Tennis

Roger Federer: «Jetzt muss ich eine Reaktion zeigen»

Roger Federer blickt «längst wieder nach vorne».Fotos: Keystone

Roger Federer blickt «längst wieder nach vorne».Fotos: Keystone

Roger Federer spielt ab heute in Hamburg und tritt nächste Woche im Berner Oberland an. Im Interview spricht der Tennis-Profi über die Bedeutung dieser Turniere in seinem Spielkalender nach dem frühen Wimbledon-Aus.

Roger Federer, eigentlich wäre das jetzt die Zeit für die Sommerferien. Stattdessen spielen Sie nun Sandplatztennis – erst in Hamburg, dann in Gstaad.

Roger Federer: Als Profi muss ich professionell auf die Tatsachen reagieren. Und das hiess in diesem Fall, nach dem frühen Ausscheiden in Wimbledon weiter Spielpraxis sammeln. Matchhärte gewinnen. Es war mir relativ bald nach der Niederlage klar, wie der Plan aussehen würde. Gstaad war für mich sowieso die erste Option, ein Turnier zu spielen. Und dann kam ich auf die Idee, eine kleine Serie zu spielen, auch mit Hamburg. Meine Trainer haben mich gefragt, ob ich wirklich zwei Turniere bestreiten wolle. Und ich habe klar gesagt: Ja.

Eigentlich ist die Ursache für diese Auftritte ärgerlich, dieses schnelle Scheitern an Ihrem Lieblings-Schauplatz Wimbledon. Aber wie sehen Sie nun diese Turnier-Gastspiele der nächsten Wochen?

Jedes Turnier, das man in der Heimat spielt, ist schön und wichtig. Ich war nun lange, lange nicht mehr in Gstaad, das ergibt sich nun mal aus dem Turnierkalender im Tennis. Jetzt kehre ich sehr gerne zurück, mit vielen guten Erinnerungen im Gepäck. Auch Hamburg spielte für mich eine wichtige Rolle in meiner Karriere – hier holte ich meinen ersten grossen Turniersieg, das ist schon mehr als zehn Jahre her. Irgendwann wurde das Turnier dann abgewertet, und so konnte ich es wegen der sowieso schon vielen Termine in der Saison nicht mehr spielen.

Ist die Enttäuschung über das Wimbledon-Aus gewichen?

Ich blicke längst wieder nach vorne. Das ist normal, schliesslich kassiert man jedes Jahr seine Niederlagen, muss mit ihnen umgehen. Das war selbst in den stärksten Jahren so. Man darf so etwas nicht lange mit sich rumschleppen, sondern muss konstruktiv sehen, was zu tun ist. Es gab auch sofort nach dieser Niederlage so etwas wie die Haltung: jetzt erst recht. Jetzt musst du eine Reaktion zeigen. Deshalb war auch die Entscheidung klar: Du musst Turniere spielen, dich dort beweisen.

Sie haben in Wimbledon gesagt: Wichtig ist jetzt, nicht in Panik zu verfallen. Was bedeutete das konkret?

Ich kenne das Spiel mittlerweile zur Genüge. Ich verliere ein wichtiges Spiel, und es gibt eine massive Reaktion – da werden alle möglichen Prognosen gestellt, da wird gefragt: Hat der Federer noch das Zeug dazu, die grossen Titel zu gewinnen? Und da muss man eben selbst ruhig bleiben, muss diese Dinge ausblenden. Ich lese dann eben keine Zeitungen oder schaue mir an, was für Diskussionen in den anderen Medien geführt werden. Nicht aus Prinzip. Sondern, weil man selbst einen klaren Kopf bewahren muss und eben eins nicht machen darf: Aus dem Augenblick heraus alles infrage zu stellen. Ich habe deshalb auch nie den Kopf hängen lassen, nicht jetzt, nicht in vergleichbaren Situationen.

Trotzdem sagen Sie auch: Ich lasse immer Zweifel zu.

Das ist normal. Das ist Teil dieser Selbstanalyse. Man darf sich die Dinge auch nicht schönreden, das hilft nun gar nicht weiter. Aber ich bin mir schon sicher, dass ich stark zurückkommen werde. Wie oft bin ich letztes Jahr infrage gestellt worden – und was ist dann passiert?

Haben Sie eigentlich noch etwas von Wimbledon mitbekommen, Fernsehen geschaut oder sonst in den Medien verfolgt?

Nein, das war sozusagen weg vom Schirm bei mir. Fast ganz. Ich habe auch das Endspiel nicht gesehen, habe mich aber sehr gefreut, dass Andy Murray gewonnen hat. Er hatte es sich nun absolut verdient. Man muss halt auch sehen, unter welchem Druck er Jahr für Jahr angetreten ist – und wie er sich nun gegen alle Skepsis und alle Zweifel durchgesetzt hat. Ivan Lendl hat ihm sicher in den letzten anderthalb Jahren noch einmal enorm geholfen, das ist offensichtlich gewesen. Ich hab´Andy auch ein SMS nach dem Sieg geschickt, das war selbstverständlich.

Sie sind nach dem Wimbledon-Turnier auf Platz 5 der Weltrangliste zurückgefallen. Ein Problem?

Jedem ist Platz 1 lieber, das ist doch klar. Letztes Jahr habe ich diesen Sprung zurück auf 1 noch einmal geschafft, das war ein grossartiges Gefühl, eine Bestätigung für den starken Weg zurück, den ich damals gegangen bin. Ganz allgemein sind diese Zahlen wichtiger für die Leute, die Tennis von aussen beobachten, als für die Profis selbst. Jedenfalls für die meisten. Wichtig sind grosse Siege, das zählt. Ob man jetzt Platz 3 oder 4 oder 5 hat, ist für den Augenblick nicht entscheidend.

Wie würden Sie jetzt die weiteren Saisonziele fixieren?

Gute Ergebnisse im Sommer, dann gute US Open, bei denen ich mir die Chance auf den Sieg bewahren will. Und ein ähnlich starker Herbst wie in vielen Jahren vorher. Das ist dann auch schon wichtig, um mit einem guten Gefühl in die Pause und die Vorbereitung auf 2014 zu gehen.

Aufgezeichnet: Jörg Allmeroth

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