Wawrinka musste gegen den letzten im Turnier verbliebenen Einheimischen viele Probleme überwinden, setzte sich aber nach drei Stunden und 46 Minuten auch dank einer beeindruckenden Willensleistung mit 6:3, 6:7 (1:7), 7:6 (7:3), 6:4 durch.

Im Endspiel trifft Wawrinka entweder auf Novak Djokovic oder Andy Murray. Gegen beide besitzt er eine negative Bilanz, gegen Djokovic verlor er 17 von 20 Duellen, gegen Murray 8 von 14. Das muss aber nichts heissen. Schliesslich holte Wawrinka seine ersten Grand-Slam-Titel vor knapp anderthalb Jahren nach Erfolgen im Viertelfinal gegen Djokovic und im Final gegen Rafael Nadal, den er zu jenem Zeitpunkt noch nie geschlagen hatte.

Der Weg in den Final kostete Wawrinka viel Kraft. Nach Roger Federer am Dienstag bei regnerischem Wetter musste er gegen Tsonga bei Sonnenschein und über 30 Grad im Schatten antreten. Die Hitze war nicht nur für die Spieler, sondern auch für die Zuschauer eine Belastung. Schliesslich war es vor wenigen Tagen in Paris noch unter 20 Grad gewesen.

Wawrinka war das am Anfang egal. Im ersten Game der Partie musste er zwar drei Breakbälle abwehren, bestimmte danach aber bis Mitte des zweiten Satzes meistens das Tempo und war bei den Grundlinien-Duellen klar überlegen. Im ersten Satz schaffte er das Break zum 3:1 nach einer 40:0- Führung von Tsonga und einer herrlichen, der Linie entlang geschlagenen Rückhand zum Abschluss.

Es ging im gleichen Stil weiter mit einem dominanten Wawrinka, bis zum 4:2 im zweiten Satz. Dann geriet der Waadtländer in ein Tief, das ihm noch unerwartet den zweiten Satz kostete. Auch wegen zweier Doppelfehler gab er das im ersten Game eroberte Break zum 4:4 wieder her. Im elften Game vergab er dann fünf Möglichkeiten zum Servicedurchbruch. Im 1:7 verlorenen Tiebreak führten drei Fehler zu einem raschen 0:3.

Wawrinka musste sich zu Beginn des dritten Umgangs am Mittelfinger der rechten Hand und am linken Oberschenkel pflegen lassen. Vor allem schien ihm aber die Hitze das Leben schwer zu machen. Er leistete sich viel mehr Fehler, war am Service deutlich anfälliger. Er musste auf dem Weg zum Tiebreak sechs Breakbälle abwehren und kam selber beim Aufschlag des Franzosen während des gesamten dritten Umgangs nur zu drei Punkten. Dass er dann das Tiebreak für sich entschied, war aber verdient, weil er der aktivere Spieler war.

Langsam hatte sich Wawrinka im Verlauf des dritten Umgangs erholt. Er spielte nicht mehr unwiderstehlich wie zu Beginn, fand aber die Ressourcen, um in den entscheidenden Momenten präsent zu sein. Er verteidigte sein im ersten Game des vierten Satzes zu null erspieltes Break bis zum Schluss. Fünf Breakbälle musste er dabei abwehren. Am Ende hatte Tsonga nur eine von 17 Möglichkeiten zum Servicedurchbruch genutzt.