Roger Federer, Sie steigen am 6. Mai in Madrid wieder ins Turniergeschehen ein, was haben Sie seit dem Aus in Miami gemacht?

Roger Federer: Ich bin direkt in die Ferien geflogen und habe gegen Ende bereits angefangen zu trainieren. Ich habe Spieler einfliegen lassen. So verlängere ich die Ferien und arbeite trotzdem. Seit zehn Tagen trainiere ich voll. Ich begann mit Kondition, jetzt liegt der Schwerpunkt auf Tennis. Ich bin voll im Fahrplan, konnte mich gut erholen, das ist wichtig im Hinblick auf das, was alles kommt.

In den nächsten vier Monaten wartet ein happiges Programm auf Sie, drei Grand-Slam-Turniere plus Olympia, wie gehen Sie damit um?

Es ist viel, aber wir sind alle mental darauf eingestellt, dann ist das weniger hart. Und es sind alles wunderbare Sachen, daher ist die Motivation kein Problem. Ich freue mich riesig, dass ich wieder trainiere und bald Matches spiele. Ich schaue nun bis Wimbledon, dann habe ich drei Wochen Zeit, bis Olympia anfängt.

Sie planen in zwei Blöcken?

Ja, das ist so. Dann sind mit French Open und Wimbledon zwei grosse Highlights vorbei, ich kann mich etwas erholen und wieder auf den Endspurt der Saison vorbereiten.

Sitzen Sie eigentlich zur Erholung in Eisbäder wie andere Sportler?

Nein gar nicht, ich bin überhaupt kein Eisfan. Ich habe lieber Wärme, mal eine warme Dusche. Aber ich schaffe am liebsten präventiv mit viel Stretching, gut schlafen, gut essen, Massagen und so weiter.

Haben Sie eine Rangliste der Prioritäten bei den vier Grossanlässen?

Wimbledon ist immer das Nonplusultra für mich. Dass wir in diesem Jahr die Möglichkeit haben, zweimal in Wimbledon zu spielen, ist ein Riesenglück für unsere Generation. Das French Open hat damit nichts zu tun, deshalb kann ich mich voll auf dieses Turnier vorbereiten. Dann kommt zum Abschluss das US Open. Schön ist, dass ich überall gute Möglichkeiten habe, ich hoffe, ich kann mehr als eines gewinnen. Wir haben als Tennisspieler Glück, es gibt viele andere Sportarten, die haben nicht so viele Highlights in so kurzer Zeit.

Haben Sie eine Präferenz, Wimbledon oder Olympia?

Für mich ist beides gleich wichtig. Aber mir ist bewusst, dass die Leute einen Olympiasieg für die Schweiz höher gewichten, auch wenn ich nicht der Meinung bin. Toll ist, dass wir mit einer Supergeneration Olympia spielen, als Werbung fürs Tennis.

Sie trugen schon zweimal die Schweizer Fahne zur Eröffnung. Auch diesmal?

Ich bin gefragt worden. Ich würde es gerne machen, aber ich kenne den letzten Stand nicht. Wenn ein anderer kommt, freue ich mich für ihn, mir hat es extrem viel bedeutet.

Sie spielen in Madrid auf blauem Sand, was bedeutet das?

Keine Ahnung. Wir Spieler waren dagegen, Rafael Nadal vehement, ich habe ihn unterstützt. Ich finde es richtig, dass er die Tradition verteidigt. Sonst will jeder eine andere Farbe, blau, gelb, grün, grau. Ich verstehe aber, dass es für die Promotion was hergibt. Der Sand muss perfekt sein, sonst gibt es ein Debakel.

Die Tradition ist Ihnen aber sonst auch heilig?

Wir versuchten, andere Möglichkeiten zu finden. Turnierdirektor Ion Tiriac hat aber extrem insistiert. Und weil er viel fürs Tennis macht, stimmten wir zu.

Sie hatten zuletzt Meinungsverschiedenheiten mit Nadal, haben Sie ihn aus Goodwill unterstützt?

Nein, das mit dem blauen Sand beschäftigte uns schon vor einem Jahr und ist losgelöst von politischen Sachen. Manchmal sind wir gleicher Meinung, manchmal nicht.

Stört das Ihre Freundschaft?

Für mich ändert das gar nichts, auch dass er nicht mehr im Spielerrat sitzt. Das ist schade, ich hätte ihn gerne dabei und dass er alles mitentscheidet. Denn ich frage ihn ja doch, wenn etwas Wichtiges ansteht. Aber ich verstehe ihn. Er muss mit Herzblut dabei sein, wenn er das nicht mehr spürt, soll er es sein lassen. Es ist viel Arbeit, das wird unterschätzt. Ich weiss auch nicht, wie lange ich es noch mache, aber momentan finde ich es sehr wichtig. Es hat Spass mit Nadal gemacht.

Er spielt eine Exhibition mit Novak Djokovic und nicht mit Ihnen?

Das liegt an mir, er hat mich gefragt, doch zum gewünschten Zeitpunkt konnte ich nicht. Fürs Tennis ist es gut, dass er mit Novak spielt.

Wimbledon hat das Preisgeld für die erste Runde erhöht, ist das ein Erfolg für Sie?

Ja, ich finde es einen Erfolg für alle Vertreter der Spielerorganisation ATP. Wichtig ist, dass es fair ist. Die Grand-Slam-Turniere können machen, was sie wollen. Zuletzt gabs nur Steigerungen bei den Besten. Jetzt kommen die anderen zum Zug.

Nadal hat nach sieben Niederlagen in Folge wieder Djokovic geschlagen. Ist er der Favorit für Paris?

Er ist ja der Titelverteidiger und deshalb leicht zu favorisieren. Auch ohne Monaco ist er für mich der Mann, den es zu schlagen gilt. Ich habe gehört, dass Djokovic ein wenig müde gewesen sei. Wenn das so ist, macht Nadal jeden auf Sand platt. Es ist wahnsinnig, achtmal am Stück Monte Carlo zu gewinnen.

Könnte die Niederlage von Djokovic an der Rivalität was ändern?

Das wird interessant. Mal sehen, wie sehr diese Niederlage Djokovic mitnimmt. Aber jeder weiss, wie schwer Nadal auf Sand zu schlagen ist. Bei den Siegen in Rom und Madrid vor einem Jahr spielte Djokovic perfekt, das gelingt auch nicht immer.

Kaum jemand redet von Ihnen, dabei waren Sie der formstärkste Spieler der letzten Monate?

Das ist logisch, ich habe ja nicht gespielt. Ich bin ja froh, wenn ich mal nicht präsent bin. Weniger ist für mich mehr. Aber ich bin sehr zufrieden, wie es sportlich alles gelaufen ist, seit ich 30 bin.

Hat die 30 bei Ihnen etwas verändert?

Nein, überhaupt nicht. Es ist viel spekuliert worden. Es war eine viel grössere News, als ich je gedacht hätte. Man kann sich ja langsam dran gewöhnen. Es fühlt sich vielleicht sogar besser an. Ich hatte zu Beginn des vergangenen Jahres viele harte Niederlagen, darum ist es vielleicht logisch, dass es sich für mich wieder zum Guten gewendet hat. Es sind kleine Details, die den Unterschied ausmachen. Ich muss sehen, dass ich die engen Matches gewinne, dort entscheidet sich sehr viel: Titel, Weltrangliste.

Was für Details sprechen Sie an?

Meine Kinder wachsen, sind keine Babys, also musst du schauen, wie es dort am besten stimmt. Was lässt sich an der Karriere verändern, wie ist das Training, wie ist meine Einstellung auf dem Platz? Was muss ich trainieren? Warum habe ich enge Matches verloren? Brauche ich Pause oder einen grossen Trainingsaufbau? Es kommt ganz viel auf den Tisch. Dann gilt es, den richtigen Entscheid zu treffen und zu hoffen, dass es sich auszahlt, dass du im Kopf völlig frisch bist. So wie beim World-Tour-Final gegen Tsonga, wo ich ein Break kassierte, als ich zum Match servierte und dann im dritten Satz siegte, statt den Kopf hängen zu lassen.

Brauchen Sie nun mehr Energie für Ihre Kinder, seit die älter sind?

Es ist anders. Nun tritt die Erziehung in den Vordergrund, vorher war es Windeln wechseln und Ähnliches. Wir sind auch aktiver mit ihnen. Das kann manchmal härter sein, aber vorher war zum Beispiel das Problem des Durchschlafens. Das ist jetzt einfacher. Das gehört zum Optimieren. Auch wie es für meine Frau Mirka stimmt, wie sieht es mit dem Hotelzimmer aus? Das musst du alles lernen, aber die Zeit jetzt ist extrem spannend und lässig. Es ist so herzig mit den Kindern.

Nehmen die Kinder Sie bewusst als Roger Federer wahr?

Nein, in dem Sinn nicht. Als Tennisspieler und Papi schon.

Wer gibt bei der Erziehung den Ton an, Sie oder Ihre Frau?

Beide, wir wechseln uns gut ab. Es ist nicht so, dass der eine der Harte ist und der andere der Weiche. Ich glaube wir haben es ganz gut im Griff, man muss die Kleinen kontrollieren, sonst gehen sie zur anderen Person. Sie müssen wissen, was sie dürfen und was nicht.

In Australien wurde spekuliert, ob Ihre Frau schwanger ist. Stört Sie das?

Ich habe es gar nicht mitgekriegt. Aber das ist ja auch gar nichts Schlimmes. Es wäre ja etwas Lässiges, aber es ist leider nicht so.

Sie wollen noch mehr Kinder?

Ja, aber momentan sind wir auch gut ausgelastet.

Sie wohnen in Wollerau und haben ein Grundstück in Herrliberg gekauft. Wann bauen Sie?

Das ist eine Option, ich habe bis jetzt nur ein super Stück Land. Wir müssen sehen, wie sich das ergibt. Wir müssen demnächst viele Entscheidungen in Sachen Kinder treffen.

Sollen Ihre Kinder in eine normale Schule?

Wie, wo und was genau müssen wir besprechen. Auf jeden Fall sollen sie in der Schweiz in die Schule. Das gehört alles zur Zukunftsplanung.

Und Ihre Karriere?

Ich konzentriere mich immer auf eine Planung über eineinhalb Jahre. Ich plane demnächst das nächste Jahr. Bei diesem Rhythmus stellt sich mir die Frage gar nicht, wie lange ich noch spielen möchte. Wenn es dann fertig ist, ist es fertig. Aber ich spiele gerne so lange ich kann, solange ich frisch bin im Kopf, natürlich auch körperlich und gerne reise.