Tennis
Roger Federer zuversichtlich: «Ich möchte noch viele Jahre spielen»

Roger Federer wird bei den Swiss Indoors in Basel fehlen. Zwei Tage vor dem Turnierstart trat er im Rahmen eines öffentlichen Talks bei einem seiner Sponsoren auf. Und machte seinen Fans Hoffnungen fürs neue Jahr.

Marcel Kuchta
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Federer in Niderbuchsiten
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Federer präsentierte sich in einem schicken Anzug.
Berni Schär und Roger Federer
Roger Federer posiert sich in Niederbuchsiten mit den zahlreich anwesenden Fans.
Tennisbälle, Kappen, Handys, ja sogar Taschen und Schuhe wollten die Fans in der ersten Reihe von ihrem Idol Roger Federer unterschreiben lassen.
Statt Basel warten die Fedi-Fans im Kanton Solothurn auf ihren Maestro.

Federer in Niderbuchsiten

Patrick Lüthy

Die Sonne scheint über Niederbuchsiten, als Roger Federer auf dem direkt an der Autobahn A1 gelegenen Gelände seines Sponsors «Jura» auf die Bühne tritt. Elegant gekleidet in einem dunklen, dezent karierten Anzug, Rollkragenpulli und leichten Turnschuhen. Der Schweizer Tennis-Star zeigte sich zwei Tage vor dem Auftakt der «Swiss Indoors» in Basel erstmals wieder in der Schweizer Öffentlichkeit. Auf dem Tennis-Court wird er in der kommenden Woche allerdings nicht zu sehen sein. Seinen Titel wird er an seinem Heimatturnier bekanntlich nicht verteidigen können. Roger Federers Saison 2016 ist schon seit Ende Juli offiziell zu Ende. Auch deshalb kann er an diesem Nachmittag entspannt über Gott und die Welt plaudern.

3300 Meter Tennissaiten Die Spieler verbrauchen während des Turniers 3300 Meter an Tennissaiten, was der Distanz zwischen der St.-Jakobshalle und dem Barfüsserplatz entspricht. Damit lassen sich mehr als 300 frische Rackets bespannen, denn je nach Schlägertyp werden für die Bespannung zwischen elf und zwölf Meter Saite benötigt. Das Material kann dabei variieren. Rafael Nadal verwendet 100% Polyester, Roger Federer nutzt wie auch Novak Djokovic ein Hybrid aus Naturdarm und Polyester.
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6 offizielle Schiedsrichter 6 Hauptschiedsrichter sind auf den beiden Plätzen während des gesamten Turniers im Einsatz. Sie werden von 70 Linienrichtern, sogenannten Linesmen, unterstützt. Um alle Linien im Blick zu haben, sind immer neun Linesmen gleichzeitig auf dem Court, die wie auch die Ballkinder nach einer Stunde abgelöst werden.
2 151 985 Euro Preisgeld 2 151 985 Euro Preisgeld werden an den Swiss Indoors ausgeschüttet. Der Sieger bekommt alleine 387 100 Euro und damit mehr als die gesamte Doppelkonkurrenz (330 800 Euro). Zusätzlich gibt es für den Sieger auch 500 ATP-Weltranglistenpunkte.
9200 Zuschauer 9200 Zuschauer finden auf dem Centre-Court Platz. An neun Turniertagen strömten im letzten Jahr insgesamt 71 600 Tennisfans in die St.-Jakobshalle. Der Rekord aus dem Jahr 2012 liegt bei 72 300 Zuschauern. Man darf gespannt sein, wie sich das Fehlen von Roger Federer in diesem Jahr auf die Besucherzahl auswirkt.
10 000 Cüpli Tennis wird nach wie vor vom Flair der Reichen und Schönen geprägt. Champagner und Sekt stehen an der Tagesordnung. Schätzungen zu Folge werde im Laufe der Woche 10 000 Cüpli geleert.
Centre Court aus 275 Holzplatten Der Centre-Court ist ein riesiges Puzzle aus 275 Holzplatten. Die Platten werden zwischen den Turnieren gelagert und können zwei bis drei Mal wiederverwendet werden. Der blaue Farbbelag wird jährlich erneuert.
1300 VIP-Besucher 1300 VIP-Besucher werden pro Tag erwartet. Diese geniessen aus den Logen und dem Bereich direkt hinter den Grundlinien den besten Blick aufs Spielfeld und haben unter anderem Zugang zum Tennisdorf und zum kleinen Village, wo schon so manches Geschäft abgewickelt wurde.
60 Ballkinder 60 Ballkinder im Alter zwischen elf und 16 Jahren, die jedoch nicht grösser als 1,65 Meter sein dürfen, sind an den Swiss Indoors im Einsatz. Im Laufe des Turniers werden die besten ausgewählt, die dann im Final auf dem Platz stehen dürfen. Ob Roger Federer in diesem Jahr trotz sportlicher Abstinenz nach dem Final die traditionelle Pizza mit den Ballkindern verspeist?
4500 Tennisbälle 4500 Tennisbälle der Marke Head wurden vom Veranstalter bestellt. Diese wiegen zwischen 56 und 59,4 Gramm und kommen in 43 Einzelpartien, 16 Doppelpartien und im Training zum Einsatz. Während der Partien sind für die ersten sieben Games und dann immer für neun Games jeweils dieselben sechs Bälle im Spiel, ehe sie ausgetauscht werden.
8000 Logiernächte 8000 zusätzliche Logiernächte bringen die Swiss Indoors der Stadt Basel. Während der Turnierwoche ist rund jeder vierte Basler Hotelgast ein Besucher des Tennisspektakels in der St.-Jakobshalle. In der Nacht vor dem Final wurden in den letzten Jahren jeweils mit Abstand die meisten Logiernächte im Oktober registriert. Dennoch ist die Hotellerie in Basel während des Turniers nur zu 72% ausgelastet. Dieser Wert liegt aber immerhin 3% über dem Oktoberschnitt.

3300 Meter Tennissaiten Die Spieler verbrauchen während des Turniers 3300 Meter an Tennissaiten, was der Distanz zwischen der St.-Jakobshalle und dem Barfüsserplatz entspricht. Damit lassen sich mehr als 300 frische Rackets bespannen, denn je nach Schlägertyp werden für die Bespannung zwischen elf und zwölf Meter Saite benötigt. Das Material kann dabei variieren. Rafael Nadal verwendet 100% Polyester, Roger Federer nutzt wie auch Novak Djokovic ein Hybrid aus Naturdarm und Polyester.

Getty Images/iStockphoto

Mutter Lynette und Vater Robert sind ebenfalls präsent und lauschen am Rande der Bühne dem Gespräch zwischen Moderator Bernie Schär und ihrem Sohn, der gut gelaunt die Fragen des Radiomanns beantwortet. Am meisten interessiert natürlich, wie es dem «Sorgenknie» geht, welches für den vorzeitigen Saisonabbruch verantwortlich war. «Es ist noch nicht hundertprozentig in Ordnung. Wenn dem so wäre, dann würde ich in Basel spielen», sagt Federer, der ansonsten mit dem Heilungsprozess sehr zufrieden ist. «Es ist auf jeden Fall gut, dass ich jetzt noch zwei Monate Zeit habe, voll zu trainieren.»

Am Freitag bestritt er sein erstes, richtiges Konditionstraining nach der Verletzungspause. «Ich muss spätestens im Januar in Australien wieder in der Lage sein, alle zwei Tage fünf Stunden Tennis zu spielen.» Und wenn er schon morgen gegen Andy Murray spielen müsste, wie käme das heraus? «Das wäre sicher lustig für Andy», meint Roger Federer lachend. «Ich würde vielleicht den einen oder anderen Punkt gewinnen, aber mir fehlen derzeit sowohl die Kraft als auch die Koordination. Und vor allem würde ich am Tag danach unglaublich leiden.»

Im Gespräch wird schnell klar, mit wie viel Leidenschaft Roger Federer immer noch bei der Sache ist. Gedanken an ein Karrierenende sind bei ihm Fehlanzeige. Im Gegenteil: «Ich möchte noch viele Jahre spielen», unterstreicht er und erntet für diese Aussage frenetischen Jubel von den Zuhörern. Besonders der Traum, sein Lieblingsturnier Wimbledon ein achtes Mal zu gewinnen, treibt ihn an. «Dafür arbeite ich jeden Tag.» Sowieso ist dem Superstar während seiner Verletzungspause wieder bewusst geworden, wie sehr er den Alltag als Tennisprofi vermisst. «Die Tour fehlt mir. Ich habe mein halbes Leben auf ihr verbracht. Ich liebe es, um die ganze Welt zu reisen. Das finde ich immer noch total lässig.»

Swiss Indoors: Federer als Zuschauer? Kaum.

Wird Roger Federer, wenn er selber schon nicht als Spieler an den Swiss Indoors teilnehmen kann, wenigstens als Stargast seine Aufwartung in der St. Jakobshalle machen? Zum Beispiel an «seinem» traditionellen Eröffnungsabend am Dienstag? «Stand jetzt: nein», erklärte der Tennis-Weltstar in Niederbuchsiten auf Nachfrage. «Ich schaue mir ja nie Tennisspiele im Stadion als Zuschauer an.» Nicht einmal bei seinem Heimturnier? «Nein, es ist kein Besuch geplant.» Immerhin lässt Federer ein kleines Hintertürchen für einen Gesinnungswandel offen. «Wenn, dann werde ich mich ganz kurzfristig entscheiden.».

Wer Roger Federer zuhört, der merkt bald, wie viel Feuer, wie viel Ehrgeiz immer noch in ihm steckt. Aber gleichzeitig auch, wie sehr er Mühe damit hat, wenn andere ihr Talent verschleudern, nicht alles tun, um erfolgreich zu sein. Sondern im Gegenteil mit ihrem Verhalten für Ärger sorgen. Dazu gehört eine Aussage, die dem australischen Enfant terrible Nick Kyrgios gilt – auch wenn er ihn nicht namentlich erwähnt: «Anderen ist es wichtiger, dass sie auf Instagram 1000 Follower mehr haben, anstatt sich um ihre Vorhand zu kümmern. Damit habe ich Mühe.» Federer, der seit Jahren von seinen Mitkonkurrenten und dem Publikum zum beliebtesten Spieler der ATP-Tour gewählt wird, sind solche Allüren fremd, ja er verachtet sie. «Ich habe die Popularität bei den Zuschauern und bei meinen Gegenspielern nie gesucht. Vermutlich hat meine Beliebtheit damit zu tun, dass ich allen Leuten mit Respekt begegne und demütig bin. Ich habe nie betrogen auf dem Platz, nie versucht, den Gegner mit Mätzchen aus dem Konzept zu bringen», bemerkt er dezidiert.

Respekt und Demut

Dieselben Werte wie Respekt und Demut versucht er nun auch seinen Kindern weiterzugeben – so wie er sie von seinen Eltern auf den Lebensweg mitbekommen habe: «Ich hoffe, dass sie möglichst viel von der Welt mitbekommen und das Gute mitnehmen können.» Die beiden Zwillings-Mädchen Charlene und Myla (7 Jahre alt) sind inzwischen in einem Alter, dass man sich «seriös unterhalten und versuchen kann, ihnen die Welt ein wenig zu erklären. Auch die weniger schönen Seiten», erzählt Roger Federer nachdenklich. Das Publikum in Niederbuchsiten spendet warmen Applaus – und wartet voller Vorfreude auf die Autogramm und Selfie-Tour, welche der Star zum Abschluss mit einer Engelsgeduld und einem Lächeln auf dem Gesicht hinter sich bringt.