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Notstand an der Unterhosen-Front

Tennisreporter Simon Häring berichtet hier von Nebenschauplätzen seines Arbeitsaufenthalts an den Australian Open.

Simon Häring
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Symbolbild: Ein Mann wartet in einem Waschsalon.

Symbolbild: Ein Mann wartet in einem Waschsalon.

Keystone

Einige von Ihnen kennen das sicher: Sie sind für ein paar Wochen beruflich im Ausland unterwegs. Und weil die Tage dort oft länger sind als zu Hause, gönnen Sie sich abends auch einmal ein etwas üppigeres Mahl. Auf den Sport kann man für ein paar Tage auch verzichten. Doch diese Nonchalance birgt Tücken.

Weil ich kein Kostverächter bin, tappte ich vor anderthalb Jahren in die Falle, die mir die französische Cuisine gestellt hatte. Jeden Abend schlug ich mir in Paris mit den Kollegen den Bauch voll. Als Entrée: Chèvre Chaud, Jungsalat mit karamelisierten Walnüssen und überbackenem Ziegenkäse. Dazu ein paar Scheiben Brot, tagsüber reichte es ja meist nur für einen Croque Monsieur. Oder zwei. An langen Tagen vielleicht auch drei. Zurück zum Abendessen. Plat Principal: ein Tatar. Dazu ein Glas Vin Rouge. Oder zwei. Manchmal auch drei.

Früher war mir Süsses ein Graus. Heute kann ich einem Moelleux au Chocolat kaum widerstehen. Die Quittung: Ich kehrte mit vier Kilogramm Übergepäck aus Paris zurück. Nicht etwa, weil ich mich im Kaufrausch mit Haute Couture eingedeckt hätte. Sondern in Form von purem Hüftgold. Damals schwor ich, dass mir das nicht noch einmal passiert – und begann mit dem Laufen.

Seither beginnt für mich jeder Tag bei einem Grand-Slam-Turnier mit einem einstündigen Lauf – ob in Paris, Wimbledon, New York oder Melbourne. Doch auch das hat einen Haken. Obwohl ich 20 Paar eingepackt hatte, brach nach einer Woche der Unterhosen-Notstand aus – und ich musste einen Waschsalon aufsuchen. Und was tat ich, wartend? Ich labte mich an einem Brownie. Wie heisst es doch so schön: Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach.