Roger Federer ist wohl der beste Tennisspieler aller Zeiten, zahlreiche Rekorde hat der 35-jährige Baselbieter in seiner langen Karriere aufgestellt. Zuletzt am Sonntag in Melbourne, als er im epischen Kampfspiel gegen Rafael Nadal seinen 18. Grand Slam-Titel holte. 

Doch der Maestro ist bei Weitem nicht überall der Rekord-Mann, oft wurde King Roger von anderen grossen Tennis-Namen übertrumpft.

So ist Federer mit seinen 35 Jahren und 174 Tagen beispielsweise nur der zweitälteste Grand Slam-Gewinner der Open-Ära. So war der Australier Ken Rosewall (siehe Bild links) beim Sieg in Melbourne 1972 stolze 37 Jahre, 2 Monate und einen Tag alt.

Die älteste Nummer 1 war FedEx übrigens auch nicht. Diesen Titel hat der Amerikaner Andre Agassi inne, der 2003 mit 33 Jahren und 4 Monaten die ATP-Rangliste anführte. Als Roger Federer zuletzt am 29. Oktober 2012 zuoberst stand, war er 31 Jahre und 82 Tage alt.

Auch wenn der Baselbieter also in mancher Rangliste gegenüber grossen Tennis-Persönlichkeiten das Nachsehen hat, wollen wir zu Beginn King Roger aber für seine Rekorde huldigen.

Hier eine Auswahl der Rekorde von Roger Federer (die Liste ist nicht vollständig):

Zurück in die Top 10

Wegen seiner sechsmonatigen Spielpause war Roger Federer im November 2016 erstmals seit 14 Jahren aus der ATP-Top-10 gefallen. Seit gestern Montag ist er aber zurück:

Länger am Stück in der Top Ten war nur der Amerikaner Jimmy Connors (1973-1988). Bei der Top-Platzierung ist Federer aber einsame Spitze:

Der 100-Millionen-Club 

Dank den rund 2,7 Millionen US-Dollar Preisgeld für den Sieg an den Australian Open 2017 ist Roger Federer in einen illustre Kategorie vorgestossen: der 100-Millionen-Club. Federer ist nach Djokovic erst der zweite Spieler, der in seiner Karriere eine 9-stellige Preisgeld-Summe verdient hat. Hier die Top-10:

Angeführt wird die ewige Karriere-Preisgeld-Rangliste der ATP also vom Serben Novak Djokovic, der die Preisgeld-Schallmauer von 100 Millionen US-Dollar bereits bei den French Open 2016 durchbrach. 

Aber Obacht: Die komplette ATP-Preisgeld-Liste ist 512 Seiten lang und beinhaltet auch Amateur-Spieler und deren potentielles Preisgeld, wären Sie Profis.

Auf Platz 22484 und damit am Schluss der Liste befindet sich der Österreicher Wolfgang Grassler, der 1984 als Weltnummer 725 gelistet war und sogar mal ins Davis-Cup-Team berufen wurde.

Der zweifache österreichische Junioren-Meister des Tennis-Club St. Stefan in Kärnten verdiente in seiner Karriere stolze... ähm... 22 Dollar. 


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Die Sache mit der Effizienz

Der Final zwischen Roger Federer und Rafael Nadal war eine epische Schlacht. Die beiden "Oldies" schenkten sich in fünf Sätzen nichts. 37 Breakbälle erspielten sich die beiden Finalisten – genutzt haben sie nur zehn.

Federer wehrte 76% der Breakbälle ab (Karriere-Schnitt: 67%) und verwertete seinerseits 30% (Karriere-Schnitt: 41%). Den Unterschied machte also die Effizienz, denn Nadal, der also nur 24 % seiner Breakbälle nutzte, lag damit weit unter seinem Karriere-Schnitt von 45% (zweitbester Wert im Ranking).

Service-Spieler und schnelle Unterlage

Ein stets wichtiger Faktor in Roger Federers Spiel war der Aufschlag, so auch bei den Australian Open 2017. FedEx (FedererExpress) – so genannt für seine ohne viele Ballwechsel schnell zum Punktgewinn kommende Spielweise – konnte sich über weite Strecken auf seinen starken Service verlassen.  

Im Final holte Federer bei erfolgreichem ersten Aufschlag in 76 Prozent der Fälle den Punkt (knapp unter Karriere-Schnitt). Wie der Maestro selbst bekannte, kam ihm an diesen Australian Open auf die wieder etwas schneller gewordene Unterlage entgegen.

Noch entscheidender ist Federers Effizienz aber mit dem zweiten Service. Hier belegt er in der ewigen Rangliste knapp vor Nadal den Spitzenplatz. 57 Prozent der zweiten Aufschläge führten letztlich zu einem Punktgewinn für den Maestro. 

Im Final gegen Nadal, einem der besten Return-Spieler, lag seine Quote (wie zu erwarten) tiefer und nur bei 49 Prozent. Dafür distanzierte Federer seinen Kontrahenten bei den Assen mit 20:4 deutlich. In der ewigen Rangliste der total gespielten Asse liegt er auf Rang 3 und ist in Gesellschaft von gross gewachsenen Service-Spielern wie Ivo Karlovic, Goran Ivanisevic oder John Isner und Milos Raonic auf. (Das Verhältnis Asse zu Spiele relativiert diese Rangliste allerdings etwas)

 

FedEx der Allrounder

Wenn es um das Return-Spiel geht, dann fallen unweigerlich grosse Tennis-Namen wie Rafael Nadal, Andy Murray, Andre Agassi oder Novak  Djokovic und David Ferrer. Sie alle sind bekannt für lange Ballwechsel und dass sie viele Aufschläge ihrer Gegener ins Spiel bringen.

Die Allround-Fähigkeiten von FedEx zeigen sich auch darin, dass er als Service-Spieler hier den Top-Return-Spielern nahe kommt. Zumindest weiss Federer den ersten Aufschlag gut zu lesen und gewann in seiner Karriere durchschnittlich jeden dritten Punkt  (Platz 11 in der ewigen Rangliste). Auf zweiten Service gewann der Maestro immer noch gute 51 Prozent der Punkte – was aber dennoch nur noch Rang 76 bedeutet.

Das lange und langsame Spiel liegt Roger Federer dennoch nicht sonderlich: Eine schnelle Unterlage, kurve und effizient Ballwechsel mag der Schweizer. Oft genügt ihm ein einziges Break für einen Satzgewinn, da er seinen eigenen Aufschlag zuverlässig durchbringt.

Folglich liegt er bei der Quote der gewonnenen Return-Spielen mit 27 Prozent (Platz 41) doch deutlich hinter den klassischen Sandplatz-Grössen wie Guillermo Coria, Rafael Nadal oder David Ferrer.

Federer liebt starke Gegner und Tie-Breaks

In seiner Karriere hat Roger Federer auf der Tour bisher 1332 Partien gespielt – und davon 81,6 Prozent gewonnen. Damit liegt er in der ewigen Rangliste fast gleichauf mit Jimmy Connors (Platz 4), dem einzigen Spieler der mehr Spiele (1535) auf dem Buckel hat als Federer (1332).

Von den aktiven Spielern sind nur Novak Djokovic und Rafael Nadal besser als Federer. Diese sind allerdings auch fünf und sechs Jahre jünger, haben 300-400 Spiele weniger gespielt und haben somit die "schwierigen" Jahre als Oldies noch vor sich. Gut möglich, dass sich die Rangliste also noch etwas verändert.

Trotz des grossen und langjährigen Konkurrenzkampfs mit Nadal, Roddick, Hewitt und später auch mit Djokovic und Murray zeigt die Statistik: Roger Federer ist ein Mann der grossen Gegner. In seiner Karriere hat er gegen Top-10-Spieler eine klar positive Bilanz und 65,4 Prozent der Spiele gewonnen (Rang 3). 

Eine negative Bilanz weist der Maestro heute nur gegen Rafael Nadal (12-23) und Novak Djokovic (22-23) auf.

Andy Murray (14-11), Andy Roddick (21-3), Lleyton Hewitt (18-9), Marat Safin (10-2) und auch Stan Wawrinka (19-3) bissen sich über die Jahre mehrheitlich die Zähne an Federer aus.

Ein Mann mit Killerinstinkt: Nach Björn Borg und Novak Djokovic ist Federer auch der drittbeste Tie-Break-Spieler. Bei 6:6 Games im Satz gewann der Schweizer in zwei Drittel der Fälle – eine unglaubliche Bilanz, schaut man die Anzahl der gespielten Tie-Breaks an: 309. Nur ein Spieler in der Top-10 kommt da in die Nähe – der Djoker hat heute bereits 264 Tie-Breaks gespielt und 68,2 Prozent gewonnen.

Auf den ersten Blick fast schon bescheiden wirkt Rogers Rang bei der Siegesquote in Finalspielen. Mit 65,4 Prozent findet er sich nur auf Platz 21 wieder.

Ein Erklärungsversuch:

Hinter der Statistik stecken zum einen grossartige Gegner wie Nadal und Djokovic, die King Roger den Thron streitig machten.

Zum anderen spielt auch die Anzahl Finals eine Rolle: Roger Federer stand insgesamt in 137 Endspielen, häufiger gelang das nur Jimmy Connors (164) und Ivan Lendl (146).

Der einzige Spieler mit über 100 Finalspielen in der Top 10 ist John McEnroe (109; Quote: 71 %). Alle anderen liegen weit dahinter. 

Doch was heisst das: Björn Borg und Pete Sampras beispielsweise waren also in ihren Finals effizienter als Federer. Dieser erreicht aber auch nach seiner absoluten Topzeit immer noch regelmässig das Endspiel – wo es jedoch öfters nicht zum Titel reichte.

Das "schlechte" Abschneiden ist also eigentlich der grossartigen und langen Karriere von Federer geschuldet.