ATP Finals
Schräges Schauspiel – während Federer seinen Startsieg erklärt, wird Nadal geehrt

Roger Federer glückt der Auftakt in die ATP Finals in London. Zum Auftakt seiner Gruppe siegt der 36-jährige Baselbieter gegen den Masters-Debütanten Jack Sock aus den USA 6:4, 7:6 (7:4). Während er seinen Startsieg erklärt, wird Rafael Nadal geehrt.

Simon Häring
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Roger Federer gewinnt sein Auftaktspiel gegen Jack Sock problemlos in zwei Sätzen.

Roger Federer gewinnt sein Auftaktspiel gegen Jack Sock problemlos in zwei Sätzen.

KEYSTONE/PPR/KURT SCHORRER

Vielleicht sind sie sich im langen Gang, den die Spieler von den Kabinen aus dem Bauch der Londoner O2-Arena auf den Platz zurücklegen, begegnet: Roger Federer, nach seinem 6:4, 7:6 gegen den Amerikaner Jack Sock (24, ATP 9) im Startspiel bei den World Tour Finals, auf dem Weg nach Hause.

Rafael Nadal, der das Jahr zum vierten Mal nach 2008, 2011 und 2013 als Nummer eins der Tennis-Welt beenden wird, auf dem Weg ins Rampenlicht. Dort nimmt er den Pokal für diesen Erfolg entgegen.

«Vor einem Jahr hätte ich nicht einmal zu träumen gewagt, das zu erreichen. Es waren sehr emotionale Monate, die nicht immer einfach waren», sagte der Mann, der am 21. August Andy Murray von der Spitze verdrängt hatte.

Rafael Nadal: Spieler des Jahres 2017.

Rafael Nadal: Spieler des Jahres 2017.

KEYSTONE/EPA/CHRISTOPHE PETIT TESSON

Rafael Nadal hat in diesem Jahr sechs Turniere gewonnen. Er triumphierte zum zehnten Mal in Roland Garros und gewann auch zum dritten Mal die US Open. Roger Federer sagt: «Rafa hat es verdient, ganz ehrlich. Von uns allen hatte er die beste Saison. Er hat mehr Turniere bestritten.»

Ein schräges Schauspiel

Irgendwie sei er sogar froh, dass diese Entscheidung bereits gefallen sei. «So kann ich mich auf das Turnier konzentrieren.» Und doch ist es ein schräges Schauspiel. Federer hat mehr Turniere gewonnen als Nadal und er hat alle vier Duelle gegen seinen Erzrivalen für sich entschieden.

Selten zuvor war er beim Final der Jahresbesten so klarer Favorit wie in diesem Jahr. Bei 15 Teilnahmen stand er zehn Mal im Final und gewann sechs Mal. Die Hälfte der 2017 Qualifizierten sind Debütanten, Nadal gewann noch gar nie.

Am Donnerstag nahm Federer drei Auszeichnungen entgegen: eine für das Comeback des Jahres, zum 13. Mal den «Stefan Edberg Sportsmanship Award», mit dem die Spielerkollegen den fairsten Sportler auszeichnen. Und zum 15. Mal in Folge wurde er von Anhängern als Lieblingsspieler der Saison gewählt.

Hinter dicken Mauern

Drei Preise – alle entschieden durch Stimmabgabe. In Empfang nahm Roger Federer sie aber nicht vor Publikum, sondern hinter den Festungsmauern des Tower of London und unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Auch deshalb war es ein schräges Schauspiel, das sich gestern am Ufer der Themse abspielte.

Roger Federer feierte in London seinen 50. Einzelsieg auf der ATP-Tour in dieser Saison.

Roger Federer feierte in London seinen 50. Einzelsieg auf der ATP-Tour in dieser Saison.

KEYSTONE/ALEXANDRA WEY

Denn Nadals Auszeichnung zum Spieler des Jahres ist die einzige, welche nicht durch Stimmabgabe entschieden wird. Federer ist das egal. Zum zwölften Mal startete er mit einem Sieg in den Jahresfinal. Immer erreichte er danach die Halbfinals.

Nur 2008 scheiterte er in der Gruppenphase. Gegen Sock war er beim Aufschlag unantastbar, nutzte aber nur eine von sechs Breakchancen.

Noch nicht ganz zufrieden

Ganz zufrieden war er aber nicht. «Man kann nicht erwarten, dass im ersten Match gleich alles bestens läuft. Es ist noch früh im Turnier und es gibt noch Platz für Verbesserungen.» Als er das sagte, lief bereits die erste Halbzeit des WM-Barrage-Rückspiels zwischen der Schweiz und Nordirland.

Federer hatte eingewilligt, wegen der Ehrung Nadals mit seinem TV-Interview zu warten. «Wenn ich gewusst hätte, dass das Spiel schon läuft, würde ich jetzt nicht hier sitzen», sagte er. Auch das passte irgendwie zum Schauspiel.