Federers gigantische Lovestory in Wimbledon

2003: Mit dem Finalsieg gegen Mark Philippoussis wird aus dem grossen Hoffnungsträger des Welttennis am 6. Juli um 16.06 Uhr definitiv eine Realität. Der erste Major-Titel Federers hängt aber
im Achtelfinal an einem seidenen Faden, als ihn ein Hexenschuss fast zur Aufgabe zwingt. Im Viertelfinal gegen Sjeng Schalken profitiert er dann von einer starken Fussverletzung seines Gegners, ehe ihm gegen Andy Roddick und Philippoussis zwei Galas gelingen.

2004: Mittlerweile die Nummer 1, spaziert Federer mit nur 19 verlorenen Games durch die erste Turnierwoche. Auch im Viertelfinal gegen Lleyton Hewitt bleibt er trotz Satzverlust ungefährdet, im Endspiel bezwingt er Andy Roddick nach Verlust des Startsatzes. Der Amerikaner spielt enorm aggressiv und führt im dritten Satz noch einmal 4:2, ehe es eine Regenpause gibt. Federer kann dann noch einmal zulegen, gewinnt den Satz im Tiebreak und holt sich auch den vierten Durchgang.

2005: Federer kommt souverän zum Hattrick. Einzig der auf Rasen stets gefährliche Nicolas Kiefer kann ihm in der 3. Runde einen Satz entlocken. Im Final bezwingt Federer Andy Roddick mit fast traumwandlerischer Sicherheit und beendet damit auch seinen 5. Major-Final als Sieger. Roddick, dessen Bilanz gegen Federer nun bei 1:9 steht, kennt aber einen Weg, Federer zu bezwingen, wie er nicht ganz ernst gemeint, sagt: «Wahrscheinlich muss ich ihm einfach eine runterhauen.»

2006: Auf dem Weg zum vierten Titel in Serie bezwingt Federer fast ausnahmslos Hochkaräter: Richard Gasquet, Tim Henman, Nicolas Mahut, Tomas Berdych, Mario Ancic, Jonas Björkman und im Endspiel in vier Sätzen Rafael Nadal, womit ihm die Revanche für die Niederlage beim French Open gelingt. Er hat nun bereits neun Grand-Slam-Finals bestritten und acht davon gewonnen und sagt nachher, er habe noch nie bei einem Major-Turnier besser gespielt.

2007: Im Viertelfinal verliert Federer den zweiten Satz überraschend gegen Juan Carlos Ferrero, überlässt dem Spanier danach aber nur noch vier Games. Komplizierter wird es anschliessend gegen den zweiten Iberer: Gegen Nadal setzt sich Federer im Endspiel erneut durch, diesmal in fünf Sätzen und nach 3:45 Stunden. Er hat damit wie einst Björn Borg fünf Wimbledon-Trophäen in Serie geholt und ist nun auf Rasen in 54 Matches ungeschlagen. Federer hat unglaubliche 11 der letzten 17 Majors gewonnen.

2008: Nach sechs Partien ohne Satzverlust verliert Federer die ersten beiden Sätze gegen Rafael Nadal. Mit dem Gewinn zweier Tiebreaks in einer absolut epischen Partie erzwingt er den Entscheidungssatz, wo sich beide einen hochklassigen regelrechten Abnützungskampf liefern. Am Schluss ist es so dunkel, dass weder Spieler noch Zuschauer oder TV-Fans noch viel sehen, Nadal siegt mit 9:7. Viele Beobachter sprechen vom wohl besten Match aller Zeiten.

2009: Im Final kreuzt einmal mehr Andy Roddick Federers Weg. Der Amerikaner, der mehr unter Federers Dominanz gelitten hat als jeder andere, spielt den Match seines Lebens und hält die Partie sehr lange offen. Federer schafft es für einmal nicht, Roddicks Aufschlag zu lesen. Das erste und einzige Game schaffte er im 37. Anlauf. Das bessere Ende behält er dennoch für sich, mit 16:14 im fünften Satz. Bedanken kann sich Federer, der auch die Nummer 1 zurückerobert, bei seinem Aufschlag, mit dem ihm unglaubliche 50 Asse und weitere 39 Servicewinner gelingen.

2012: Federer-Fans erleben vor dem Final zwei ordentliche Schreckmomente. Gegen Julien Benneteau steht der Champion in der 3. Runde mehrmals zwei Punkte vor dem Ausscheiden. Gegen Xavier
Malisse im Achtelfinal muss er sich am Rücken behandeln lassen, übersteht die Situation aber doch noch. Im Halbfinal schlägt er dann Titelverteidiger Novak Djokovic und im Final Andy Murray jeweils in vier Sätzen. Damit zerstört er auch die britischen Hoffnungen auf den ersten Wimbledon-Sieg eines Briten seit 76 Jahren. Federer erobert durch den Finalsieg, seinen insgesamt 17. Major-Titel, nach mehr als zwei Jahren auch die Nummer 1 zurück.