schon lange im Auge, aber er hatte erst jetzt Zeit.

Sie haben vorerst bis Paris mit ihm geplant, geht die Zusammenarbeit weiter?

Grundsätzlich ja. Nach Paris machen wir genauere Pläne. Wir haben mal gesagt, dass wir Wimbledon und das US Open plus die Wochen davor miteinander arbeiten. Aber den Rest der Saison haben wir noch nicht genau angesehen. Er hat ja seine Akademie. Ich suche auch niemanden für 100 Prozent. Ich bin frei genug, einige Turniere alleine zu bestreiten. Ich kann das mental, ich war ja über ein Jahr ohne Coach unterwegs. Ich suche einen guten Mix, einige Turniere und Vorbereitungsphasen mit ihm, den Rest alleine.

Er ist Schwede, wie sein Vorgänger Peter Lundgren. Vergleichen Sie die beiden bitte.

Man kann Peter und Magnus nicht vergleichen. Es ist allein schon schwierig, weil es unterschiedliche Phasen meiner Karriere sind. Ich habe mich verändert, es gibt einige Dinge, die ich jetzt ganz anders mache.

Sie wohnen auch wieder mit Ihrer Frau und Ihrer Tochter zusammen, hilft das Ihrem Spiel auch?

Es läuft super mit der Familie, ich bin sehr zufrieden. Klar hilft das auch, ich bin sehr ruhig. Sicher ist es manchmal schwer, die Kleine drei, vier Wochen nicht zu sehen. Aber wir sind sehr glücklich, dass wir zusammen sind. Sie kommen auch nach Paris.

Haben Sie Ihr Spiel in diesem Jahr umgestellt?

Ich habe mein Spiel schon vor einiger Zeit geändert, aggressiver. Mit dem neuen Selbstvertrauen zahlt sich das jetzt aus. Es brauchte auch seine Zeit, bis alles im Match funktionierte, auf den unterschiedlichen Belägen.

Sie haben ein neues Tattoo auf dem linken Arm, was bedeutet es?

Mein zweites Tattoo spiegelt meine Karriere als Profi. Ich bin nicht Roger Federer, Rafael Nadal oder Djokovic. Ich kassiere praktisch bei jedem Turnier eine Niederlage, aber das muss ich akzeptieren. Immer positiv bleiben, immer weitergehen. Darum bin ich da, wo ich heute stehe. Ich akzeptiere jeden Tag Training, jedes Match, ob Sieg oder Niederlage. Für mich ist das wichtig.

Ein Journalist hat geschrieben, Sie und Federer seien keine Freunde mehr, stimmt das?

Ich weiss nicht, warum einer schreibt, dass wir keine Freunde mehr sind. Wir sind nach wie vor gute Freunde, auch wenn wir wegen unserer eigenen Leben und Karrieren nicht enorm viel Zeit miteinander verbringen und nicht immer miteinander essen. Wir sprechen auch gemeinsam über wichtige Dinge, das schafft vertrauen. Was da geschrieben wurde, ist kompletter Blödsinn, wir haben seit Jahren die gleiche Verbindung.

Es gab noch mehr Ungereimtheiten über Sie zu lesen.

Es gibt Dinge, die über mich geschrieben werden, die stimmen einfach nicht. Schade, mehr will ich dazu nicht sagen.

Sind Sie sehr enttäuscht, dass Federer im Davis-Cup nicht spielt?

Ich bin eigentlich nicht enttäuscht. Natürlich hätten wir alle lieber, dass er spielt. Aber diesmal verstehe ich, dass er verzichtet. Das ist wirklich kein Problem. Wir spielen gegen Ecuador und sind auch ohne ihn Favorit. Es liegt jetzt wirklich an uns, dass wir siegen und uns den Platz in der Weltgruppe verdienen. Das gibt uns dann eine neue Chance einen guten Davis-Cup im nächsten Jahr zu spielen.