Niederbuchsiten
Roger Ferderer: Auf einen Kaffee bei Jura

Roger Federer eröffnete in Niederbuchsiten beim Kaffeeautomatenhersteller Jura seinen eigenen «Ruhmesgang». Bei Jura, für die der Schweizer seit Jahren die Werbetrommel rührt, herrschte Grossandrang.

Michael Wehrle
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Roger Federer bei Jura
13 Bilder
 Ganz entspannt
 King Roger mit seinen Eltern Rober und Lynette Federer
 Mit Jura-CEO Emanuel Probst

Roger Federer bei Jura

Gestandene Männer zücken ihr Handy, halten es hoch in die Luft, visieren ein imaginäres Ziel an und drücken einfach mal auf Verdacht ab. Das Objekt der Begierde: Tennisstar Roger Federer. Rund 400 Gäste – hauptsächlich Vertreter aus der Wirtschaft – waren der Einladung gefolgt, als die Firma Jura den «Walk of Fame» ihres Botschafters präsentierte und eine limitierte Edition einer Kaffeemaschine mit den Initialen des Superstars vorstellte. «Roger ist der ideale Partner für uns», betonte CEO Emanuel Probst. «Er ist weltweit ein Idol und erst in zweiter Linie Tennisspieler», betonte Probst.

«Nur noch die Nummer 5»

«Von mir hat er das Talent, von meiner Frau die Schnelligkeit», beschrieb Robert Federer den Aufstieg seines Sohnes. Tatsächlich hat Roger als Dreijähriger den Ball bereits 20 Mal übers Netz gespielt. Und natürlich förderten die Eltern ihren Sohn, ohne ihn jedoch zu überfordern. «Als er mit 17 Jahren Juniorenweltmeister war, da glaubten wir, dass aus ihm etwas werden kann», sagte Mutter Lynette. Schritt für Schritt hätten sie weiter geschaut. «Vor allem in der Schweiz haben doch alle Angst, wenn ihr Kind in den Spitzensport will», erklärte Robert. So hätten sie im Zweijahresrhythmus geplant, als Roger 14 Jahre alt war. «Juniorenerfolge heissen noch gar nichts, dann folgt der Schritt in eine andere Welt», sagte Roger. Er hat inzwischen schon den nächsten Schritt hinter sich: In die Welt der Profis mit einer Familie. «Plötzlich bin ich bei meiner Mutter nur noch die Nummer fünf», verrät er. Denn nicht nur er hat Zwillinge. Vor einigen Wochen brachte auch seine Schwester Diana einen Buben und ein Mädchen zur Welt. «Meine Resultate sind den Eltern nun egal. Zuerst kommt die Frage, wie es den Kleinen geht, ob der Schnupfen weg ist», plauderte Federer aus dem Nähkästchen. Er geniesst das: «Ich muss schliesslich niemandem mehr ausser mir etwas beweisen.» (mic)

Mit von der Partie waren auch Federers Eltern Lynette und Robert sowie Konditionstrainer Pierre Paganini. Und der brachte es auf den Punkt, weshalb der Weltstar so gut rüber kommt: «Das Übereinstimmende in seiner Person ist das Faszinierende.» Federer habe seine Natürlichkeit, die er schon als 14-Jähriger besass, bewahrt und bringe sie mit der Autorität, die er heute ausstrahle, unter einen Hut. «Dabei weiss er genau, was er will. Das ist der entscheidende Punkt für seine tolle Karriere.» Nie habe es ein Problem gegeben ihn zu trainieren, Federer habe seinen Coaches vertraut. «Er ist langfristig aufgebaut worden: menschlich, physisch, tennistechnisch und mental.»

Alles muss passen

«Im Mosaik muss alles passen», betonte Lynette Federer. Sie hätten Vertrauen in seine Coaches gehabt, das haben beide Seiten gespürt. «Ein Kind merkt, wenn man es los lässt», erklärte die Mutter. Und das ist für den jungen Roger doch ziemlich schwierig gewesen. Mit 14 Jahren entschied er sich, sein Elternhaus zu verlassen, in die Akademie von Swiss Tennis nach Ecublens zu ziehen. Mit Tränen in den Augen sei er jeweils am Sonntagabend in den Zug gestiegen. Das sei für eine Mutter nicht einfach, doch der Sohn habe sich selbst dafür entschieden. Und zwar ganz alleine.

Mutter Federer erinnerte sich: «Die Akademie stellte sich bei den Schweizer Meisterschaften in Liestal vor. Ich fragte Roger, ob das etwas für ihn ist. ‹Interessiert mich nicht›, hat er geantwortet. Zwei Monate später las ich im Tennismagazin Smash: ‹Ecublens ist ein Thema für mich.›» Also doch: Federer hatte eine seiner vielen richtigen Entscheidungen getroffen. Kein Wunder betonte er in Niederbuchsiten: «Ich würde alles nochmal gleich machen.»