Tennis
Nur noch zwei Siege fehlen zur Nummer eins

Roger Federer kämpft um zwei Rekorde, Novak Djokovic will seinen Titel verteidigen und die Nummer eins der Welt bleiben. Im Halbfinal der Giganten steht heute um 14 Uhr (live SF2) in Wimbledon viel auf dem Spiel.

Michael Wehrle
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Roger Federer kämpft um zwei Rekorde, Novak Djokovic will seinen Titel verteidigen und die Nummer eins der Welt bleiben. Im Halbfinal der Giganten steht heute um 14 Uhr (live SF2) in Wimbledon viel auf dem Spiel. Federer will von einem vorgezogenen Endspiel aber nichts wissen: «Das sehe ich überhaupt nicht so», sagt er. Schliesslich sei Jo-Wilfried Tsonga gegen Andy Murray auch ein Klassematch. Und natürlich liegt der Fokus der Briten auf dieser Partie. Schliesslich kann Andy Murray als erster Brite seit Henry Austin 1938 wieder in den Final einziehen.

Fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainierte Federer gestern mit dem britischen Junior Evan Hoyt mitten auf der Anlage. Als die Schweizer Juniorin Belinda Bencic dort vor zwei Tagen ausschied, drängelten sich mehr Zuschauer am Rande des kleinen Platzes. Offensichtlich hatten die Fans gar nicht realisiert, was sich auf Court 11 abspielte. Wenn Federer auf der offiziellen Trainingsanlage im Aorangi-Park auftaucht, feiern sie ihn wie einen Popstar, kreischen, wollen Autogramme und hängen am Zaun, um einen Blick auf den Star zu erhaschen.

Noch zwei Siege bis zur Spitze

Dem fehlen noch zwei Siege, um an die Spitze der Weltrangliste zurückzukehren. Gewinnt er am Sonntag das Turnier, schraubt er seinen eigenen Rekord auf 17 Grand-SlamTitel und stellt die Bestmarke von Pete Sampras ein, der 286 Wochen lang die Weltrangliste anführt. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Zwar führt Federer nach 26 Duellen mit 14:12 gegen den Serben, doch zuletzt behielt der bei den ganz grossen Turnieren meist die Oberhand. Vor vier Wochen in Paris war Federer chancenlos, im September unterlag er beim US Open trotz Matchbällen. Zum ersten Mal stehen sich die beiden nun auf Rasen gegenüber.

«Allzu viel ändert das nicht», sagt Federer. «Aber es wird interessant. Es ist eine Frage des Selbstvertrauens und der Erfahrung auf Rasen.» Nach mehr als 100 Matches auf Rasen könne er damit umgehen. «Obwohl es langsamer geworden ist, glaube ich, dass der aggressivere Spieler im Vorteil ist, wenn er die richtigen Lösungen findet», sagt Federer, der in seinen acht Halbfinals in Wimbledon noch keinen Satz verloren hat.

«Er kann unheimlich gut variieren», analysiert Djokovic das Spiel Federers auf Rasen. Mit seinen Schlägen öffne er den Platz, er nutze den Slice, damit der Ball ganz flach abspringe. Manchmal spiele er sehr aggressiv, genauso gut aber könne er sich auch verteidigen. «Ich denke, Rasen entspricht seinem Spiel am besten», sagt Djokovic. Er selbst fühle sich nun auf dem Rasen sehr wohl, nachdem er in früheren Jahren einige Schwierigkeiten gehabt habe. «Der Triumph vor einem Jahr, mein erster überhaupt bei einem Turnier auf Rasen, gibt mir natürlich Selbstvertrauen. So gut wie vor zwölf Monaten habe er noch nie in Wimbledon gespielt. «Mit diesem Selbstvertrauen versuche ich nun, in den wichtigen Momenten noch eine Spur aggressiver zu spielen», erklärt er.

Und er macht klar, dass es bei all seiner Anerkennung für Federers tolle Karriere keine Geschenke gibt: «Wir alle bewundern ihn, er hat schon alles gewonnen, und will noch mehr. Aber wir sind auch alle Rivalen und das Einzige was ich will, ist gewinnen», sagt Djokovic.

«Kein Spass gegen Djokovic»

«Vielleicht ist es einfacher gegen Djokovic ins Spiel zu finden als gegen Rafael Nadal», sagt Federer. Gegen den Linkshänder aus Spanien müsse er sich immer umstellen, weil er über 80 Prozent seiner Matches gegen Rechtshänder bestreite. «Trotzdem macht es mir nicht mehr Spass, gegen Djokovic zu spielen, lieber spiele ich gegen Nadal», erklärt er.

Zwischenmenschliche Probleme mit Djokovic habe er jedoch nicht mehr. «Ich habe mich mal aufgeregt, weil er sich im Davis-Cup im fünften Satz gegen meinen Kumpel Stanislas Wawrinka ohne offensichtlichen Grund vom Physiotherapeuten behandeln liess. Beim nächsten Turnier haben wir kurz darüber gesprochen, seither sind wir im Reinen», sagt Federer.

Allein die sportliche Brisanz aber birgt heute genügend Zündstoff für ein aufregendes Match. Vielleicht wird es doch so etwas wie ein vorgezogenes Endspiel.