ATP-Finals

Niederlage gegen Nadal - Murrays Haare müssen ab

Kraftvoll und überzeugend: Rafael Nadal gewann an den ATP-Finals in London auch sein zweites Spiel gegen Andy Murray

Kraftvoll und überzeugend: Rafael Nadal gewann an den ATP-Finals in London auch sein zweites Spiel gegen Andy Murray

Nach Stan Wawrinka bezwingt Rafael Nadal in seinem zweiten Spiel an den ATP-Finals auch Andy Murray in zwei Sätzen. Damit steht seine Halbfinal-Qualifikation definitiv fest. Murray schnitt sich dabei in der Pause selbst die Haare.

Knapp eine Stunde lang wehrte sich Murray nach Kräften. Fünf Breakbälle wehrte er bis zum 4:4 im ersten Satz ab, es war ein zähes Ringen. Plötzlich gings schnell. Zu null holte sich Nadal das Break zum Satzgewinn, bei Murray lief nichts mehr. 26:13 lautete die Punktebilanz im zweiten Satz. Während die Briten enttäuscht von dannen schlichen, feierten die Spanier. Mit Nadal ist wieder ernsthaft zu rechnen, auch in London bei den World Tour Finals.

Bei Murray ist das zweifelhaft. Der Schotte hat nicht nur das Turnier im Kopf, sondern auch den Davis-Cup-Final nächste Woche in Belgien. So überlegte er schon vor Wochen laut, das Turnier in London sausen zu lassen, um sich ganz auf den Davis-Cup zu konzentrieren. Da kam er aber bei ATP-Chef Chris Kermode an den falschen Mann. Der drohte dem 28-Jährigen mit einer Busse, falls er nicht antrete.

Murry schneidet sich in der Pause selbst die Haare.

Murray schneidet sich in der Pause selbst die Haare.

Für Murray wars so auch schwierig geworden, sich mit einer fadenscheinigen Verletzung abzumelden. Zumal er ja trainieren wollte. Das tat er übrigens in der vergangenen Woche auf Sand, der Unterlage, auf der er in Belgien spielen muss. Dasselbe Problem hatten vor einem Jahr auch Roger Federer und Stan Wawrinka. Allerdings wäre es diesen nie in den Sinn gekommen, auch nur eine Sekunde lang über eine Absage des Finalturniers nachzudenken. Im Gegenteil, im denkwürdigen Halbfinal schonten sie sich überhaupt nicht.

«Ich begann gut, dann aber wars schlecht», sagte Murray selbstkritisch. Lediglich 38 Prozent seiner ersten Aufschläge habe er im zweiten Satz ins Feld gebracht, das sei wohl seine schlechteste Quote in diesem Jahr gewesen. «Ich habe mir selbst überhaupt nicht geholfen», fand er. Und das reiche dann gegen einen gut spielenden Nadal halt nicht mehr. Im Gegensatz zu ihm sei der Spanier im Laufe des Matches immer besser geworden.

«Er spielt definitiv wieder besser», sagte Murray, der Nadal im Mai in Madrid auf dessen Lieblingsunterlage Sand noch mit 6:3, 6:2 vom Platz gefegt hatte. Ob er schon auf seinem höchsten Level sei, könne er aber nicht sagen.

Weit davon entfernt ist der Mallorquiner aber nicht mehr. Selbst in der von ihm ungeliebten Halle kommt er auf Touren. In Basel forderte er Federer im Final über drei Sätze, in Paris unterlag er Wawrinka in Viertelfinal in zwei Tiebreaks mit 8:10 und 7:9.

Nur dieser grosse Titel fehlt

Noch nie hat Nadal die World Tour Finals gewonnen. Es ist der einzige ganz grosse Titel, der in seiner Sammlung fehlt. Er gewann alle vier Grand-Slam-Turniere, Olympiagold und den Davis-Cup. Zum elften Mal in Folge qualifizierte sich der 29-Jährige für das Turnier der besten acht, so richtig glücklich ist er damit noch nicht geworden. Erst sechsmal konnte er überhaupt antreten, viermal musste er verletzt passen. Je zweimal scheiterte er im Final, im Halbfinal und in den Gruppenspielen.

Er beschwerte sich auch schon bitter, dass die World Tour Finals immer in der Halle auf einem Hartbelag ausgetragen werden. Als Turnier der besten acht der Saison sollten alle eine faire Chance bekommen, nicht immer nur die Hallenspezialisten. Mit der Halle könne er inzwischen noch leben, aber es sei doch auch möglich, zur Abwechslung mal einen Sandplatz zu bauen.

«Ich denke nicht an den Turniersieg, gerade nicht in einem Jahr, in dem ich kein wichtiges Turnier gewonnen habe», sagte er: «Für mich ist das die schlimmste Unterlage, gegen die schlimmsten Kontrahenten.» Dabei sei der Platz schon in Ordnung. Aber es komme für ihn alles zusammen: «Das Ballgefühl in der Halle ist anders als draussen.» Alles, was bei ihm draussen hervorragend funktioniere, sei in der Halle problematischer.

Hier hätten seine Gegner mehr Möglichkeiten, ihr Spiel durchzuziehen. «Mein Topspin ist nicht so wichtig, dafür ist der Service entscheidender», erklärte er. Es habe keinen Wind, aber er spiele gerne bei unterschiedlichen Bedingungen. Inzwischen habe er zwar ein paar gute Hallenturniere gespielt, aber er glaube, seine Gegner fühlten sich wohler.

«Das ist ein toller Sieg auf einer schwierigen Unterlage», sagte er nach dem Murray-Match. Das sei eine Bestätigung, dass er nach seinem problematischen Jahr auf dem richtigen Weg sei.

Ein einziges seiner 67 Turniere hat Nadal in der Halle gewonnen. Vor zehn Jahren in Madrid. Der grosse Favorit ist er in London noch nicht, aber als Aussenseiter und Spielverderber wird er immer gefährlicher. «Sport ist nicht so kompliziert», betonte er. «Wenn es mal laufe, dann passe meist das ganze Paket im Spiel. Seine Gegner sind gewarnt.

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