Tennis
«Pummelinda» statt «pretty Belinda» wird getuschelt: Die ersten Alarmzeichen bei Belinda Bencic

In Wimbledon musste die Schweizer Tennishoffnung Belinda Bencic zum bereits wiederholten Male aufgeben. Das ist kein Zufall.

Michael Wehrle
Michael Wehrle
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Sorgenvoller Blick: Belinda Bencic musste ihre Zweitrunden-Partie in Wimbledon aufgeben.

Sorgenvoller Blick: Belinda Bencic musste ihre Zweitrunden-Partie in Wimbledon aufgeben.

KEYSTONE/PETER KLAUNZER

Fast 50 Jahre ist es her, da stürmte Chris Andrews die Hitparaden mit seiner «Pretty Belinda». Der Song passte bis vor kurzem perfekt auf Belinda Bencic, die Ostschweizerin, die die Tenniswelt im Sturm eroberte. Jung, erfolgreich und hübsch. Bencic bringt alle Attribute mit, die einen Star ausmachen.

Erst 19 Jahre alt ist sie, bis vor kurzem ging es nur in eine Richtung – aufwärts. Doch
nun steckt Bencic in ihrer ersten ernsthaften Krise. «Pummelinda» statt «pretty Belinda» tuscheln manche bereits. Es ist tatsächlich nicht zu übersehen, Bencic hat in den vergangenen zwei Jahren, seit ihrem Sieg beim Turnier der Juniorinnen in Wimbledon, deutlich an Gewicht zugelegt. Das ist sogar im Kreis ihrer Kolleginnen zum Thema geworden. In den Garderoben sprechen die Spielerinnen über die Figur vor Bencic, vermuten, dass sie zu viel isst. Nun ist es aber auch völlig normal, dass sich der Körper während der Entwicklung vom Teenager zur Frau verändert, dass eine 19-Jährige ein paar Kilo mehr auf die Waage bringt als noch zwei Jahre zuvor.

Ein kritischer Punkt

Wenn jedoch selbst die Profis und Experten mehr dahinter sehen als eine normale Entwicklung, dann ist das ein Alarmzeichen, das Bencic ernst nehmen sollte. Noch ist gar nichts passiert, noch ist alles im grünen Bereich, doch es scheint, dass Belinda Bencic an einem ganz kritischen Punkt ihrer bisher so reibungslos verlaufenen Karriere steht. Noch weiss niemand, was genau hinter dieser erneuten Verletzung in Wimbledon steht. Und die hat auch sicher nichts damit zu tun, dass sie vielleicht das eine oder andere Kilo zu viel auf den Rippen hat.

Doch der Körper hat erneut ein Warnsignal gesendet. Irgendetwas passt da nicht mehr zusammen. Seit Mitte August des vergangenen Jahres hat sie in sechs Matches aufgegeben, dazu trat sie einmal erst gar nicht an. Erst wars das rechte Handgelenk, das nicht mitspielte, nun das linke. Im Herbst in China war sie müde, im Januar rebellierte der Magen, dann kamen die Rückenprobleme, die sie zu einer Pause von zwei Monaten zwangen. Experten bemängelten schon, dass sie zu viel spiele. In 13 der ersten 14 Wochen des Jahres stand sie im Einsatz. Diesen Vorwurf wiesen ihr Vater und Trainer Ivan sowie Bencic selbst immer zurück. Allerdings erklärte sie kurz vor dem Wimbledon-Turnier, dass sie in Zukunft ihre Einsätze doch dosiere.

Eine schlechte Verliererin

Aber nicht nur in Sachen Tennis muss sich Bencic Gedanken machen. Nett, höflich, zuvorkommend, natürlich – so trat sie bisher der Presse gegenüber. Auch nach Niederlagen. Umso höher ist aber die Fallhöhe, umso erschreckender war ihr Auftritt nach dem Aus in Wimbledon. Schnippisch, kurz angebunden liess sie Dampf ab. Dabei bleibt die Frage offen, wars die unerwartete Niederlage, wars die neuerliche Verletzung oder steckt noch mehr dahinter. Schlecht beraten war sie auf jeden Fall, nur Minuten nach der Pleite schon Stellung zu nehmen. Ihr Manager, der für die internationalen Firmen zuständig ist, nahm diese Vorstellung regungslos zur Kenntnis.

Bleibts bei diesem Ausrutscher, ist er schnell kein Thema mehr. Öfters sollte sich Belinda Bencic aber so nicht gehen lassen, sonst ist der Ruf schnell dahin. Die grossen Sponsoren verstehen in solchen Dingen keinen Spass. Und ein gutes Image ist schliesslich viel Geld wert. Die Russin Anna Kurnikowa gewann in ihrer ganzen Karriere kein einziges Turnier, kam dank ihres Aussehens und Auftretens aber zu hochdotierten Werbeverträgen. Bencic bringt das auch mit und ist sportlich sogar erfolgreicher. Schon viel hat sie mit 19 Jahren erreicht, es wäre schade, würde sie nun eine hoffnungsvolle Karriere aufs Spiel setzen, weil sie erste Alarmzeichen ignoriert.