Die Schweizer Tennisszene ist überschaubar – zumindest im Kreis der ambitionierten Nachwuchsspieler. Man kennt sich, weiss, was die Konkurrenz tut und ist stets darauf bedacht, nicht anzuecken. Die richtige Ausrüstung, das Renommee des Trainers, die Kaderzugehörigkeit oder der Besuch einer Sportklasse gehören dazu. Wer eigene Wege einschlägt, wird schnell mit einem Stirnrunzeln oder erstaunten Blicken bedacht.

Just in diesem kleinen Kreis wagte es vor einigen Jahren einer, der selbst weder Tennisspieler noch im Besitz eines Trainerdiploms ist, sondern als Ingenieur arbeitet, seine beiden Söhne nach einem eigenen Ansatz zu trainieren. Möglichst viele Bälle schlagen und nicht in erster Linie auf die Technik achten, lautet sein Credo in der ersten Karrierephase seiner Söhne. Das ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was in jedem Tennislehrbuch steht. Und dann fiel auch die sehr selbstbewusste Zielformulierung auf: Seine Söhne sollen nicht einfach nur zur Weltspitze gehören, sondern sie sollen Legenden werden.

Der Mann, der sich dies traute und damit in der Tennisszene für Aufsehen sorgte, war Franjo Osmakcic, gebürtiger Kroate, wohnhaft in Rafz. Seit gut sieben Jahren trainiert er seine Söhne Mario (18) und Marko (16), die nie eine Sportschule besucht haben, in Eigenregie. Auch die Trainingsbedingungen waren in der Tennisszene ein Gesprächsthema. Weil das Geld gefehlt hat, sollen die Söhne im Winter draussen trainiert haben – mit gefrorenen Bällen und bis spät in die Nacht.

In der Schweiz unantastbar

So unkonventionell die Herangehensweise der Osmakcics an den Tennissport auch sein mag, der Erfolg gibt ihnen Recht. Obwohl auch Mario in früheren Jahren sehr erfolgreich war (Junioren Schweizer Meister), hat sich schnell gezeigt, dass der jüngere Bruder das grössere Talent besitzt. Marko war der weltbeste Junior (U14) und wurde mit 14 Jahren Schweizer Meister in der Königskategorie U18. Das haben weder Roger Federer (er war 15) noch Stan Wawrinka (wurde nie U18 Schweizer Meister) geschafft. Derzeit steht Marko Osmakcic bei den Junioren auf Rang 44 der Welt und konnte auch bei den Profis schon einige Achtungserfolge feiern.

Aufgrund der grossen Fortschritte in den letzten Monaten wurde Marko Osmakcic, der seit gut einem Jahr als Profi mit seinem Vater durch Europa tourt, von Davis-Cup-Captain Severin Lüthi für die Partie gegen Belgien aufgeboten. «Ich war überrascht, aber es war auch eine grosse Ehre», blickt der 16-Jährige zurück. «Es war eine grossartige Woche, in der ich viel lernen konnte – vor allem, dass ich noch konsequenter und professioneller arbeiten muss.»

Marko Osmakcic hat sich in den letzten Jahren nicht nur spielerisch und körperlich weiter entwickelt, sondern er ist auch reifer geworden. Dies zeigt auch seine Antwort auf die Frage, ob denn die Zielsetzung des Vaters, dass er eine Legende werden solle, noch aktuell sei. «Ich habe immer noch sehr hohe Ziele, aber die behalte ich für mich. Ich möchte nicht an Aussagen gemessen werden, die ich früher gemacht habe. Ich bin überzeugt, dass es schädlich ist, wenn man sich auf fixe Ziele versteift.»

Mit solchen Antworten passt der grossgewachsene Rafzer schon viel eher in die hiesige Tennisszene - genauso sein Vater, der mittlerweile auch vorsichtiger geworden ist bei seiner Wortwahl gegenüber den Medien. Und auch was die Trainingsmethoden angeht, haben sich Osmakcics weiter entwickelt. Auch bei ihnen stehen nun Technik und Taktik im Fokus. Trotzdem: Sportlich fällt Marko Osmakcic noch immer auf, denn in seiner Altersklasse kann ihm hierzulande niemand das Wasser reichen.