Tennis
Roger Federer und die Zeit der belanglosen Fragen

Roger Federer und die schwierige Aufgabe nach dem Auftaktsieg gegen Feliciano Lopez: Die Pressekonferenz. «Unglaublich, was für dumme Fragen man bei so einem Turnier kriegen kann», sagte Federer leicht genervt.

Jörg Allmeroth, Paris
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Das sind die 19 Grand Slam Titel von Roger Federer: 1) Der Anfang einer Ära. Roger Federer gewinnt in Wimbledon 2003 den Final gegen Mark Philippousis mit 7:6 (7:5), 6:2, 7:6 (7:3).
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 2) Federer holt sich seinen ersten Titel 2004 in Australien gegen Marat Safin (Russland) mit 7:6 (7:3), 6:4, 6:2.
 3) 2004 verteidigt Federer den Wimbledon-Titel gegen den US-Amerikaner Andy Roddick mit 4:6, 7:5, 7:6 (7:3), 6:4.
 4) US Open 2004: Roger Federer spielt im Final gegen Hewitt wie entfesselt, gewinnt mit 6:0, 7:6 (7:3), 6:0 und holt sich so hier den ersten Titel.
 5) Federer gewinnt 2005 seinen dritten Wimbledon-Titel. Sein Opfer Andy Roddick: 6:2, 7:6 (7:2), 6:4.
 6) 2005 triumphiert Federer über die Tennislegende Andre Agassi mit 6:3, 2:6, 7:6 (7:1), 6:1 und sichert sich seinen zweiten US-Open-Titel.
 7) Nach harten Kampf gewinnt Federer 2006 gegen Marcos Baghdatis (Zypern) die Australian Open zum zweiten Mal mit 5:7, 7:5, 6:0, 6:2.
 8) 2006 gewinnt Federer in Wimbledon gegen Rafael Nadal mit 6:0, 7:6 (7:5), 6:7 (2:7), 6:3.
 9) 2006 holt Federer den dritten US-Open-Titel in Serie. Andy Roddick muss sich mit 6:2, 4:6, 7:5, 6:1 geschlagen geben.
 10) Federer gewinnt die Australian Open 2007 zum dritten Mal. Er besiegt Fernando Gonzales (Chile) 7:6 (7:2), 6:4, 6:4.
 11) Fünfter Wimbledon-Titel in Serie im Jahr 2007. Der Gegner: Rafael Nadal. Das Resultat: 7:6 (9:7), 4:6, 7:6 (7:3), 2:6, 6:2.
 12) Novak Djokovic (Serbien) war der bessere Spieler. Dennoch gewinnt Federer die US Open 2007 mit 7:6, 7:6 und 6:4. Es ist sein vierter Titel an den US Open.
 13) Nach einer schwierigen Saison holt sich Federer im Final der US Open 2008 den Titel gegen den Schotten Andy Murray mit 6:2, 7:5, 6:2.
 14) Endlich! Roger Federer gewinnt 2009 gegen den Schweden Robin Söderling die French Open mit 6:1, 7:6 (7:1), 6:4.
 15) Federer gewinnt 2009 seinen sechsten Wimbledon-Titel gegen Andy Roddick mit 5:7, 7:6 (8:6), 7:6 (7:5), 3:6 und 16:14.
 16) Federer gewinnt das Australian Open 2010 in Melbourne gegen Andy Murray mit 6:3, 6:4, 7:6 (13:11).
 17) Wimbledon 2012: Federer holt sich zum siebten Mal den Titel – Sieg gegen Andy Murray mit 4:6, 7:5, 6:3, 6:4.
 18) Australian Open 2017: Nach einer langen Durststrecke holt sich Roger Federer wieder einen Grand-Slam-Titel. Sieg gegen Rafael Nadal mit 6:4, 3:6, 6:1, 3:6, 6:3. Es ist sein siebter Titel am Australian Open.
 19) Wimbledon 2017: Ohne Satzverlust rauscht Roger Federer in den Final und lässt dort auch Marin Cilic keine Chance. 6:3, 6:1, 6:4 lautet das klare Verdikt. Es ist zugleich Federers achter Titel in Wimbledon - Rekord.

Das sind die 19 Grand Slam Titel von Roger Federer: 1) Der Anfang einer Ära. Roger Federer gewinnt in Wimbledon 2003 den Final gegen Mark Philippousis mit 7:6 (7:5), 6:2, 7:6 (7:3).

Die ersten Tage eines Grand-Slam-Turniers sind auch die Tage der grossen Nichtigkeiten und der blühenden Spekulationen. Es sind die Tage, an denen zwar viele Spiele stattfinden, aber meistens noch nicht wirklich viel passiert. Es sind die Tage, über die Roger Federer selbst einmal gesagt hat, «dass an ihnen eine Menge dummer Fragen gestellt werden – und zwar meistens nach ziemlich banalen Siegen».

Insoweit konnte Federer nicht allzu überrascht gewesen sein, dass man ihn gestern nach seinem 6:3, 6:4, 7:6 (7:3)-Sieg gegen den Spanier Feliciano Lopez mit allerhand Gerüchten und Gerede konfrontierte, das ihn sichtlich wenig amüsierte – und ihm die Lust am munteren Plaudern bald vergällte.

Es ging etwa darum, wie Federer in den letzten Jahren seine Serie von 46 aufeinanderfolgenden Grand-Slam-Auftritten hinbekommen habe. Es ging mehrfach um die Beschaffenheit der neuen French-Open-Bälle und die Frage, ob sie nun einen Spieler wie Nadal bevorzugten.

Und es ging auch um die scheinbare Begebenheit, wonach weder Nadal noch der Dauersieger der letzten Wochen, Novak Djokovic, eine Favoritenrolle für sich reklamierten und Djokovic eher Nadal denn Federer als Hauptrivalen ansehe. Worauf Federer trocken erwiderte: «Djokovic hat offenbar noch nicht gemerkt, was für dumme Fragen man bei so einem Turnier kriegen kann. Und dass sie nur Unruhe stiften sollen.»

Roger Federer brauchte an der Pressekonferenz Nerven wie Drahtseile

Roger Federer brauchte an der Pressekonferenz Nerven wie Drahtseile

Keystone

Djokovic 14 Grand-Slam-Titel entfernt

Als Federer dann auch noch die originelle und sehr neue Frage zu hören bekam, wie er sich denn so fühle als Nur-Noch-Nummer 3 und Zuschauer der frischen Nadal/Djokovic-Rivalität, sah der Maestro den Moment gekommen, um wenigstens eins mal schnell klarzustellen: «Djokovic ist noch sieben Grand-Slam-Titel von Nadal entfernt. Und Nadal noch sieben Titel von mir.»

Noch fehlten dem Vergleich zwischen dem Serben und dem Spanier «die grossen, die herausragenden Spiele auf Grand-Slam-Niveau.» Und, unausgesprochen, lag da der Nachsatz in der Luft: Und die kann man auch mit grösstem medialem Einsatz nicht herbeischreiben.

Dass er neben allerlei fragwürdigen Fragen auch immer mal wieder subtil zu hören bekommt, er spiele keinesfalls mehr eine tragende Rolle im Spitzentennis, mag Federer an einem Tag besonders auffällig gestört haben, an dem er mit grösster Souveränität seine heikle Erstrundenaufgabe gegen den Spanier Lopez löste.

Wo die berühmt-berüchtigten Expertenkreise sogar teilweise ein Scheitern des Grand-Slam-Rekordsiegers prophezeit hatten, blieb am Ende ein beinahe makelloser Triumph von Federer. Und wann immer Lopez sich einmal anschickte, doch noch einen Umschwung der Machtverhältnisse herbeizuführen, erstickte Federer die Probleme sofort im Keim. In echte Gefahr geriet er in keiner Phase des Matchs, musste auch keinen Breakball abwehren.

Jetzt gegen Maxime Teixeira

Man darf nun gespannt sein, was Federer zu hören bekommt, wenn er seine Verabredung mit dem 181. der Weltrangliste, dem Franzosen Maxime Teixeira, in der zweiten French- Open-Runde hinter sich hat. Sportlich droht das Duell eher wenig Gesprächsstoff zu liefern. Die Zeit der belanglosen Fragen ist noch lange nicht vorbei.