Tennis
Leonie Küng: Ihr Aufstieg vom Nirgendwo in den Tennis-Olymp

Eine Schnur, ein Ball, ein Racket – so beginnen viele Erfolgsgeschichten im Schweizer Tennis. Auch jene der Schaffhauserin Leonie Küng (17), die in Wimbledon bei den Juniorinnen in den Halbfinals steht.

Simon Häring
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Leonie Küng steht im Wimbledon-Halbfinal der Juniorinnen.

Leonie Küng steht im Wimbledon-Halbfinal der Juniorinnen.

Daniela Frutiger/freshfocus

Aufgewachsen ist Küng auf einem Bauernhof in Beringen, dem Hägliloo. «Wir sind extrem abgelegen, nur eine Schotterstrasse führt zum Hof», erzählt Küng. Vater Martin dachte eigentlich, seine beiden Töchter würden einmal reiten, schliesslich besassen er und seine Frau Angelika 45 Pferde. «Aber ich bin gar kein Fan vom Reiten. Alle Mädchen aus der Schule kamen zu mir zum Reiten, was mir gestunken hat. Ich wäre lieber auf dem Tennisplatz gestanden.»

Zum Tennis kommt sie im Alter von sechs Jahren nach einer Schnupperstunde im Kindergarten. Längst ist aus dem Spiel Ernst geworden. Die Geschichte geht weiter, wie so viele im Schweizer Tennis. Mit Probestunden bei Martina Hingis’ Mutter Melanie Molitor. Drei Winterhalbjahre lebt Mutter Angelika mit Leonie und Schwester Lisa (15), die bereits als N4 klassiert ist, in Florida in einer Tennis-Akademie von IMG.

Grosses Vertrauen in den Vater

Wie in vielen dieser Geschichten spielen die Eltern eine zentrale Rolle. Vater Martin, ein Tierarzt, der selber nie Tennis gespielt hat, ist der Trainer. Drei bis vier Stunden stehen die Küngs täglich auf dem Platz, meist im TC Cilag in Schaffhausen. Zwar werden die Küngs inzwischen von Swiss Tennis unterstützt, doch ein Umzug nach Biel ist kein Thema: «Ich fühle mich einfach extrem wohl zu Hause. Ich bin sensibel, brauche mein gewohntes Umfeld und habe extrem grosses Vertrauen in meinen Vater», sagt die 17-Jährige, die eine Online-Highschool absolviert.

Zwar spielt Küng bereits seit drei Jahren Profi-Turniere, doch in Wimbledon könnte sie bei den Junioren die Schweizer Erfolgsgeschichte fortsetzen: Martina Hingis, Belinda Bencic und Roger Federer gewannen hier als Junioren. «Natürlich, das ist auch mein Ziel», sagt Leonie Küng.