Tennis
Rafael Nadal: «Meine Nerven liessen mich im Stich»

Ungewohnt schwach spielte Rafael Nadal in diesem Jahr auf seiner Lieblingsunterlage Sand. Nun hat er das Rasenturnier in Stuttgart gewonnen und geniesst das Tennis wieder. Im Interview spricht er über den schwierigen Start und seine Zukunft.

Michael Wehrle
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Rafael Nadal hat eine schwierige Zeit hinter sich, sieht der Zukunft aber optimistisch entgegen.

Rafael Nadal hat eine schwierige Zeit hinter sich, sieht der Zukunft aber optimistisch entgegen.

KEYSTONE

Rafael Nadal, Sie haben gerade ein schwieriges Match gegen Bernard Tomic gewonnen, sind Sie mit Ihrem Auftritt zufrieden?

Rafael Nadal: Ja, das war ganz gut und zu diesem Zeitpunkt der Saison ist für mich jeder Sieg wichtig.

Was für einen Stellenwert hat für Sie ein kleines Turnier wie dieses hier in Stuttgart?

Tennis ist viel mehr als die Grand Slams. Jedes Turnier ist deshalb wichtig für mich.

In einer Woche beginnt das Wimbledon-Turnier, bisher lief Ihre Saison nicht nach Wunsch, wo stehen Sie?

Die ersten dreieinhalb Monate des Jahres waren wirklich schlecht. Jetzt läuft es mir aber immer besser. Vor allem habe ich jetzt wieder Spass auf dem Tennisplatz und ich geniesse es.

Sie kamen zu Jahresbeginn nach einer langen Pause von einer Verletzung zurück. Diesmal brauchten Sie sehr lange, um wieder in Fahrt zu kommen. Vor zwei Jahren war das ganz anders.

Ich weiss selbst nicht, weshalb ich diesmal so grosse Anlaufschwierigkeiten habe. Ich spielte zu Beginn mit wenig Selbstvertrauen und dann liessen mich meine Nerven im Stich. Ich war gar nicht ich selbst. Ich habe Matches verloren, die ich hätte gewinnen müssen. So im ersten Turnier, im ersten Match schon im Januar in Doha, gegen Michael Berrer. Dann zweimal gegen Fabio Fognini und zuletzt in Rom gegen Stan Wawrinka. Dort führte ich im Tiebreak des ersten Satzes 6:2 und verlor. Danach lief nichts mehr. Da ging es immer nur um ein paar Punkte, doch die kosteten mich schliesslich viele Punkte auf der Weltrangliste. Doch nun hoffe ich auf eine gute zweite Saisonhälfte.

Wie enttäuscht waren Sie, als Sie in Paris Ihren zehnten Titel beim French Open verpassten?

Den habe ich in diesem Jahr verpasst, ich versuche aber in den nächsten paar Jahren, diesen Titel wieder zu gewinnen. Ich fühlte mich nach dem Aus im Viertelfinal gegen Novak Djokovic gar nicht so schlecht, ich spielte besser, als in den Monaten zuvor. Jetzt bin ich wieder ruhiger auf dem Platz, geniesse alle Sachen und das ist das Wichtigste.

Glauben Sie, dass Sie ein starkes Wimbledonturnier spielen können?

Ja, warum nicht, ich spielte in der Vergangenheit dort schon sehr gut. Und ich arbeite hart, um dort in einer guten Verfassung zu sein. Dann werden wir sehen, was passiert.

Wie geht es Ihrem Körper, haben Sie Schmerzen?

Nein, mein Körper ist in Ordnung.

Können Sie denn im Training richtig hart arbeiten?

Ja, genau das mache ich jetzt.

Sie hatten zuletzt einige Probleme mit Ihrem Körper, was tun Sie, damit Sie noch einige Jahre auf höchstem Niveau spielen können?

Ich arbeite hart, um das Tennis in den nächsten paar Jahren noch geniessen zu können.

Wie pflegen Sie Ihren Körper?

Mit viel Arbeit. Und mit einer guten Erholung nach den Matches.

Sitzen Sie auch mal in ein Eisbad?

Nein, normalerweise nicht, ganz selten einmal, wenn ich sehr müde bin. Ich habe einen guten Physiotherapeuten, der macht schon die richtigen Sachen.

Haben Sie eigentlich den Final von Paris gesehen?

Ich habe zu dieser Zeit trainiert und nur ein paar Games des zweiten Satzes gesehen.

Was erwarten Sie in den nächsten Monaten von Ihren Konkurrenten Novak Djokovic, Roger Federer und Stan Wawrinka?

Wir alle zusammen sind keine zwanzig mehr. Novak und ich sind fast 30, Stan ist 30 und Roger noch ein paar Jahre älter. Aber wir haben alle die richtige Motivation. Wir arbeiten hart, um positive Resultate zu erreichen, und das noch ein paar Jahre lang.

Glauben Sie, dass jetzt eine junge Generation nachkommt, wie zum Beispiel Nick Kyrgios?

Ja, die sind wirklich gut. Wir haben eine ganze Zeit lang auf eine neue Generation gewartet. Und nun kommt sie: Alex Zverev, er ist ein toller Spieler, Kyrgios, Thanasi Kokkinakis, Borna Coric.

Was ist mit Bernard Tomic?

Der auch, aber der ist schon ein bisschen länger auf der Tour, aber er verbessert sich laufend. Es sind eine ganze Menge Spieler, die kommen, auch ein Milos Raonic.

Was müssen die Jungen tun, um ganz an die Spitze zu kommen? Müssen sie sich physisch verbessern oder ist das Mentale wichtiger?

Das Wichtigste ist, dass du dich laufend verbesserst. Der grosse Erfolg meiner Generation – nun, es ist ja nicht genau meine Generation –, aber Roger, Novak, Andy Murray, ich und auch David Ferrer, wir haben uns ständig weiter entwickelt. Wir alle, die wir nun schon lange auf der Weltrangliste weit oben stehen, haben immer mit der richtigen Motivation viele Jahre lang trainiert und wir wurden dadurch auch immer besser.

Djokovic holte mit Boris Becker einen neuen Mann ins Team, für neue Ideen. Ist das für Sie auch ein Thema, beispielsweise mit Ihrem Freund Carlos Moya, dem French-Open-Sieger des Jahres 1998?

Nein, ich habe mit Francis Roig und meinem Onkel Toni Nadal zwei Trainer, die mich schon meine ganze Karriere begleiten. Wir hatten bisher viel Erfolg zusammen, ich hoffe, dass wir den bald wieder haben.

Ist es für Sie ein Unterschied, ob Sie als Nummer eins oder zwei oder nun möglicherweise als Nummer zehn in Wimbledon starten?

Es wäre natürlich sehr schön, wenn ich unter den Top 8 in Wimbledon starten könnte. Aber mal sehen. Es ist nun mal so, ich bin im Augenblick die Nummer zehn, und das habe ich verdient, weil ich im vergangenen Jahr verletzt war und die ersten drei Monate der Saison nicht gut gespielt habe. Das muss ich nun mal akzeptieren und arbeiten, um wieder eine höhere Position zu erreichen.

Haben Sie eine Idee, wie lange Sie noch auf dieser Stufe spielen wollen?
«Noch zehn Jahre», wirft Manager Benito Pérez-Barbadillo ein.

(lacht) Nein, sicher nicht mehr zehn Jahre. Aber ich kann es nicht voraussagen. Ich werde diese Tenniswelt verlassen, wenn ich die Motivation nicht mehr habe und wenn ich fühle, dass ich im Wettkampf nicht mehr mithalte.

Können Sie sich vorstellen mit einer Familie um die Welt zu reisen, wie Federers mit Kindern?

Nein, ich möchte Kinder, aber erst nach meiner Karriere.

Planen Sie eigentlich Ihre Hochzeit?

Nein, ich habe zwar seit elf Jahren mit Xisca dieselbe Freundin, aber die Hochzeit ist noch nicht geplant.