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Mit roten Bohnen in den Himmel

Tennisreporter Simon Häring berichtet hier von Nebenschauplätzen seines Arbeitsaufenthalts an den Australian Open.

Simon Häring
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Roger Federer raubt den Journalisten an den Australian Open den Schlaf.

Roger Federer raubt den Journalisten an den Australian Open den Schlaf.

Keystone

Schreiben ist die Hölle, geschrieben zu haben der Himmel. Stimmen diese Worte, trennen mich noch 40 Zeilen vom Himmel. Doch, ich gebe es gerne zu, mir fehlt die Inspiration. Schliesslich bringt nicht jeder Tag eine Begegnung mit Federer oder Nadal. Doch ich soll Sie, liebe Leserin, lieber Leser, täglich mit Anekdoten füttern. So lautet der Auftrag. Dass das früher oder später schwierig werden könnte: Ich habe es geahnt.

Soll ich mich über Tennys Sandgren empören, der wegen seiner vermeintlichen Nähe zu rechtsnationalen Gruppierungen durch den medialen Fleischwolf gedreht wurde und sich mit einem Rundumschlag verabschiedete, in dem er meinen Berufsstand als «dämonisierend» und «entmenschlichend» beleidigte? Oder Ihnen davon erzählen, dass sich die Sohle meiner Laufschuhe gelöst hat und mir nun doch wieder der gefürchtete Grand-Slam-Speck droht?

03.07 Uhr zeigt die Küchenuhr. Noch immer fehlt eine zündende Idee. In den nebenstehenden Text habe ich viel Zeit investiert. Zufrieden bin ich nicht. Der Fluch: Wegen der Zeitverschiebung könnte ich noch viele Stunden am Text feilen. Wieder komme ich spät ins Bett. Roger Federer raubt mir den Schlaf. Und jetzt? Hunger. Der Kühlschrank? Leer. Auch das noch. Im Schrank finde ich rote Bohnen. Eine Notlösung, klar.

03.31 Uhr. «Sie schmecken grausam, diese Bohnen», beklagt sich der Kollege von der «Basler Zeitung», mit dem ich ein Appartement teile. Er hat zwar recht. Aber lieber rede ich mir ein, seine Reaktion hänge damit zusammen, dass er seine Arbeit noch nicht erledigt hat. Ich hingegen schon. Danke, rote Bohnen. Endlich bin ich im Himmel.