Australian Open
Millionen-Poker: Nach Djokovic fordert auch Roger Federer mehr Preisgeld

Neben der brütenden Hitze war es das dominierende Thema der ersten Woche: Vor den Australian Open forderte Novak Djokovic, der Präsident des ATP-Spielerrats, beim jährlichen Spielertreffen höhere Preisgelder.

Simon Häring
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Roger Federer kann Novak Djokovics Forderungen unterschreiben.

Roger Federer kann Novak Djokovics Forderungen unterschreiben.

KEYSTONE

Am Dienstag darauf angesprochen, reagierte der Serbe verstimmt. «Ich werde als schlechter und gieriger Mensch beschrieben.» Weder habe er zu einem Boykott noch zur Gründung einer Gewerkschaft aufgerufen. «Ich respektiere eure Arbeit. Aber nicht viel von dem, was ihr da geschrieben habt, ist wahr», sagte der 30-Jährige.

Inzwischen gilt aber als gesichert, dass es am Freitag vor einer Woche doch um das liebe Geld ging. Ausgerechnet Landsmann Viktor Troicki bestätigte den Vorstoss, indem er sagte, Djokovic habe mit seiner Forderung, eine Erhöhung des Preisgeldes zu fordern, recht.

Insbesondere beim Blick auf das Bankkonto Djokovics, der nach Schätzung des Wirtschaftsmagazins «Forbes» im Jahr knapp 35 Millionen Dollar verdient, wirkt diese Forderung dreist. Doch diese Erklärung greift zu kurz. Denn im Zentrum der Debatte steht die Verteilung der Einnahmen der Grand-Slam-Turniere.

«Unser Sport ist zu einer Industrie geworden, zu einem globalen Business, ob man das will oder nicht.» Novak Djokovic

«Unser Sport ist zu einer Industrie geworden, zu einem globalen Business, ob man das will oder nicht.» Novak Djokovic

KEYSTONE/EPA AAP/JULIAN SMITH

Zwar hat sich zum Beispiel das Preisgeld bei den Australian Open in den vergangenen zehn Jahren auf 55 Millionen australische Dollar verdoppelt. Die Einnahmen des Turniers seien in dieser Zeit aber stärker gewachsen und die Spieler sehen sich nicht mehr angemessen entschädigt.

Während die Turniere der ATP-Tour zwischen 15 und 28 Prozent der Einnahmen an die Spieler weitergeben, sind es bei den Grand-Slam-Turnieren nur geschätzte 7 Prozent. Novak Djokovic sagt: «Unser Sport ist zu einer Industrie geworden, zu einem globalen Business, ob man das will oder nicht.»

Zwar stellte Craig Tiley, der Turnierdirektor der Australian Open, für die nächsten Jahre eine Erhöhung des Preisgelds auf 100 Millionen Franken in Aussicht, doch das geht vielen zu wenig weit. Auch Roger Federer, der am Donnerstag sagte: «Kein Zweifel, die Turniere könnten mehr bezahlen. Unternehmen die Spieler nichts, passiert nichts.» Es sei offensichtlich, dass der Verteilschlüssel nicht mehr angemessen sei. Federer sagte, es sei ermüdend, immer in der Rolle des Bittstellers zu sein. Allzu oft gehe vergessen, dass es für Spieler jenseits der Top 100 bereits ums nackte Überleben gehe.

«Kein Zweifel, die Turniere könnten mehr bezahlen. Unternehmen die Spieler nichts, passiert nichts.» Roger Federer

«Kein Zweifel, die Turniere könnten mehr bezahlen. Unternehmen die Spieler nichts, passiert nichts.» Roger Federer

Mark Cristino

Federer war in seiner Zeit als Präsident des Spielerrats bis 2014 massgeblich daran beteiligt, dass die Preisgelder in der vergangenen Dekade regelrecht explodiert sind. Dem Baselbieter war es dabei immer ein Anliegen, dass Spieler aus den hinteren Regionen der Weltrangliste proportional stärker profitieren.

Rafael Nadal hat sich zwar längst aus dem Spielerrat zurückgezogen, unterstütz diese Idee aber. «Wenn 300 Leute vom Tennis leben können, ist das besser, als wenn es nur 100 können. Wenn wir Spielern helfen könnten, die mehr Hilfe benötigen, wäre das fantastisch», sagte er.

Eine Never-Ending-Story

Zwar begrüsst Federer die Initiative Djokovics, lässt aber durchblicken, dass er den Zeitpunkt für ungeeignet hält. «Es ist wichtig, dass wir Spieler über gewisse Dinge diskutieren. Ich bin dafür, dass der Spielerrat darüber informiert, was läuft, und die Zahlen auf den Tisch legt.» Er sagte aber auch, dass man dafür den richtigen Moment erwischen müsse. «Sonst verteilen sich die Spieler in tausend Richtungen und es passiert wieder drei Jahre lang nichts.» Ihm stiess auch unangenehm auf, dass die Diskussion unter den Spielern an die Öffentlichkeit gelangte. «Das sollte nicht passieren.»

Federer beklagte, dass sich viele Spieler zu wenig einbringen würden. «Viele der Jungen werden von den Eltern und Agenten abgeschottet. Die Spitzenspieler konzentrieren sich auf ihre Karriere. Und die Älteren wollen sich nicht mehr mit solchen Fragen beschäftigen.» Deshalb sei es gut, dass Djokovic die Initiative ergriffen habe. «Irgendwann klopfst du einfach auf den Tisch und sagst: Jetzt muss etwas geschehen.» Auch ihm war anzumerken, dass er das Thema zumindest für die nächsten Wochen lieber ad acta legen würde. Am Donnerstag sagte er kurz nach Mitternacht: «Ich fürchte, es ist eine Never-Ending-Story.»