Nadal peilt im dritten Grand Slam des Jahres indes die Titelverteidigung an. Sein Gegner im zweiten Halbfinal vom Freitag ist der britische Lokalmatador Andy Murray. Aufgrund der "Murraymania" bei den 125. All England Championships verkam das Weiterkommen von Djokovic fast zur Randnotiz. Der australische Qualifikant Bernard Tomic (ATP 158) bereitete dem Serben zwar Mühe, am Ende durfte der Weltranglistenzweite aber nach vier langen Sätzen jubeln. Djokovic bieten sich nun zwei Chancen, die Spitze zu erklimmen. Einerseits kann er den Sprung nach ganz oben mit einem Sieg gegen Tsonga aus eigener Kraft schaffen. Er würde den Tennis-Thron aber auch bei einem Erfolg von Murray gegen Nadal besteigen.

Für Djokovic liegt der Fokus aber ganz auf dem eigenen Match: "Ich will einfach zum ersten Mal ins Endspiel." Bereits einmal stand der 24-Jährige aus Belgrad vor dem Sprung an die Spitze. In Roland Garros beendete Roger Federer aber seine 43 Siege andauernde Serie. Es war die bis dato einzige Niederlage von Djokovic im Jahr 2011. Tsonga könnte jedoch in dessen Form im Spiel gegen Federer ein weiterer Stolperstein auf dem Weg zur Nummer 1 werden. Nun traut sich Tsonga nach einem "einfach perfekten Tag" alles zu.

Auf die Frage, ob er das Rasenturnier für sich entscheiden könne, meinte der 26-Jährige frech: "Warum nicht?" In direkten Duellen liegt Tsonga gegenüber Djokovic 5:2 voran. Im bisher jüngsten und wichtigsten Vergleich, dem Final der Australian Open 2008, ging der 19. des aktuellen ATP-Rankings aber als Verlierer vom Platz. "Ich habe einige Mal gegen Novak gespielt und er hat mich in wichtigen Spielen geschlagen. Ich will das nun ändern", meinte Tsonga.

Publikum gegen Nadal

Klar verteilt sind die Sympathien im zweiten Match um den Finaleinzug. Am Freitag wird Nadal praktisch das gesamte Publikum gegen sich haben. Er trifft auf Murray, der als Einziger ohne Satzverlust im Halbfinal steht. Vor dem dritten Wimbledon-Duell ist der Schotte zuversichtlich, den Spanier erstmals bezwingen zu können: "Ich bin überzeugt, dass ich ihn schlagen kann." Wie jedes Jahr ist der Druck auf den als Nummer 4 gesetzten Murray beim Heimturnier enorm. In den vergangenen zwei Jahren war jeweils in der Vorschlussrunde Endstation. Im Vorjahr hatte ihn Nadal in drei Sätzen abserviert. 75 Jahre nach dem Sieg von Fred Perry soll Murray die Sehnsucht der englischen Fans am "Tag der Wahrheit" ("The Sun") wieder stillen. "Ich weiss, dass es schwer wird. Ich weiss, dass es eine Herausforderung wird. Aber ich werde bereit sein", erklärte Murray, der gegen Nadal nur vier von 15 Aufeinandertreffen gewonnen hat.

Der spanische Vorjahressieger strebt in Wimbledon seinem dritten Titel entgegen. Die Nummer 1 der Tennis-Welt setzte sich im Viertelfinal gegen den Amerikaner Mardy Fish durch. Von den Fussproblemen, die Nadal noch in der Runde der letzten 16 gegen den Argentinier Juan Martin del Potro geplagt hatten, war nichts zu merken. Schmerzen verspürte er keine, auch, weil er die Problemzone betäuben lassen hatte. Nadal will sich durchbeissen: "Die MRI-Untersuchung hat nichts Gravierendes gezeigt. Ich hatte dann zwei Möglichkeiten: Ich gebe w.o. und zurück an den Strand, oder ich versuche weiterzuspielen. Wimbledon war für mich immer ein Traum, und deshalb habe ich beschlossen, es weiter zu versuchen. Nachher habe ich ja einen Monat Pause."