Nick Kyrgios lieferte in Rom ein weiteres Muster seiner Unberechenbarkeit ab. Der so streitbare wie talentierte Australier handelte sich in seinem Zweitrunden-Spiel gegen den norwegischen Qualifikanten Casper Ruud wegen seines rüpelhaften Benehmens beim Stand von 2:6, 7:6 (7:5), 1:1 zuerst ein Strafgame und dann die Disqualifikation ein.

Der Abbruch auf Court 3 erfolgte, nachdem Kyrgios - schon verwarnt - seinen Schläger zertrümmert und wutentbrannt einen Klappstuhl aufs Feld geworfen hatte. Zuvor hatte sich der 24-jährige Bad Boy zwischen den Ballwechseln wiederholt Wortgefechte mit Zuschauern, Betreuern und dem Schiedsrichter geliefert - und nebenbei im Entscheidungssatz mit einem Break vorgelegt. Bei Supervisor Gerry Armstrong beklagte er sich über den irritierenden Betrieb auf den Zuschauerrängen und in den Zwischengängen.

Von Beginn weg schien Kyrgios nicht konzentriert bei der Sache. Er führte während Ballwechseln Gespräche, rümpfte die Nase und versorgte die Zuschauer bei einem Seitenwechsel mit Flüssigkeiten aus der Getränkebox. Vor einem Service Ruuds stellte er sich in einer Entenhocke zum Return hin.

Wegen eines aufsehenerregenden Interviews mit dem renommierten Tennisjournalisten Ben Rothenberg war Kyrgios auf dem Gelände des Foro Italico schon in den Morgenstunden Gesprächsthema. In dem als Podcast veröffentlichten Interview bekamen vor allem Novak Djokovic und Fernando Verdasco ihr Fett weg. "Novak will krankhaft so beliebt sein wie Roger Federer. Er ist besessen davon, von allen geliebt zu werden", sagte Kyrgios unter anderem über den Weltranglisten-Ersten. Den Spanier Verdasco bezeichnete er als "arrogantesten Spieler auf der Tour", sich selbst als "faulsten". Auf der anderen Seite von Kyrgios' Skala Roger Federer. Dieser sei der Beste aller Zeiten und setze die Massstäbe für alle anderen.