French Open

Roger Federers nächstes Pariser Déjà-vu: In Roland Garros gegen Rafael Nadal

Roger Federer unterliegt Rafael Nadal im Halbfinal der French Open.

Roger Federer unterliegt Rafael Nadal im Halbfinal der French Open.

Auch im sechsten Anlauf scheitert Roger Federer am Versuch, Rafael Nadal in Roland Garros zu bezwingen. Der Baselbieter verliert den von Winde verwehten Halbfinal deutlich mit 3:6, 4:6, 2:6. Federer hat den Schlüssel um Nadal zu bezwingen doch noch nicht gefunden.

Es ist windig, kalt und der Himmel von Wolken verhangen, als Roger Federer mit zum Boden gesenktem Blick und in sich gekehrt über den Platz schleicht. Es ist ein Bild, das man hier in den letzten 15 Jahren immer wieder von ihm gesehen hat.

Auch im sechsten Anlauf nach 2004 in den Halbfinals und 2005 bis 2008 sowie 2011 im Final scheitert er in Roland Garros an Rafael Nadal, dem elffachen Sieger, dem unbestrittenen Sandkönig. 3:6, 4:6, 1:6 lautet das Verdikt aus Sicht Federers. Acht Jahre waren die beiden Erzrivalen in Paris nicht mehr aufeinandergetroffen. Auf Sand, wo Federers letzter von nur zwei Siegen gegen Nadal bereits zehn Jahre zurückliegt, gab es das Duell seit 2013 nicht mehr.

Trauriges Federer-Jubiläum

Das liegt im Wesentlichen daran, dass Federer in den letzten beiden Jahren die Sandsaison ausgelassen hatte. Die French Open, die er am 7. Juni 2009, also auf den Tag zehn Jahre vor dem gestrigen Halbfinal gegen Nadal, gewonnen hatte, bestritt er erstmals seit vier Jahren. Federer hatte zwar letztmals im Januar 2014 gegen Nadal verloren und die letzten fünf Duelle gewonnen, allerdings fanden diese allesamt auf Hartplätzen statt.

Seine halbjährige Pause ab dem Sommer 2016 hatte Federer dazu genutzt, die Klaviatur seines Spiels mit der deutlich offensiver gespielte Topspin-Rückhand zu ergänzen. Er gewann damit bei den Australian Open 2017 nicht nur gleich sein erstes Turnier nach der Rückkehr, sondern glaubte, damit auch den Schlüssel gegen Nadal gefunden zu haben, den er in Melbourne in fünf Sätzen in die Knie zwang.

Denn über ein Jahrzehnt folgten ihre Duelle einer grausamen Logik: Linkshänder Nadal bearbeitete mit seiner Vorhand unermüdlich die einhändig geschlagene Rückhand Federers. Weil dieser dem Druck auf Dauer nur selten standhalten konnte, verloren auch Elemente wie Vorhand oder Aufschlag an Präzision und Wirkung. Sein Spiel zerfiel in Einzelteile. Besonders augenfällig war dieser Unterschied auf Sand, wo die Bälle höher wegspringen als auf anderen Belägen.

Es war ein Trugschluss. Federer erlebt gegen Nadal sein nächstes Pariser Déjà-vu. Gleich in seinem ersten Servicegame muss er ein Break hinnehmen. Zwar schafft er das Rebreak zum 2:3, muss aber umgehend wieder ein Break zum 2:4 hinnehmen. Nur einmal liegt er vorne: Im zweiten Satz, als sich ihm gar die Chance bietet, auf 3:0 zu erhöhen. «Roger, Roger»-Rufe hallen über den Platz. Auch das ein Déjà-vu. Keinen lieben die Pariser mehr als Federer, der Sieger, der hier meist als Verlierer abreist.

Und so ist es auch in diesem Jahr. Nadal schafft umgehend das Rebreak, und beim Stand von 4:4 und 40:0 bei eigenem Aufschlag verliert Federer neun Punkte in Folge und damit den Satz. Immer wieder wirbelt der Wind ihm und Nadal den Sand in die Augen. Die Bedingungen sind schwierig, doch sie sind für beide gleich, wie der Schweizer betont. «Das soll keine Ausrede sein. Er war einfach viel besser», sagt er nach der sechsten Paris-Niederlage gegen Nadal, bei der nie der Eindruck entsteht, sie könnte einen anderen als den bisher bekannten Ausgang haben.

«Roger, Roger, Roger»-Rufe

Letztmals hatte Federer 2008 im Paris-Final ähnlich deutlich gegen Nadal verloren, als ihm dieser im nur vier Games überlassen hatte. Damals hatte Federer verzweifelt nach dem Rezept gesucht, um mit den French Open jenes Grand-Slam-Turnier zu gewinnen, das ihm in der Sammlung noch fehlte.

Er scheiterte epochal und verlor vier Wochen später auch in Wimbledon erstmals nach sechs Jahren - im Final gegen Nadal. In Paris gewann er erst 2009, als er Nadal nicht bezwingen musste. Selber hat Roger Federer das Rezept bis heute nicht gefunden.

Jener Triumph hatte auch eine kathartische Wirkung. Er versöhnte Federer mit Roland Garros. Als er am Freitag um 15.30 Uhr seine beiden Taschen schulterte und den Platz verliess, die rechte Hand zu einem letzten Gruss an das Publikum in die Luft gestreckt, hallten ein letztes Mal die «Roger, Roger, Roger»-Rufe durchs Rund. Einmal mehr verliess Federer, der Sieger, diesen Platz als Verlierer. Auch das war ein Pariser Déjà-vu. Vielleicht sein letztes.

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