Der Spanier verlor auch gegen Tsitsipas keinen Satz und setzte sich in nur eindreiviertel Stunden 6:2, 6.4, 6:0 durch. Der 20-jährige Grieche fand gegen einen überragenden Nadal kein Mittel und brach am richtiggehend Ende ein. Seinen ersten Breakball überhaupt erarbeitete sich Tsitsipas erst beim Stand von 0:5 im dritten Satz. Auch das Ehrengame blieb ihm aber verwehrt.

Der junge Grieche machte einen platten Eindruck: Er hatte vor dem Halbfinal mehr als 15 Stunden auf dem Court verbracht, Nadal über fünf Stunden weniger. Zudem war es auch am Abend noch sehr heiss, dennoch wurde bei offenem Dach gespielt. Sicher kein Nachteil für den äusserst fitten Spanier.

Es muss aber davon ausgegangen werden, dass Tsitsipas auch in Topform keine Chance gehabt hätte. Obwohl er seit seiner Aufgabe im Halbfinal des US Open im letzten September keinen Ernstkampf mehr bestritten hatte, präsentiert sich Nadal in Melbourne so stark wie lange nicht mehr und hat sich vom Wackelkandidaten, über dessen Gesundheit spekuliert wurde, zum Topfavoriten gemacht. Dennoch meinte der 32-jährige Mallorquiner im Platz-Interview: "Ich kann hoffentlich noch besser spielen." Die Aussage müsste allen potenziellen Gegnern den Angstschweiss auf die Stirn treiben.

Bei Nadal funktioniert trotz seiner gut viermonatigen Verletzungspause alles: Aufschlag, Vorhand, Rückhand, die Bewegung auf dem Court. Am Donnerstag war er besonders zufrieden mit seiner Rückhand. "Die Vorhand ist schon die ganzen zehn Tage fantastisch, aber die Rückhand ist stetig besser geworden", fand er. Auch der Service, an dem er mit Coach Carlos Moya in der Vorbereitung intensiv gearbeitet hatte, ist effektiver geworden. "Das hilft mir, aggressiver zu spielen."

Für Tsitsipas, den Aufsteiger des letzten Jahres und dieses Turniers, war es hingegen ein frustrierender Abend. "Ich weiss ehrlich gesagt nicht, was ich aus diesem Spiel mitnehmen könnte", meinte er. "Ich war ja nicht mal in der Nähe von ihm." Er hatte im letzten Jahr zweimal gegen Nadal verloren, doch diesmal empfand er den Linkshänder aus Manacor noch stärker. "Der Aufschlag. Und er war viel aggressiver, hat mich viel mehr unter Druck gesetzt."

In seinem fünften Australian-Open-Final trifft Nadal am Sonntag auf Novak Djokovic oder Lucas Pouille. Der Halbfinal des Weltranglisten-Ersten gegen den überraschenden Franzosen findet am Freitag statt. Nadal hat auf dem Weg in den Final erstmals keinen Satz abgegeben. Von vier Finals in Melbourne hat die Weltnummer 2 nur einen gewonnen (2009 in fünf Sätzen gegen Roger Federer). 2012 (gegen Djokovic), 2014 (gegen Stan Wawrinka) und 2017 (gegen Federer) verlor er das Endspiel.