Tennis

Sie arbeitet mit den Tennisstars: «Ich weiss, wie die Spieler ticken»

Fabienne Benoit (r.) übernimmt für Stan Wawrinka auch bei den Swiss Indoors die Medienarbeit.kurt Schorrer

Fabienne Benoit (r.) übernimmt für Stan Wawrinka auch bei den Swiss Indoors die Medienarbeit.kurt Schorrer

Fabienne Benoit ist die Frau, die an den Swiss Indoors in Basel Hand in Hand mit den Stars zusammenarbeitet. wer ein Interview mit den besten Tennis-Cracks der Welt führen will, der muss bei ihr anklopfen.

Wer an den Swiss Indoors ein Interview mit einem der besten Tennis-Cracks der Welt führen will, der muss bei Fabienne Benoit anklopfen.

Die 35-jährige Bernerin mit Wohnsitz in Muri arbeitet seit fast zehn Jahren für die ATP, welche die Tennistour der Männer organisiert.

Sie ist offiziell als PR- und Marketing-Managerin angestellt und betreut seit 2012 auch das Schweizer Davis-Cup-Team.

Pro Jahr ist sie an zirka 15 Turnieren auf der ganzen Welt engagiert und insgesamt 20 Wochen beruflich unterwegs. Sie gibt zu ein paar Stichworten einen kleinen Einblick in die Welt des Profi-Tennis.

Das lustigste Erlebnis: «Eines von vielen lustigen Erlebnissen war, als Gael Monfils 2005 in Sopot sein erstes ATP-World-Tour-Turnier gewann. Nach den Feierlichkeiten, während denen er für die Journalisten unter anderem eine Breakdance-Einlage zelebrierte, kam er zu mir, um mir für ein Charity-Projekt der Unicef noch einen persönlichen Gegenstand zu schenken. Da zog er seine Tennisschuhe aus und knallte die riesigen Dinger Grösse 48 auf mein Pult. Worauf ich ihn fragte: ‹Und wie soll ich die in meinen Koffer reinbringen?› Ich erinnere mich an diese Anekdote, weil jenes Turnier auch einer meiner ersten Einsätze war.»

Das prägendste Erlebnis: «Der Titel von Stan Wawrinka in Roland Garros in diesem Jahr, als er mich an den Final eingeladen hat. Nach seinem Triumph übernahm ich die Aufgabe, seine Termine zu koordinieren. Am Montag gingen wir dann mit Stan und dem Pokal auf den Court Philippe Chatrier, den in meinen Augen schönsten Tennisplatz der Welt. Das war ein sehr bewegender Moment für mich.»

Das aufregendste Turnier: «Chennai, wo Stan Wawrinka zuletzt zwei mal gewinnen konnte, ist ganz anders als die anderen Turniere. Für eine Schweizerin ist es schon recht exotisch, nach Indien an so einen Anlass zu reisen. Mir gefällt das, weil ich gerne fremde Kulturen kennen lerne. Casablanca ist deshalb auch sehr speziell für mich.»

Das ist speziell an Basel: «Ich habe dieses Turnier schon als Kind besucht, als mein Vater noch als Journalist beim «Bund» gearbeitet hat. Ich sah hier zum ersten Mal Pete Sampras spielen. Schön ist auch, dass ich hier wenige Stunden nach dem Turnierende zu Hause bin. In der Regel verliere ich durch die Heimreise einen zusätzlichen Tag. In Basel fühle ich mich wie zu Hause, weil ich auch fast alle Leute im Umfeld des Turniers sehr gut kenne.»

Auf diesen Spieler freue ich mich immer: « Es ist schwierig, da jemanden herauszupicken, da eigentlich alle sehr angenehm im Umgang sind. Es gibt da viele, mit denen man einen Kaffee trinken kann. Die Schweizer kenne ich natürlich am besten und sind mir entsprechend am nächsten.»

Vor diesem Spieler habe ich den grössten Respekt: «Respekt habe ich grundsätzlich vor allen. Als ich relativ frisch in meinem Job war, musste ich in Toronto Marat Safin nach einer Niederlage für die Pressekonferenz aufbieten und dachte: ‹Hoffentlich ist er nicht allzu schlecht drauf.› Zumal ich ihn auch warten lassen musste, da der Sieger seine Pressekonferenz zuerst abhalten wollte. Am Ende war Safin aber sehr kooperativ. Trotzdem ist man immer ein wenig verunsichert, wenn man die Spieler noch nicht so richtig kennt. Inzwischen weiss ich, wie die meisten Spieler ticken. Ein paar brauchen eine halbe Stunde, ehe sie nach einer Niederlage ansprechbar sind. Andere wollen ihre Pflicht so schnell wie möglich erledigen. Grundsätzlich ist es gut, wenn man weiss, wann man besser schweigen sollte.»

Das nervt die meisten Spieler: «Es gibt Turniere, die morgens um 9 Uhr irgendwelche Sponsoren-Aktivitäten terminieren, an denen die Spieler teilnehmen müssen. Gerade an spielfreien Tagen hält sich da die Begeisterung in engen Grenzen. Besonders, wenn sie noch eine lange Fahrt auf die Anlage in Kauf nehmen müssen, wie zum Beispiel in Schanghai, Peking oder Rom, wo die Staus vorprogrammiert sind. Da ist es oft nicht so einfach, die Spieler zu überzeugen, dass sie diesen Termin zu diesem Zeitpunkt wahrnehmen müssen. Aber das begreife ich auch.»

Das kostet mich die meisten Nerven: «Was ich nicht mag, sind Last-Minute-Änderungen. Wenn man alles schon mit dem Spieler besprochen und organisiert hat und es dann kurz vor dem Termin noch irgendwelche Verzögerungen gibt. Das ist sehr undankbar, weil dann oft auch der Respekt vor dem Spieler fehlt. Die haben ja auch eine minuziöse Tagesplanung, die sie einhalten müssen.»

So oft werde ich gefragt, ob ich ein Autogramm von Roger Federer besorgen kann: «Das kommt schon immer wieder vor. Aber es gehört sicher nicht zu meinen Lieblingsaufgaben. Ich bitte ihn nie um Unterschriften auf irgendwelchen Utensilien, weil ich weiss, dass er sonst schon genug um die Ohren hat. Da soll er nicht auch noch von mir belästigt werden.»

Das werde ich am meisten gefragt bezüglich Roger Federer: «Ist er wirklich so nett, wie er immer scheint? Da antworte ich immer: ‹Nein, er ist noch viel netter!› Im Ernst: Ich bin immer wieder erstaunt, wie er mit diesem ganzen Rummel umgeht. Ich würde das nicht aushalten. Seine Geduld, die Zeit, die er sich nimmt. Das ist wahnsinnig bewundernswert. Und das nach so vielen Jahren. Das ist eines von vielen Talenten, die er hat. Ich sage das auch immer zu ihm.»

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