Zum Abschluss des erfolgreichen Jahres 2012 musste Federer eine Niederlage hinnehmen. Damit verpasste er schon zum dritten Mal den Hattrick beim Saisonfinale. 2003, 2004, 2006, 2007, 2010 und 2011 hatte er beim Turnier der besten acht triumphiert. Auch muss er weiterhin auf den 77. Turniersieg auf der ATP-Tour warten.

Die vierten Finalniederlage des Jahres, die zweite in Folge nach jener vor zwei Wochen bei den Swiss Indoors, war bitter. In beiden Sätzen führte der Schweizer mit einem Break Vorsprung. Im zweiten war er auf bestem Weg, die Partie zu verlängern. Doch der Baselbieter vergab zwei Satzbälle und kassierte beim Stand von 5:4 noch das Rebreak. Zwei Vorhandfehler waren dafür hauptverantwortlich.

Federer war perfekt in die Partie gestartet. Gleich die ersten zwei Games gewann er ohne Punktverlust. Er schaffte es, die Ballwechsel kurz zu halten. Die Vorhand lief auf Hochtouren. Djokovic kam in der ersten Minuten nicht ins Spiel. Doch im Gegensatz zum letzten Duell zwischen den beiden, im Final von Cincinnati, als der Serbe den ersten Satz mit 0:6 hatte abgeben müssen, erholte sich Djokovic rascher. Aus dem 0:3 machte er ein 3:3 und ging dann sogar mit einem Break 5:4 in Führung. Federer konterte sogleich.

Es war sehenswert, was die Nummer 1 und 2 der Weltrangliste in der O2-Arena im ersten Satz boten. Von irgendwelcher Zurückhaltung war am Ende eines langen und anstrengenden Jahres nichts zu sehen. Djokovic verteidigte von der Grundlinie brillant; Federer zeigte immer wieder herrliches Angriffstennis, etwa im Tiebreak als er am Netz mit zwei mirakulösen Schlägen einen Satzball abwehrte. Djokovic, der beim Stand von 5:4 eine erste Möglichkeit verpasst hatte, den ersten Umgang für sich zu entscheiden, nutzte dann seinen dritten Satzball nach 72 Minuten.

Nur in der Anfangsphase, als Federer 12:2 Punkte machte, war der Match nicht umstritten. Danach entwickelte sich die Begegnung zum Abnützungskampf. Elf Minuten und vier Breakbälle benötigte der Schweizer im ersten Game des zweiten Satzes, um Djokovic den Service abzunehmen. Diesen Vorsprung brachte Federer aber nicht über die Zeit, weil es Djokovic einmal mehr verstand, im entscheidenden Moment das Tempo nochmals zu forcieren. Nach 2 Stunden und 15 Minuten entschied der Weltranglisten-Erste die dramatische Partie für sich.