Ein Bijou ist sie, die für rund 115 Millionen Franken rundum erneuerte Basler St. Jakobshalle. Eröffnet wurde sie am Montag zu den Klängen eines ganzen Orchesters. Untermalt mit dem Gesang von Basler Buben und Mädchen. Es war stimmungsvoll, keine Frage. Doch so richtig los gehen die Swiss Indoors eben doch erst dann, wenn er die Bühne betritt: Roger Federer (37).

Auch in diesem Jahr ist das nicht anders. Die Lichtkegel tanzten über die Tribünen, die Kameras hatten nur ihn im Visier. Es flimmerte und knisterte. Und es bestand kein Zweifel, warum dem so war. Gewiss, es gibt Alexander Zverev, dem die Zukunft gehört. Oder Marin Cilic, einer von nur sieben aktiven Grand-Slam-Siegern.

«Ich war nie richtig nervös.

«Ich war nie richtig nervös»

Roger Federer über das Spiel gegen Krajinovic.

Doch im Mittelpunkt steht nur er: Roger Federer. Dazu passte auch die mit Pathos angereicherte Ankündigung von Speaker Christoph Schwegler. Er hatte mit sonorer Stimme den Hauptakt angekündigt, als er sagte: «Für uns ist er die Nummer eins, für die ATP die Nummer drei. Meine Damen und Herren, der erfolgreichste Tennis-Spieler der Geschichte: Welcome Home: Roger Federer!»

Am Ende völlig unerheblich ist, dass der Hauptdarsteller mit seiner Leistung mehr Fragen aufwirft. Nach dem 1:2 im ersten Satz gewann er sieben Games in Folge. Während 45 Minuten war es ein Solo, Filip Krajinovic (26, ATP 35) spielte bestenfalls die zweite Geige. Es ist eine der faszinierendsten Eigenschaften des Tennis, dass sich ein Spiel in Bruchteilen von Sekunden verändern kann. Federer gab drei Mal in Serie seinen eigenen Aufschlag ab.

Zufrieden, aber ratlos

Auf Staunen folgte entsetztes Raunen. Federer verlor den Satz und tat, was er nur selten tut: Er verschwand in der Kabine, um sich zu sammeln. Er spielte auch danach nicht brillant, doch er gewann: 6:2, 4:6, 6:4. Er entliess die Zuschauer zufrieden in die Nacht, aber auch ein wenig ratlos.

Es war ja nicht das erste Mal, dass Federer in einer ersten Runde Mühe bekundete, auch in Basel nicht. Doch die Leistung gegen den Serben nährte die Zweifel an seinem Formstand. Federer wirkte längst nicht so leichtfüssig wie in seinen besten Tagen. Und die Zahl der Doppelfehler (6) war bemerkenswert.

Roger Federer über seine WC Pause

Roger Federer über seine WC Pause:

«Manchmal ist es einfacher, in einem kleineren Raum ohne die vielen Blicke, etwas Abstand zu gewinnen und sich zu beruhigen.»

Wie auch der Umstand, dass neben Trainer Severin Lüthi und Physiotherapeut Daniel Troxler der Arzt Roland Biedert sass. Jener Mann also, der im Herbst 2014 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion nach London geflogen worden war, nachdem Federer sich am Rücken verletzt hatte. Damals hatte Federer kaum mehr gehen können. Doch Biedert bewerkstelligte das «Wunder», dass der Baselbieter eine Woche später mit der Schweiz erstmals den Davis Cup gewinnen konnte. Erst am Sonntag hatte Federer eingeräumt, dass ihn im Sommer eine Verletzung am rechten Handgelenk beschäftigt hatte.

Minuten vor dem Spiel, im Tunnel, der ins Stadion führt, hatte er noch so entspannt gewirkt, als treffe er sich mit Freunden zum Tee. «Ich dachte, ich hätte es im Griff. Gerettet hat mich der Wille, nicht verlieren und unbedingt gewinnen zu wollen.» Solche Spiele müsse man akzeptieren, «und sich irgendwie über die Ziellinie hechten».

Seine Auszeit in der Kabine kommentierte er so: «In einem kleinen Zimmer kann man sich besser überlegen, was schief läuft.» Er versprach, in den Achtelfinals gegen Jan-Lennard Struff (28) «ganz frisch» zu sein. Dass er am Mittwoch einen freien Tag geniesst, könnte noch Gold wert sein. Denn Federers erster Auftritt auf der Heimbühne hat mehr Fragen als Antworten geliefert.