Tennis
Roger Federer ist für Wimbledon bereit: «Ich habe ein gutes Gefühl»

Roger Federer eröffnet am Montag um 14 Uhr gegen den Rumänen Viktor Hanescu (ATP 47) das Turnier in Wimbledon. Trotz schwieriger Auslosung hat der Titelverteidiger ein gutes Gefühl. Der Druck habe er sich längst wegnehmen können.

Michael Wehrle, Wimbledon
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Zum achten Mal betritt Roger Federer am Montag als erster Spieler den Centre-Court von Wimbledon. Diese Ehre fällt jeweils dem amtierenden Champion zu.

Sieben Mal hat der Schweizer das Turnier schon gewonnen, einmal durfte er für den verletzten Rafael Nadal einspringen.

Der Rumäne Viktor Hanescu wird Federer begleiten. Der ist die Nummer 47 der Welt, wird in einem Monat, knapp drei Wochen vor Federer, 32 Jahre alt, und hat in fünf Begegnungen erst einen Satz gegen den Baselbieter gewonnen.

«Das ist ein spezieller Augenblick», gibt Federer zu: «Du fühlst dich einzigartig.» Es sei fantastisch, dass er das schon so oft erleben durfte. Darauf sei er stolz.

«Und obwohl der Druck da ist, nur nicht zu verlieren, geniesse ich das besondere Erlebnis für einen Tennisspieler», sagt er. Eine gewisse Nervosität sei vorhanden. «Vor zehn Jahren war das aber viel schlimmer», blickt er auf das Jahr zurück, in dem er erstmals in Wimbledon siegte.

Damals habe er doch viel Druck verspürt, weil er im Jahr zuvor ebenso in der ersten Runde ausgeschieden sei wie vier Wochen vorher beim French Open in Paris.

Inzwischen gehe er die Sache ruhiger an. «Der erste Grand-Slam-Sieg hat schon Druck weggenommen», betont er.

«Ich habe ein gutes Gefühl», sagt er vor seinem 55. Grand-Slam-Turnier in Folge. Auch wenn die letzten Trainings nicht optimal waren. Sehr windig war es am Samstag, gestern musste er sein Training mit Juan-Martin del Potro wegen eines Regenschauers unterbrechen.

Das passte ihm gar nicht. Obwohl es schon heftig regnete, spielten die beiden noch weiter, bis es wirklich nicht mehr ging.

Und die Ballkinder war noch mit dem Wiederaufbau des Netzes beschäftigt, da flogen bereits wieder die ersten Bälle drüber.

Trotz dieses Ungemachs war Federer die Ruhe selbst geblieben. Während sein Coach Paul Annacone die Kapuze über dem Kopf vor dem Regen flüchtete, spazierte Federer gemütlich im T-Shirt in die Kabine.

«Ich bin einer der Entspanntesten in solchen Situationen», verrät er. Froh sei er einfach, wenn er da ohne Verletzung vom Platz komme, nachher hake er das schnell ab.

«Jetzt gilt die Konzentration schon meinem ersten Match», sagt er eine halbe Stunde später. Und wenn das Turnier einmal begonnen habe, interessiere es niemanden mehr, wie die Vorbereitung gelaufen sei.

Bisher spielte Federer keine grandiose Saison, gewann nur ein Match gegen einen Top-Ten-Spieler. «Klar ist es hilfreich, wenn du vorher schon einmal die Topspieler geschlagen hast», sagt er. Er dürfe sich aber davon nicht verunsichern lassen. «Ich muss mich auf meine Stärken besinnen», sagt er, «und versuchen, gut Tritt zu fassen.»

Keine Sorgen wegen Weltrangliste

Das sollte ihm auf seiner Lieblingsunterlage Rasen einfacher fallen. «Da ist das Spiel etwas weniger taktisch, da musst du dich eher der Situation anpassen und darin bin ich ja stark», sagt er.

Verrückt mache er sich auch nicht, weil er als Titelverteidiger 2000 Punkte auf der Weltrangliste zu verteidigen habe und ihm der Absturz auf Rang fünf droht.

«Das war vor einem Jahr anders, da ging es auch um die Nummer eins», blickt er zurück.

Jetzt sei ihm das relativ egal, das Klassement könne sich schnell ändern. «Ich spiele aus Freude, um zu gewinnen, für die Emotionen und um Titel», betont er. Aber nicht für Weltranglistenpunkte.

Wie immer geniesst er die Wimbledon-Zeit. «Es ist immer eine Freude, hier zu sein, besonders dank meinen Erlebnissen in den vergangenen 15 Jahren.»

Und da er nicht abergläubisch sei, habe er wieder einmal ein anderes Haus gemietet. «Hauptsache, jeder hat seinen Platz», sagt er.

Das ist neben seiner Familie sein Team mit den Coaches Annacone und Severin Lüthi sowie Physiotherapeut Stéphane Vivier.

«Hier bin ich sehr eng mit dem Team zusammen, darauf freue ich mich immer», sagt er.

Doch nach dem Turnier sei er auch froh, wenn jeder wieder mehr seine eigene Richtung gehe. Das soll nach Federers Plänen aber erst in zwei Wochen passieren – nach dem Final.