Swiss Indoors
Roger Federer stürmt in Richtung Spitze

Dank des Finalsieges in Basel verkürzt er den Rückstand in der Weltrangliste und ist nur noch 490 Punkte hinter Novak Djokovic klassiert. Die Chance, dass Federer am Ende des Jahres auf Rang eins stehen wird, ist greifbar.

Michael Wehrle
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Roger Federer will das Jahr erneut als Nummer eins beenden.

Roger Federer will das Jahr erneut als Nummer eins beenden.

Für den neutralen Tennisfan wars ein enttäuschender Nachmittag. Die Fans von Roger Federer liessen sich aber beim 6:2, 6:2 über David Goffin die Laune nicht verderben. Lediglich 51 Minuten lang durften sie ihren Liebling im Final der Swiss Indoors bei der Arbeit bewundern, doch weil am Ende der richtige Sieger den Platz verliess, war das kein Drama.

Die Fans feierten ihn. «Ihr Fans seid unglaublich, bis nächstes Jahr», sagte Federer und bedankte sich bei Ballkindern und Linienrichtern. Dagegen erwähnte er die Organisatoren um Turnierdirektor Roger Brennwald mit keinem Wort, obwohl das in der Schlussrede eigentlich obligatorisch ist. Und Federer ärgerte sich, dass er den grossen Pokal nicht mit nach Hause nehmen darf, sondern nur eine kleine Kopie.

Jagd auf die Nummer eins

Der sechste Sieg im elften Final der Swiss Indoors war wohl der einfachste für Federer. Vor drei Jahren hat auch der Japaner Kei Nishikori beim 1:6, 3:6 nur vier Games gewonnen, aber immerhin 21 Minuten länger Widerstand geboten. Und auch der Finne Jarkko Nieminen stand beim 3:6, 4:6 im Jahre 2007 61 Minuten lang auf dem Platz.

Viermal nahm Federer dem Belgier den Service ab, bei eigenem Aufschlag geriet er nie in Gefahr. Goffin, Nummer 28 der Welt, wirkte in seinem ersten Final in einem ATP-500-Turnier nervös, mental müde von der anstrengenden zweiten Saisonhälfte. Seit Ende Juni hat er 46 Matches bestritten, die Pleite von Basel war erst die dritte Niederlage. Im Ranking taucht der 23-Jährige heute auf Platz 22 auf, so gut war er noch nie. «Ich war nervös und es ging mir zu schnell», sagte Goffin.

Federer aber macht weiter Jagd auf die Nummer eins. 500 Punkte holte er in der Jahreswertung diese Woche auf Novak Djokovic auf. Sein Rückstand beträgt noch 490 Punkte. Den kann er diese Woche in Paris weiter verkürzen und nächsten Montag sogar die Spitze in der Jahreswertung übernehmen. Federer muss den Final erreichen und Djokovic darf nur eine Partie gewinnen, dann zieht Federer vorbei. Gewinnt Federer das Turnier, darf Djokovic nicht in den Final.

Zusätzlicher Motivationsschub

Und dann würde er nochmals eine Woche später als Nummer eins der Welt bei den World Tour Finals starten. «Viel Glück für den Rest der Saison», wünschte ihm Goffin schon einmal. Federer spiele auf einem extrem hohen Niveau und mache einen fitten Eindruck, sei schnell auf den Beinen. «Er kann in diesem Jahr noch alles gewinnen», ist Goffin überzeugt.

Wie Djokovic hat Federer nun in diesem Jahr fünf Turniere gewonnen: Dubai, Halle, Cincinnati, Schanghai und Basel. Dagegen ging er in Brisbane, Indian Wells, Monte Carlo, Wimbledon und Toronto als Finalverlierer vom Platz. «Ich wollte Basel gewinnen, wollte Finals gewinnen und knappe Matches, die habe ich zu Beginn der Saison noch verloren», sagte Federer. Es sei ein Quantensprung, einen Final zu gewinnen, oder zu verlieren.

Klar sei es schön, dass er nun wieder die Chance habe, die Nummer eins zu werden, bisher habe er aber nicht gerechnet. «Natürlich gibt das auch noch einen Motivationsschub», sagte er. «Aber der Weg ist noch lang, jetzt muss ich zunächst mal in Paris gut spielen», betonte er.

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