French Open
Roger Federer ist in Paris mittendrin, aber doch nicht dabei

Roger Federer ist bei dern French Open zum dritten Mal in Folge der grosse Abwesende. Das hat vielerorts für Unverständnis gesorgt. Doch in Paris war er trotzdem: mittendrin, und doch nicht dabei.

Simon Häring
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2015 spielte Roger Federer letztmals bei den French Open und scheiterte in den Viertelfinals.Keystone

2015 spielte Roger Federer letztmals bei den French Open und scheiterte in den Viertelfinals.Keystone

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Er hatte sich die Antwort auf diese Frage fein säuberlich zurechtgelegt, sie kam ja auch alles andere als überraschend. Und als sie kam, die Frage nach Roger Federer, da setzte er ein breites Lächeln auf. «Nein, ganz ehrlich, es macht keinen Unterschied, ob er hier ist, oder nicht. Gewinne ich das Turnier, ist das genauso schön, wie wenn er hier wäre», sagte Rafael Nadal. Das mag stimmen, doch ein bisschen wurmt es ihn dann doch, dass sein grosser Antipode in Paris zum dritten Mal in Folge fehlt, zum zweiten Mal aus freien Stücken. Im April hatte er Federers Äusserungen noch als befremdlich empfunden. «Roger meinte, er würde gerne gegen mich auf Sand spielen. Darum ging ich davon aus, dass er in Roland Garros antritt», sagte er damals.

Nun denn, Federer fehlt im Tableau der Internationaux de France. Doch in Paris weilte er gleichwohl. Am Donnerstag war er im Pavillon Ledoyen nahe der Champs-Elysées bei der Lancierung einer auf 20 (!) Flaschen limitierten Ausgabe eines Champagners von Moët & Chandon. Name: «Greatness since 1998», Grösse seit 1998, dem Jahr, in dem Federer sein Profi-Debüt gab. Jede der Flaschen, deren Hälse in Anlehnung an ein Racket mit einem Lederband veredelt sind, wurde für 20 000 Dollar verkauft, und der Erlös Federers Stiftung zugeführt. Das ist nur eine Randnotiz, klar. Doch es zeigt eben auch: Mehr noch als in den Vorjahren fehlt Federer dem Turnier.

French Open 2018

Die Startspiele der Schweizer
Wawrinka (23) - Garcia-Lopez (ESP). Bacsinszky - Qualifikantin. Bencic - Qualifikantin. Vögele - Zurenko (UKR).

Weitere Erstrunden-Matches
Männer: Nadal (ESP/1) - Dolgopolow (UKR). Alexander Zverev (GER/2) - Berankis (LTU). Cilic (CRO/3) - Duckworth (AUS). Dimitrov (BUL/4) - Troicki (SRB). Del Potro (ARG/5) - Mahut (FRA). Anderson (RSA/6) - Lorenzi (ITA). Thiem (AUT/7) - Qualifikant. Goffin (BEL/8) - Haase (NED). Djokovic (SRB/20) - Qualifikant.
Frauen: Halep (ROU/1) - Riske (USA). Wozniacki (DEN/2) - Collins (USA). Muguruza (ESP/3) - Kusnezowa (RUS). Switolina (UKR/4) - Tomljanovic (AUS). Ostapenko (LAT/5) - Koslowa (UKR). Pliskova (CZE/6) - Qualifikantin. Garcia (FRA/7) - Yingying (CHN). Kvitova (CZE/8) - Cepede Royg (PAR). Scharapowa (RUS/28) - Qualifikantin. Serena Williams (USA) - Pliskova (CZE).

TV: SRF und Eurosport übertragen täglich live von den French Open aus Paris.

Die Kritik an Federer

Mit dem zehnfachen Sieger Rafael Nadal gibt es in diesem Jahr nur einen Favoriten. Seit er 2005 erstmals in Paris spielte, hat er nur drei Mal nicht gewonnen: 2009 verlor er angeschlagen gegen Robin Söderling, 2015 gegen Novak Djokovic. Und im Jahr darauf musste er wegen Beschwerden im Handgelenk das Handtuch werfen. 36 Mal hat er auf Sand verloren, dem stehen 408 Siege gegenüber. Nur acht Spielern ist es gelungen, ihn mehr als einmal auf dieser Unterlage zu bezwingen: Novak Djokovic schaffte das gleich sieben Mal. Doch der ist derzeit nur ein Schatten seiner selbst. Und Dominic Thiem, der Nadal in den letzten zwei Jahren als Einziger auf Sand besiegt hat, blieb in Paris bisher chancenlos.

Roger Federer ist dieses Kunststück zwar zwei Mal gelungen, aber nie in Paris. Fünf Mal scheiterte er hier an Nadal, vier Mal erst im Final, letztmals 2011. Doch die verbesserte Rückhand hat die Physiognomie ihrer Duelle verändert. Seither hat Federer alle fünf Partien gewonnen. Auch darum hat sein Verzicht vielerorts Unverständnis ausgelöst. Turnierdirektor Guy Forget kritisierte ihn, und Ion Tiriac sagte, Federer respektiere das Spiel nicht. Im Kern sind jene Voten Resultat von Enttäuschung. Zu gerne hätte man gesehen, wie Federer sich dieser ultimativen Herausforderung stellt.

Die Mythen

Es mag nicht die ganz grosse Liebe sein wie es mit Rasen der Fall ist, doch wenn es um Federers Beziehung zum Sand geht, halten sich doch zwei Mythen hartnäckig, die falsch und einfach widerlegbar sind. Mythos eins betrifft die Bilanz: Federer hat 11 Titel auf der Unterlage gewonnen, auf der er aufgewachsen ist und die er als für ihn «natürlichste» bezeichnet. Er belegt damit Rang 14 in der ewigen Bestenliste. Das ist insofern bemerkenswert, weil er deutlich weniger Turniere auf dieser Unterlage bestritten hat. Übrigens verlor er 15 Finals, nicht weniger als elf davon gegen Nadal.

Mythos zwei hält sich derart hartnäckig, weil er für Hobbyspieler geltend gemacht werden kann. Er besagt: Das Spiel auf Sand ist für die Gelenke schonender. Doch auch das ist falsch. Das Gegenteil ist der Fall: Federers Fitnesstrainer Pierre Paganini erklärte das in der «New York Times» einmal so: «Zwar sind die Schläge auf die Gelenke bei harten Belägen stärker als auf Sand, aber sie sind jeweils nur kurz.» Ein Vorteil.

Die Sache mit dem Knie

«Auf Sand sind die Schläge weniger stark. Aber die Rutschphase ist gefährlich. Man sieht das zwar nicht von aussen, aber in den Gelenken – also in den Knien und im Fussknöchel – vibriert es stark, das führt zu Instabilität im ganzen Körper.» Für Federer wäre genau das ein Problem. Anfang 2016 hat er sich den Meniskus im linken Knie gerissen und musste sich operieren lassen. Sein wohl verfrühtes Comeback gab er damals auf Sand, doch das hat nur noch zusätzlich Verunsicherung gestiftet. 2016, als er letztmals auf Sand spielte, sagte er in Monte Carlo, das Knie fühle sich nicht mehr gleich an wie früher.

11

Titel hat Roger Federer auf Sand gewonnen und noch 15 weitere Finals erreicht. Er gehört damit auch auf dieser Unterlage zu den erfolgreichsten Spielern der Geschichte.

Seither macht er einen weiten Bogen um Sandplätze und räumt der Vorbereitung auf die Rasensaison Priorität ein. Nicht überall stösst das auf Gegenliebe, am wenigsten in Paris. Doch für ihn zahlte es sich aus: Im letzten Sommer gewann er zum neunten Mal in Halle und zum achten Mal in Wimbledon. Doch weder aus dem Kopf noch aus dem Herzen ist Roland Garros so ganz verschwunden. Am Donnerstag sagte er, es sei sein Traum, noch einmal hier zu spielen und zu gewinnen. Er tat es in Paris, und war damit so nah und doch so fern.