Mit 33 Jahren gehören Sportler mit wenigen Ausnahmen zum alten Eisen, haben den Höhepunkt ihrer Karriere überschritten. Auch Roger Federer zollt dem Alter und einer langen Karriere Tribut, verliert viel öfter als zu den Glanzzeiten seiner Karriere, als er viereinhalb Jahre lang ununterbrochen die Weltrangliste anführte, vom 2. Februar 2004 bis zum 17. August 2008.

Lange ist das her, schon ein paar Mal ist Federer abgeschrieben worden, und nun greift er heute gegen Novak Djokovic nach seinem achten Titel in Wimbledon, nach seinem 18. Grand-Slam-Sieg. Mit 33 Jahren und 338 Tagen ist Federer der älteste Finalist von Wimbledon seit dem Australier Ken Rosewall im Jahr 1974 mit 39 Jahren und 246 Tagen.

Federer ist der Favorit

«Das war der beste Federer, den ich je gesehen habe, um Welten besser als im Final 2008 gegen Rafael Nadal», schwärmt Mats Wilander, der siebenfache Grand-Slam-Sieger. Und jener Final gilt als eines der besten Tennismatches überhaupt. «Federer ist für mich leicht favorisiert», sagt Wilander, «weil er so gut gegen Andy Murray gespielt hat.» Aber manchmal sei es für einen Spieler sogar von Vorteil, wenn er auf einen solch starken Gegner treffe.

Dann könne er sich steigern und Djokovic habe bisher nicht sein bestes Tennis gezeigt. Ausserdem könne Federer gegen Djokovic nicht so gut aufschlagen wie gegen Murray. Das liege am Gegner, der Serbe decke den Raum besser ab als Murray, sei aggressiver im Return.

Auch Tim Henman hat Federer noch nie besser spielen sehen. Dabei weiss der Brite, wovon er spricht. Er hatte lange Jahre einen Platz in der ersten Reihe, direkt auf dem Court. Henman schlug den jungen Federer sechsmal, danach übernahm der Schweizer das Zepter und siegte siebenmal. In Wimbledon gewann Henman 2001 den Viertelfinal und unterlag 2006 in der zweiten Runde 4:6, 0:6, 2:6. «Federer spielt fantastisches Tennis, er hat sogar im nächsten Jahr noch Chancen, zu gewinnen», sagt Henman. Auf Rasen komme sein Spiel am besten zur Wirkung.

John McEnroe mit der Kehrtwende

«Für seine Gegner ist es manchmal grausam, was er auf dem Rasen macht», betont Andy Roddick, der auch schlechte Erfahrungen mit dem Schweizer machte. Viermal unterlag er ihm in Wimbledon, dreimal im Final.

John McEnroe machte sogar eine Kehrtwendung. Lange hatte er gesagt, Rafael Nadal sei der beste Spieler der Geschichte nicht Federer, nun korrigierte er sich: «Ich lag falsch, diese Ehre kommt Roger Federer zu.» Inzwischen sei er auch wieder überzeugt davon, dass Federer noch ein Grand-Slam-Turnier gewinnen könne.

«Es gibt keinen Grund daran zu zweifeln, aber hintereinander Murray und Djokovic zu schlagen ist natürlich schwierig.»

Das ist auch Federer bewusst: «Ich weiss, ich kann ihn schlagen.» Aber Djokovic sei sehr stark, mit Abstand der beste Spieler des bisherigen Jahres. Zum 40. Duell der beiden kommt es heute, Federer führt 20:19. In Wimbledon stehts Unentschieden. Federer siegte vor drei Jahren im Halbfinal auf dem Weg zum siebten Titel. Djokovic gewann den Final vor einem Jahr.

«Murray bewegt sich etwas besser auf Rasen als Djokovic, der fast Hartplatztennis spielt, aber etwas offensiver, das macht ihn eine Spur gefährlicher», sagt Federer. Offensiv betonte er vor zwei Wochen, dass er diesen Titel gewinnen wolle. Dass er den Mund nicht zu voll genommen hat, zeigte er im Halbfinal. Und mit diesem Match sei er bereits voll im «Finalfeeling». Die Intensität sei deutlich höher gewesen als in den Runden zuvor, das Publikum enthusiastischer.

Federer will den achten Sieg in Wimbledon

«Wimbledon ist schon etwas sehr Spezielles», sagt Federer. Nicht einmal wegen seiner Erfolge, die natürlich schön seien: «Aber es sind die Rasenplätze, die ganze Geschichte, das Publikum, die Altstars. Es ist schon für die Zuschauer eine Erfahrung fürs Leben, für uns Spieler ist es dann noch viel mehr.»

Siebenmal hat er gewonnen. 2003 zeigte er im Halbfinal gegen Roddick eine begeisternde Leistung, ebenso 2012 gegen Djokovic. Und nun kommt Federer heute wieder mit so einer Vorstellung im Rücken auf den Platz. Drei Jahre lagen zwischen seinen letzten Siegen, 2009 und 2012. Inzwischen sind wieder drei Jahre vergangen, warum soll es nicht noch einmal passen.

«Ich will Wimbledon gewinnen, das zählt», sagt Federer. Ob es nun um den achten Titel – er wäre damit alleiniger Rekordhalter – oder den 18. Grand-Slam-Sieg gehe, sei ihm egal. Das interessiere ihn in Moment überhaupt nicht.