«Sie sollten mich in den ersten zehn Minuten nach dem Aufstehen sehen. Auch ich bin nicht mehr der Jüngste», sagt Roger Federer nach dem 6:1, 6:3 gegen den Amerikaner Frances Tiafoe (19, ATP 76) in der ersten Runde der Swiss Indoors Basel.

Wer den Baselbieter derzeit spielen sieht, dem dürfte es schwer fallen, das zu glauben. Es gibt diese eine Zahl, die alles sagt über den Fabelauftritt: die Null. Null Punkte gewinnt Frances Tiafoe, wenn Federers erster Aufschlag im Feld landet.

Genau wie bei den US Open, schaffte es Frances Tiafoe (links) wieder nicht Roger Federer zu schlagen.

Genau wie bei den US Open, schaffte es Frances Tiafoe (links) wieder nicht Roger Federer zu schlagen.

«Einmal im Jahr», sagt er, gelinge ihm das, und vergleicht jenes Hochgefühl, das sich dann einstellt mit einem Rausch, dem Spiel mit den Emotionen auch, das ihm vor Schweizer Publikum manchmal schwerer falle als anderswo.

«Weil ich das Gefühl habe, etwas Spezielles machen zu müssen, weil ich hier mehr von mir erwarte und weil ich das Gefühl habe, das Publikum erwarte das von mir.» Einen Stoppball, eine Rückhand mit viel Drall, oder auch einmal jenen Schlag, den er einmal als «Schlag meines Lebens» bezeichnet hat: den Tweener, mit dem Rücken zum Netz stehend zwischen den Beinen hindurch geschlagen.

Andere Länder, anderes Publikum

Jedes Publikum sei anders, und er nehme das durchaus wahr. Sehr höflich, ruhig und respektvoll seien die Zuschauer in der St. Jakobs-Halle. Speziell sei das Raunen zwischen den Ballwechseln, die Spannung, die zuweilen in der Luft liege.

«Es hat mir gefehlt, hier auf dem Platz zu stehen», sagt er, der im letzten Jahr erstmals seit 2005 in Basel nicht hatte antreten können. Gegen Tiafoe ist es von Anfang an so, als wäre er nie weggewesen.

Das Spiel mit den Emotionen

Federer kostet es aus und erklärt, was den Heimvorteil ausmacht. «Meine Gegner haben das Gefühl, dass sie hier nicht gegen mich gewinnen dürfen. Und ich denke, dass sie das hemmt.»

Am Montag, am Tag, an dem Jugendfreund Marco Chiudinelli seinen Rücktritt gibt, sitzt er im Publikum und verdrückt Tränen. Gestern ist es weniger emotional. Doch das könne sich schnell ändern. «Wenn es eng wird, kann ich mit dem Publikum spielen.»

Vielleicht muss er das schon in den Achtelfinals, wo er am Donnerstag auf den Franzosen Benoit Paire (28, ATP 40) trifft. In vier Duellen hat er noch keinen Satz abgegeben. Darum ist es viel wahrscheinlicher, dass er auch dann wieder völlig losgelöst spielt.