Davis Cup
Roger Federer lässt das Davis Cup Team im Regen stehen

Das Schweizer Davis Cup Team ist ohne Roger Federer nur die Hälfte wert. Nun will sich der Baselbieter immer noch nicht auf eine Teilnahme am Davis Cup festlegen, obwohl dies von Swiss Tennis gefordert wurde. Dies verstehen nicht alle.

Vasilije Mustur
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Will Roger Federer noch Davis Cup spielen? Will der Baselbieter diesen Wettbewerb überhaupt noch gewinnen? Diese Frage beschäftigt nicht nur Schweizer Tennisfans sondern auch die Verbandsspitze von Swiss Tennis.

Um Klarheit und Planungssicherheit in dieser Frage zu erhalten, forderte der Verband um Präsident René Stammbach von Roger Federer bis Ende Jahr ein Bekenntnis für oder gegen das Davis Cup Team.

Keine Zusage für die erste Partie

Nun zeigen Recherchen der az: Der Tennis-Maestro hat sich entschieden. Der 16-fache Grand-Slam-Sieger konnte sich nach «konstruktiven und positiven Gesprächen» letzten Oktober in Stockholm mit der Verbandsspitze weder zu einer definitiven Zu- oder Absage für die erste Partie der Schweizer Nationalmannschaft durchringen. «Die Bereitschaft von Roger Davis Cup zu spielen, ist da. Allerdings hat Federer uns mitgeteilt, dass er zum Team stösst, wenn es seine körperliche Verfassung und sein Terminplan zulässt».

Damit reduzieren sich die Chancen, dass Federer vom 8. bis am 10. Juli bei der ersten Partie in der Europa-Afrika-Zone gegen Portugal oder die Slowakei antreten wird, auf ein Minimum. Der Grund: Eine Woche zuvor geht das Grand-Slam-Turnier in Wimbledon zu Ende - das Lieblingsturnier von Federer.

Nach der bitteren Viertelfinal-Niederlage 2010 gegen den Tschechen Thomas Berdych will der sechsfache Wimbledon-Sieger seinen Kontrahenten im nächsten Jahr auf dem «Heiligen Rasen» um jeden Preis beweisen, dass diese Niederlage ein Ausrutscher war.

Vorwarnzeit von vier bis acht Wochen

Dieses Statement war Swiss Tennis jedoch nicht genug und pochte ihrerseits auf einem «Frühwarnsystem» Die Folge: Roger Federer wird dem Verband inskünftig garantieren, vier bis acht Wochen vor den Davis-Cup-Begegnungen seine Teilnahme zu bestätigen oder abzusagen.

Hintergrund der Debatte sind die Vorkommnisse im Vorfeld des Relegationsspiels der Schweiz gegen Kasachstan. Nach der Halbfinal-Niederlage bei den US-Open gegen den Serben Novak Djokovic sagte Federer lediglich drei Tage vor der kapitalen Begegnung seinen Davis-Cup-Einsatz ab.

Daraufhin ging die Schweiz mit Trainer Severin Lüthi und Spieler Stanislav Wawrinka in Astana mit 0:5 gegen Kasachstan unter und stieg aus der Davis-Cup-Weltgruppe ab. Dies führte zu Spannungen zwischen Federer und der Verbandsspitze um René Stammbach.

Davis Cup Team wird reduziert

Im Zuge der Ergebnisse aus den Gesprächen mit Roger Federer hat sich der Verband nun dafür entschieden, die Davis Cup-Spiele in Zukunft ohne Roger Federer zu planen.

Wie Swisstennis-Mediensprecherin Sandra Perez auf Anfrage bestätigt,habe dies eine Reduktion der Teammitglieder der Davis Cup Organisation zur Folge. In Astana waren neben den Spielern zehn Mitarbeiter von Swiss Tennis dabei. Darunter zwei Physiotherapeuten, ein Arzt, ein Bespanner und zwei Kommunikations-Fachkräfte.

Diese umfassende Organisation war vor allem auf die Bedürfnisse und Wünsche von Roger Federer zugeschnitten. Diese Professionalisierung hatte aber auch seinen Preis. So ging aus dem Trip nach Kasachstan ein Verlust von 150000 Franken hervor.

Leise Hoffnung für London 2012

Nichtsdestotrotz kann sich das Schweizer Davis Cup Team langfristig berechtigte Hoffnungen auf eine Rückkehr von Federer ins Team machen. Der Grund: Wie aus dem Reglement des internationalen Tennisverbandes (ITF) vorgeht, muss ein Tennisspieler vier Jahre vor den Olympischen Spielen zweimal für sein Land gespielt haben um bei Olympia dabei sein zu können. Darüber hinaus ist ein Spiel zwei Jahre vor den Olympischen Sommerspielen Pflicht.

Allerdings will Swiss Tennis in dieser Frage nicht auf seinem Recht pochen und stellt vier Möglichkeiten in Aussicht, wie das Problem Olympia gelöst werden könnte:

1 Swiss Tennis beharrt auf dem Reglement des internationalen Tennisverbandes. Dies würde bedeuten, dass Federer gezwungen wäre, für die Schweiz Davis Cup zu spielen. Für die weitere Zusammenarbeit wäre dieser Vorgang jedoch unbefriedigend.

2 Spielt Roger Federer bis 2012 nicht Davis Cup, hat der ITF das Recht vor den Olympischen Spielen in London Roger Federer eine Wild Card zu gewähren. In Anbetracht seiner Leistungen und Status wäre die Wild Card seitens des ITF nüchtern betrachtet reine Formsache.

3 Federer spielt nicht Davis Cup und Swiss Tennis empfiehlt Swiss Olympic dennoch den 16-fachen Grand-Slam-Sieger für Olympia aufzubieten.

4 Roger Federer spielt freiwillig bis zur Olympiade zweimal für sein Land Davis Cup.

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