Tennis
Neu-Trainer Edberg: «Federer kann immer noch einen Grand Slam gewinnen»

Der neue Coach Stefan Edberg will Roger Federer hungrig halten und fordert ein variantenreicheres Spiel. Er ist überzuegt, dass Federer noch einen Grand Slam gewinnen kann.

Petra Philippsen, Melbourne
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Roger Federer engagiert den Schweden Stefan Edberg als neuen Trainer.

Roger Federer engagiert den Schweden Stefan Edberg als neuen Trainer.

Keystone

Am Ende des ersten Satzes fiel es Roger Federer dann schlagartig ein – er hatte während der Partie noch kein einziges Mal hochgeschaut zu seiner Box, zu seinem neuen Trainer. «Ich dachte plötzlich, ich müsste doch mal gucken, ob er überhaupt da ist», witzelte der Schweizer später, «aber dann entdeckte ich ihn dort mit der Sonnenbrille und dachte: Okay, er ist da.»

Natürlich war Stefan Edberg da, das grosse Idol seiner Kindheit. Der 48 Jahre alte Schwede war zwar erst am Montag in Melbourne gelandet, hatte es aber noch pünktlich zum Auftakt der Australian Open und zu Federers Erstrundenmatch gegen James Duckworth geschafft.

Der Australian Open-Auftakt für Roger Federer
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Er trotzte sowohl seinem Gegner...
... als auch der Hitze in Down Under.
Der neue Federer-Coach Stefan Edberg verfolgt die Partie des Schweizers.
6:4, 6:4, 6:2 gewann Federer gegen James Duckworth.
Den ersten Matchball verwertete der Schweizer nach 1:44 Stunden mit einem Servicewinner.
Für Federer sind die Australian Open das 57. Grand-Slam-Turnier in Folge.

Der Australian Open-Auftakt für Roger Federer

Keystone

Bis zu 41 Grad Hitze hatten den Melbourne Park gestern wie betäubt. Doch Federer brachte weder die gleissende Sonne noch sein australischer Gegner, der mit einer Wildcard ins Hauptfeld gekommen war, so richtig ins Schwitzen. Mit 6:4, 6:4 und 6:2 fegte ihn Federer aus der Rod-Laver-Arena. «Stefan hat mich vorhin eingeschlagen», liess er die Zuschauer hinterher wissen, «und er hat es sehr gut gemacht – ich habe ja gewonnen.»

Edberg amüsierte der süffisante Kommentar seines neuen Schützlings, die beiden scheint eine natürliche Verbindung zu einen. Sie wirken wie alte Vertraute. Und wenn Federer mit leuchtenden Augen vom Schweden spricht, dann meint man die Poster deutlich sehen zu können, die einst von Edberg in seinem Kinderzimmer hingen. «Ich habe so viel von ihm gelernt», schwärmte Federer, «es ist so schön, ihn jetzt in meiner Ecke zu haben ugnd mich von dem inspirieren zu lassen, was er zu sagen hat.»

Edberg überlegte nicht lange

Und auf die richtigen Einflüsterungen Edbergs setzt der Baselbieter seine Hoffnung, denn eine Saison wie die letzte, soll sich nicht wiederholen. Der Schwede, der in seiner Karriere sechs Grand-Slam-Trophäen gewann, die Nummer eins war und wie kein anderer die Eleganz des Serve-and-Volley-Spiels verkörperte, hatte nicht lange überlegen müssen, als Federer ihn im Oktober anrief und ihm den Job in seinem Trainerteam anbot. Denn Edberg bewundert ihn ebenso, und es reizte ihn, seine Finanz- und Immobiliengeschäfte ein wenig ruhen zu lassen, um Federer wieder in die Spur zu verhelfen.

«Wenn es mir gelingt, ihn motiviert und hungrig zu halten, dann werden die Ergebnisse auch wieder kommen», glaubt Edberg, «ich denke, er kann immer noch einen Grand Slam gewinnen. Wenn es dieses oder nächstes Jahr klappt, würde mein Traum wahr werden. Solange er diese Chance hat, wird er weiter spielen.» In einer Trainingswoche in Dubai hatten sich die beiden intensiv beschnuppert, und Edberg bekam einen Eindruck, wie Federer arbeitet, war beeindruckt, wie schnell der 32-Jährige Dinge umsetzen kann.

Aber Edberg erkannte auch sofort ein paar Details, die sich beim 17-maligen Major-Champion noch verbessern liessen. «Ich denke, bei der Beweglichkeit hat Roger noch Luft nach oben», meinte der Neu-Coach, «genau wie bei der Art, wie er den Ball schlägt. Und er könnte beim Spielen etwas positiver sein, das würde einen Unterschied machen.»

Federer muss mehr variieren

Ohne dass Edberg zu viele Interna preisgeben wollte, stellte er zudem fest: «Er muss sein Spiel mehr variieren, als er es bisher tut.» Dass diese Änderungen und Anpassungen, so klein sie auch seien, mögen, Zeit brauchen, ist Edberg klar. Für zehn flexible Wochen haben sie sich bisher verabredet, und es ist nicht ausgeschlossen, dass es ein paar mehr werden.

Während der Matches, da braucht Federer ihn nicht so sehr. Er ist keiner, der den Augenkontakt oder eine Bestätigung von der Tribüne sucht. «Ich sehe eigentlich nie hoch. Das ist wie in der Schule», meinte Federer, «da bereitet man sich auch zu Hause auf einen Test vor, dann muss man ihn alleine hinkriegen und versuchen, das beste Ergebnis zu erzielen.»

Und Federer wird hoffen, dass er schon bald wieder Bestnoten auf dem Tennisplatz bekommt. Als nächster Prüfstein wartet heute Blaz Kavcic, die Weltnummer 99. Der 26-jährige Slowene profitierte von der Aufgabe von Radek Stepanek.