Nach zwanzig Jahren beendet Patty Schnyder ihre Karriere zum zweiten Mal. «Lass uns etwas Neues beginnen», begründet die Baselbieterin ihren Schritt. Ihr letztes Spiel bestritt sie am Mittwoch, 21. November 2018, bei einem Ligaspiel in Saint-Dié-des-Vosges in Frankreich. Für Schnyder, die im Dezember ihren 40. Geburtstag feiert, ist es nach 2011 der zweite Rücktritt. Vor drei Jahren war sie noch einmal in den Tenniszirkus zurückgekehrt.

Schnyder gewann in ihrer Karriere 11 WTA-Turniere im Einzel und fünf im Doppel, sie erspielte sich dabei 8,5 Millionen Dollar Preisgeld. In der Weltrangliste erreichte sie mit Rang 7 ihre beste Klassierung. Mit 50 Einsätzen zwischen 1996 und 2018 ist sie zudem Schweizer Rekordspielerin im Fed Cup. Letztmals kam sie im April im Abstiegsplayoff gegen Rumänien gegen die Nummer 1 der Welt, Simona Halep, zum Einsatz. Schnyder wurde für 38 Partien aufgeboten.

Patty Schnyder sagt zum zweiten Mal Adieu zum Profisport. (Archivbild)

Patty Schnyder sagt zum zweiten Mal Adieu zum Profisport. (Archivbild)

Ein letztes Mal im Rampenlicht

Letztmals stand sie Ende August im grossen Scheinwerferlicht, als sie die Qualifikation für die US Open überstand und auf Maria Scharapowa traf. «Ich bin dankbar, dass ich 20 Jahre ohne grössere Verletzungen professionell Tennis spielen durfte», sagt Schnyder. Ihr Dank gebühre auch der Familie. Schnyder lebt inzwischen in Deutschland, wo sie mit ihrem Partner Jan auch ihr privates Glück gefunden hat. 2014 krönte die Geburt von Töchterchen Kim Ayla ihre Liebe.

Für Patty Schnyder endet ein Leben im Scheinwerferlicht. Bei ihrem ersten Rücktritt hatte sie dieser Welt abgeschworen. Gebrochen, zermürbt und beelendet von den Schlagzeilen, die sie begleitet hatten. Oft hatte ihr Leben Stoff dafür geliefert. Erst geriet sie in die Fänge von Heiler Rainer Harnecker, der sie mit Orangensaft-Kuren an die Weltspitze führen wollte. Dann, weil ihre Eltern mit Rainer Hofmann einen Privatdetektiv auf sie ansetzen, den sie 2003 heiratete.

Im Schatten einer anderen Schweizerin

Meist stand sie im Schatten von Martina Hingis. «Alles hat mich frustriert, alles hat mich gestresst. Ich wollte nicht mehr auf der Tour sein, nicht mehr reisen und nicht mehr auf dem Platz stehen», sagte sie damals. Anderthalb Jahre rührte sie kein Racket mehr an. Stattdessen liess sie sich zur Tierpsychologin ausbilden und arbeitet als Akupunkteurin. 2013 folgte die Scheidung von Hofmann, der später wegen Betrugs verurteilt wurde.

Schnyder zieht sich zurück. Nach der Geburt von Kim Ayla aber will sie unbedingt wieder in Form kommen und sich bewegen. Sie arbeitet mit Junioren, spielt für Braunschweig in der Bundesliga. «Den Ehrgeiz und die Herausforderung zu lieben, ist eine Charaktersache», sagt sie. Die Lust am Kräftemessen kehrt zurück, nicht aber jene auf Schlagzeilen. «Ich bin glücklicher abseits des Platzes», sagt sie im Sommer 2015 bei ihrem ersten Turnier.