In Basel hätte man den Eindruck erhalten können, Stanislas Wawrinka (ATP 8) leide unter der berühmten Angst vor dem Sieg. In seinem Fall der Angst vor der ersten Qualifikation für das Saisonfinale der besten acht Tennisspieler in London. In Basel verpasste er einen wichtigen Schritt dazu, indem er in der ersten Runde sang- und klanglos ausschied. Nicht so in der Halle von Paris-Bercy. "In Basel wollte ich es zu gut machen", erklärt der 28-jährige Lausanner. "Wegen des Heimpublikums." Danach habe er viel mit Coach Magnus Norman über den Umgang mit diesem Druck gesprochen.

Offensichtlich erfolgreich, denn in der französischen Kapitale zeigte sich ein anderer Wawrinka. Er setzte Feliciano Lopez (ATP 29) von Beginn weg unter Druck, schaffte früh das Break zum 3:1 und musste bis in die Mitte des zweiten Satzes keine einzige Breakmöglichkeit des spanischen Linkshänders abwehren. "Dann hatte ich leider ein schlechtes Game", analysierte er nach der Partie. Im dritten Durchgang war er aber wieder der Chef auf dem Platz. Ganz cool servierte er bei 5:3 das Spiel nach Hause und verwertete nach 1:36 Stunden mit einem Ass gleich den ersten Matchball.

«Ich wusste, dass ich in der Halle und auf diesem Belag gut aufschlagen kann und nur schwer zu breaken sein würde», zeigte sich Wawrinka zufrieden. Er machte auch keinen Hehl daraus, dass er seine Konkurrenten um einen Platz an den ATP Finals genau beobachtet. Dass am Dienstagabend ausgerechnet sein Kumpel Jo-Wilfried Tsonga als Erster aus dem Rennen fiel, freute ihn aber nicht wirklich. «Er hat leider verloren. Ich sage bewusst leider, denn ich möchte dank eigener Siege ans Masters, nicht weil die anderen verlieren.» Einen ersten wichtigen Schritt hat er nun getan.

«Mein Vorteil ist, dass ich als Achter hier nach Paris gekommen bin», sagt er. «Die anderen müssen mich erst mal überholen.» Die Ausgangslage ist in der Tat vorzüglich. Wawrinka hat das Ticket für London in der Tasche, wenn er noch zweimal gewinnt; heute im Achtelfinal gegen den Spanier Nicolas Almagro (ATP 13), am Freitag wahrscheinlich gegen die Weltnummer 2 Novak Djokovic. Doch selbst wenn er gegen Almagro verliert, müsste der derzeit neuntplatzierte Richard Gasquet weiter kommen als Wawrinka und entweder Milos Raonic in den Final kommen oder Tommy Haas das Turnier gewinnen, um Wawrinkas Traum noch zunichte zu machen.

Noch besser sieht die Situation für Roger Federer aus. Er konnte sich bereits gestern Abend mit einem Erfolg über den Südafrikaner Kevin Anderson das Ticket für London holen. Es wäre seine zwölfte Teilnahme am Saisonfinale hintereinander.