Stanislas Wawrinka zeigte auch im vierten Spiel am Australian Open eine berauschende Leistung. Wie in den Runden zuvor gegen Grigor Dimitrov und Gael Monfils produzierte er auch gegen den Top-10-Star Andy Roddick klar mehr Gewinnschläge (43) als ihm Fehler (19) unterliefen. Er dominierte das Spiel in allen Belangen. Roddick besass wenige Breakmöglichkeiten. Eine beim Stand von 1:1 im ersten Satz, die nächsten aber erst wieder, als Wawrinka schon klar in Führung lag (6:3, 6:4, 3:1). Wawrinka nützte im achten Game seine neunte Möglichkeit (!) zum ersten Break. Und auch im zweiten Satz nahm der Romand der Nummer 8 der Welt im entscheidenden Moment (zum 5:4) den Aufschlag ab. Im dritten Satz gelang das Break schon zum 2:1.

Wawrinka erwies sich nicht nur in den Grundlinienduellen und taktisch als stärkerer Spieler, er dominierte Roddick sogar beim Aufschlag, der grössten Stärke des Amerikaners. Roddick gelangen nur neun Asse; Wawrinka servierte fast dreimal so viele (24). Nach zwei Stunden und 22 Minuten verwertete Wawrinka gleich den ersten Matchball.

In den Viertelfinal vom Dienstag startet Wawrinka gegen Roger Federer nicht als krasser Aussenseiter. Wawrinka, der sich zum zweiten Mal an einem Major unter den letzten acht befindet (nach dem US Open 2010), spielte bislang in Melbourne famos. Nur Rafael Nadal (ATP 1), Robin Söderling (ATP 4) und Andy Murray (ATP 5) haben wie Wawrinka im Turnier noch keinen Satz abgegeben -- müssen den Achtelfinal aber erst noch hinter sich bringen. Stan Wawrinka bewies vor zwei Jahren in Monte Carlo, dass er auch Federer besiegen kann. In allen übrigen Duellen behielt jedoch der Basler die Oberhand. An Grand-Slam-Turnieren standen sich Federer und Wawrinka erst einmal gegenüber: vor acht Monaten im Achtelfinal in Paris. Damals gewann Federer 6:3, 7:6, 6:2.