Wimbledon
Roger Federer steht am Pranger: Weil sein neuer Ausrüster Angestellte ausgebeutet haben soll

Sein neuer Ausrüster Uniqlo soll Angestellte ausgebeutet haben. Das passt so gar nicht in die Philosophie von Roger Federer, der zusammen mit Uniqlo die Welt zu einem besseren Ort machen wollte.

Simon Häring, Wimbledon
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Roger Federers neuer Ausrüster muss sich schwere Vorwürfe anhören.

Roger Federers neuer Ausrüster muss sich schwere Vorwürfe anhören.

Keystone

Es klang fast schon kitschig, was Roger Federer und sein neuer Ausrüster Uniqlo sich von ihrer Partnerschaft erhoffen, die dem Baselbieter in den nächsten zehn Jahren 300 Millionen Franken einbringen soll. Sie hätten beide die Vision, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

«Wir teilen das Ziel, möglichst vielen Menschen eine möglichst grosse Lebensqualität zu verschaffen», lässt sich Uniqlo-Geschäftsführer Tadashi Yanai zitieren. Doch bereits 48 Stunden später stellt sich heraus: das Versprechen ist nur heisse Luft.

Roger Federer tritt die Erstrundenpartie von Wimbledon mit neuer Ausrüstung von Uniqlo an
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Roger Federer tritt die Erstrundenpartie von Wimbledon mit neuer Ausrüstung von Uniqlo an
Roger Federer tritt die Erstrundenpartie von Wimbledon erstmals mit Kleidern von Uniqlo an
Es ist Tatsache: Roger Federer spielt im Uniqlo-Outfit
Roger Federer trat gestern die Pressekonferenz noch in schickem Outfit an - weit weg die Marke Nike

Roger Federer tritt die Erstrundenpartie von Wimbledon mit neuer Ausrüstung von Uniqlo an

Tim Ireland

Der Mutterkonzern Fast Retailing lässt einen Grossteil seiner Textilien in Indonesien und China herstellen, wo die Löhne tief und die Arbeitsbedingungen schlecht sind. 2015 hatten sich zwei Studenten als Arbeiter in einer Fabrik von Uniqlo-Zulieferer Jaba Garmindo in Indonesien eingeschleust.

Sie berichteten von grotesken Arbeitsbedingungen. So sollen die Angestellten ungeschützt chemischen Stoffen ausgesetzt gewesen sein, die lebensbedrohlich seien. Es kam zu einem Streik, Uniqlo liess die Fabrik schliessen.

Federer soll Einfluss geltend machen

Im Insolvenzverfahren wurden den Angestellten Ansprüche auf Löhne und Entschädigungen anerkannt. Doch offenbar warten die 2000 entlassenen indonesischen Näherinnen, die Kleider für Uniqlo und andere Unternehmen fertigten, auf 5,5 Millionen Dollar Entschädigung.

Die Nichtregierungsorganisation Public Eye wirft Federer «mangelnde soziale Verantwortung» vor und kritisiert, Uniqlo weigere sich, mit Gewerkschaften über die Entschädigung der ehemaligen Arbeiterinnen zu verhandeln. Public Eye lancierte nun die Kampagne hello-roger.ch und fordert Federer auf, seinen Einfluss geltend zu machen.

Federer äusserte sich bisher noch nicht zum Fall, sagte aber kürzlich in Stuttgart, ihm seien gemeinsame Werte wichtig. Es ist nicht davon auszugehen, dass er von den Vorwürfen wusste. Der Deal mit den Japanern ging äusserst schnell über die Bühne und kam erst vor wenigen Tagen zustande.

Blütenweiss ist Federers sportliche Bilanz in Wimbledon. Er steht nach einem 6:4, 6:4, 6:1-Erfolg gegen den Slowaken Lukas Lacko in der dritten Runde. Gegner am Freitag ist der Deutsche Jan-Lennard Struff (28, ATP 64).