Tennis

Nadal scheidet im US-Open-Achtelfinal aus, Federer plagen Verletzungen: Unsere Tennis-Helden sind müde

An den Swiss Indoors 2015 – einem 500er-Turnier – trafen Roger Federer und Rafael Nadal zuletzt in einem Final aufeinander.

An den Swiss Indoors 2015 – einem 500er-Turnier – trafen Roger Federer und Rafael Nadal zuletzt in einem Final aufeinander.

Kein Major-Final und Verletzungspech für Roger Federer. Jetzt scheidet auch noch Rafael Nadal im Achtelfinal des US Open aus. Geht ihre Ära langsam zu Ende?

Rafael Nadal hatte gerade die Anlage in Flushing Meadows frustriert verlassen, nachdem er im Achtelfinale im 5-Satz-Krimi an Lucas Pouille gescheitert war, da meldete sich 6000 Kilometer Luftlinie entfernt Roger Federer in seiner Heimat zu Wort. Bereits kurz zuvor hatte der 35-Jährige über die sozialen Netzwerke idyllische Fotos von seiner Wandertour durchs Appenzellerland gepostet, und nun gab er in der Nähe des Ferienortes Lenzerheide Interviews vor ebenso malerischer Kulisse. Federer hatte seine Saison nach Wimbledon aufgrund seiner Knieprobleme vorzeitig beendet und musste damit auf die US Open verzichten. Doch wie er so da sass, entspannt und in sich ruhend, da schien Federer gedanklich meilenweit weg von der Tennis-Tour.

Natürlich sagte er dann Sätze wie: «Es fühlt sich schon komisch an, dass ich hier zu Hause in den Bergen sitze und in New York laufen die US Open. Da fehlt mir schon etwas.» Bereits am French Open hatte Federer gefehlt und damit sein erstes Grand-Slam-Turnier seit 1999 verpasst. «Natürlich würde ich jetzt gerne im Arthur Ashe Stadium spielen, das tut weh», sagt Federer weiter, «aber ich verbringe viel Zeit mit meiner Familie und schaue oft im Livescoring, was so in New York passiert.»

Verletzungen und Absagen

Für ihn selbst, wie auch seinen grossen Rivalen Nadal, passiert auf grosser Bühne jedoch einstweilen nichts mehr. Und es bleibt die Frage offen, ob ihre Ära in der kommenden Saison noch einmal eine Renaissance erleben wird oder der letzte Vorhang bereits gefallen ist. Denn erstmals seit 2002 hat keiner von ihnen in dieser Saison ein Major-Final erreicht. Bei den French Open 2011 standen sie sich zuletzt in einem dieser grossen Endspiele gegenüber, das ist nun schon fünf Jahre her. Auch Nadal war wieder von Verletzungen zurückgeworfen worden und so erreichte der
30 Jahre alte Mallorquiner erstmals seit 2004 in dieser Saison kein Viertelfinale bei einem Grand Slam. Überhaupt war es seit Wimbledon 2004 erst dreimal vorgekommen, dass weder Federer noch Nadal in die Runde der letzten acht vordrang: Wimbledon 2013, French Open 2016, US Open 2016. Das rechte Handgelenk zwang Nadal in Paris zum Rückzug. «Ich habe Roland Garros verpasst. Ich habe Wimbledon verpasst. Diese Chancen sind weg», ärgerte sich Nadal nach seinem Aus in New York. Der Spanier hat in seiner Karriere allein neun Grand-Slams verpasst, die könnten dem 14-maligen Champion am Ende entscheidend fehlen, um Federers 17 Trophäen noch übertrumpfen zu können. Der Schweizer war zuletzt in Wimbledon 2012 erfolgreich, Nadal hat nach dem French-Open-Sieg 2014 sogar keinen einzigen Grand-Slam-Final mehr erreicht.

Und es wird für die beiden, die mehr als zehn Jahre lang die Fans mit ihren Duellen elektrisiert hatten, nicht leichter werden, einen der vier Major-Titel zu gewinnen, zu dominant ist Novak Djokovic. Und der Serbe ist es auch, der inzwischen die Szene dominiert. Der Weltranglistenerste stand in 18 der letzten 24 Grand-Slam-Endspiele. Andy Murray dazu allein in den letzten drei in Folge. «Ich will wieder um grosse Titel kämpfen. Ich bin sicher, Roger will das auch», betonte Nadal jedoch, «wenn ich hundertprozentig gesund bin, habe ich auch die Energie, um weiterzumachen. Ich glaube, dass ich noch ein paar gute Jahre vor mir habe.» Federer hofft ebenso darauf, und so traf er die schwere Entscheidung, die Saison vorzeitig abzubrechen. Doch die gelösten Bilder seiner Wanderung lassen vermuten, dass es nicht allein das Knie war. Vor allem er selbst brauchte eines: Zeit zum Durchatmen.

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