Australian Open
Nach Supersieg über Djokovic: Wawrinka ist zu noch mehr fähig

Stanislas Wawrinka hat das Image des Verlierers abgestreift. Nun siegt er auch gegen grosse Namen. Der Achtelfinal-Sieg gegen Novak Djokovic war nur der Anfang. Der Romand ist zu viel mehr fähig, Turniersiege liegen ab sofort drin.

Michael Wehrle
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Sein schönster Sieg: Wawrinka schlägt Djokovic in fünf Sätzen
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Novak Djokovic gratuliert «Stan the Man» Wawrinka.
Wawrinkas unheimlich druckvolles Spiel: Bis zum Ende liess der Romand nicht locker. Der erste Matchball verwertete er.
Machte zunehmend längere Gesichter: Djokovics Trainerbank mit Boris Becker.
Stanislas Wawrinka haut gegen Djokovic mächtig drauf.
Wawrinka ist nach dem Fünfsatz-Kampf ziemlich erschöpft.
Zuerst etwas ratlos, dann fassungslos: Vorjahesfinalist Novak Djokovic verabschiedet sich in Melbourne frühzeitig.
Serbische Fans und auch ein wohl verirrter Wawrinka-Anhänger machen Stimmung.
Macht sich nach tollen Punkt jeweils Mut: Novak Djokovic.
Stanislas Wawrinka gibt egen Djokovic alles.
Wawrinka liefert sich mit Djokovic wieder einen Fünfsatz-Krimi.

Sein schönster Sieg: Wawrinka schlägt Djokovic in fünf Sätzen

Keystone

Jahrelang kämpfte Stanislas Wawrinka gegen das Image des ewigen Verlierers. So gut er auch Tennis spielte, gings gegen einen der ganz Grossen der Branche, verliess Wawrinka den Platz als Verlierer. Es gelang ihm zwar, die Superstars ein wenig zu ärgern, mehr aber auch nicht.

Es mangelte dem 28-Jährigen schlicht an Selbstvertrauen. Er traute seinem Spiel nicht ganz, er hatte zu viel Respekt vor Rafael Nadal, Novak Djokovic und Roger Federer. Dabei stürmte der Romand schon vor gut sechs Jahren zum ersten Mal in die Top 10. Knapp ein halbes Jahr hielt er sich in diesem Kreis, der unter Profis höchstes Ansehen geniesst. Der Eintritt ist sozusagen der Ritterschlag in die grosse Welt des Tennis. Doch Wawrinka war noch nicht reif dafür. Er fiel zurück, gewann bis gestern ein Match gegen einen der drei Dominatoren der vergangenen Jahre, gegen Federer, kurz nach dessen Hochzeit. 33-mal ging er leer aus. Immer wieder bedacht mit Komplimenten, für die er sich nichts kaufen konnte.

Seit gestern gilt das nicht mehr. Es sind keine Höflichkeitsformeln mehr, wenn ein Djokovic vor Wawrinka als gefährlichem Gegner warnt. Und es sind keine Floskeln, wenn Wawrinka betont, so gut und mit so viel Selbstvertrauen habe er noch nie gespielt. Wawrinka hat es geschafft, ist angekommen im Kreis der ganz Grossen, als würdiger Vertreter der Top 10, als Mann, der fähig ist, mehr als nur ein kleines Turnier zu gewinnen. Nach 25 Siegen kassierte Djokovic in Melbourne wieder eine Niederlage, 14 Grand-Slam-Halbfinals in Folge bestritt er. Diese Zahlen unterstreichen die aussergewöhnliche Leistung Wawrinkas.

Möglicherweise ist er am Montag erstmals die Nummer eins der Schweiz, vor Federer. Der muss mindestens den Final erreichen, will er vor Wawrinka bleiben. Schmerzen wird Federer das wenig, er freute sich mit «Stan the Man». Doch anspornen wird es ihn. Und die Schweiz hat nun definitiv zwei Weltklasse-Spieler.