Tennis

Roger Federer und die Zeit der belanglosen Fragen

Roger Federer und die schwierige Aufgabe nach dem Auftaktsieg gegen Feliciano Lopez: Die Pressekonferenz. «Unglaublich, was für dumme Fragen man bei so einem Turnier kriegen kann», sagte Federer leicht genervt.

Die ersten Tage eines Grand-Slam-Turniers sind auch die Tage der grossen Nichtigkeiten und der blühenden Spekulationen. Es sind die Tage, an denen zwar viele Spiele stattfinden, aber meistens noch nicht wirklich viel passiert. Es sind die Tage, über die Roger Federer selbst einmal gesagt hat, «dass an ihnen eine Menge dummer Fragen gestellt werden – und zwar meistens nach ziemlich banalen Siegen».

Insoweit konnte Federer nicht allzu überrascht gewesen sein, dass man ihn gestern nach seinem 6:3, 6:4, 7:6 (7:3)-Sieg gegen den Spanier Feliciano Lopez mit allerhand Gerüchten und Gerede konfrontierte, das ihn sichtlich wenig amüsierte – und ihm die Lust am munteren Plaudern bald vergällte.

Es ging etwa darum, wie Federer in den letzten Jahren seine Serie von 46 aufeinanderfolgenden Grand-Slam-Auftritten hinbekommen habe. Es ging mehrfach um die Beschaffenheit der neuen French-Open-Bälle und die Frage, ob sie nun einen Spieler wie Nadal bevorzugten.

Und es ging auch um die scheinbare Begebenheit, wonach weder Nadal noch der Dauersieger der letzten Wochen, Novak Djokovic, eine Favoritenrolle für sich reklamierten und Djokovic eher Nadal denn Federer als Hauptrivalen ansehe. Worauf Federer trocken erwiderte: «Djokovic hat offenbar noch nicht gemerkt, was für dumme Fragen man bei so einem Turnier kriegen kann. Und dass sie nur Unruhe stiften sollen.»

Roger Federer brauchte an der Pressekonferenz Nerven wie Drahtseile

Roger Federer brauchte an der Pressekonferenz Nerven wie Drahtseile

Djokovic 14 Grand-Slam-Titel entfernt

Als Federer dann auch noch die originelle und sehr neue Frage zu hören bekam, wie er sich denn so fühle als Nur-Noch-Nummer 3 und Zuschauer der frischen Nadal/Djokovic-Rivalität, sah der Maestro den Moment gekommen, um wenigstens eins mal schnell klarzustellen: «Djokovic ist noch sieben Grand-Slam-Titel von Nadal entfernt. Und Nadal noch sieben Titel von mir.»

Noch fehlten dem Vergleich zwischen dem Serben und dem Spanier «die grossen, die herausragenden Spiele auf Grand-Slam-Niveau.» Und, unausgesprochen, lag da der Nachsatz in der Luft: Und die kann man auch mit grösstem medialem Einsatz nicht herbeischreiben.

Dass er neben allerlei fragwürdigen Fragen auch immer mal wieder subtil zu hören bekommt, er spiele keinesfalls mehr eine tragende Rolle im Spitzentennis, mag Federer an einem Tag besonders auffällig gestört haben, an dem er mit grösster Souveränität seine heikle Erstrundenaufgabe gegen den Spanier Lopez löste.

Wo die berühmt-berüchtigten Expertenkreise sogar teilweise ein Scheitern des Grand-Slam-Rekordsiegers prophezeit hatten, blieb am Ende ein beinahe makelloser Triumph von Federer. Und wann immer Lopez sich einmal anschickte, doch noch einen Umschwung der Machtverhältnisse herbeizuführen, erstickte Federer die Probleme sofort im Keim. In echte Gefahr geriet er in keiner Phase des Matchs, musste auch keinen Breakball abwehren.

Jetzt gegen Maxime Teixeira

Man darf nun gespannt sein, was Federer zu hören bekommt, wenn er seine Verabredung mit dem 181. der Weltrangliste, dem Franzosen Maxime Teixeira, in der zweiten French- Open-Runde hinter sich hat. Sportlich droht das Duell eher wenig Gesprächsstoff zu liefern. Die Zeit der belanglosen Fragen ist noch lange nicht vorbei.

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