Tennis
Ion Tiriac - ein tennisliebender Grosswildjäger

Ion Tiriac ist eine schillernde Figur. Nun baut der 76-jährige Rumäne zusammen mit dem Deutschen Rainer Schüttler das ATP-Turnier in Genf auf.

Michael Wehrle, Genf
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Ion Tiriac gilt mit einem Vermögen von rund einer Milliarde Franken als zweitreichster Rumäne und beschränkt sich nicht aufs Tennis.

Ion Tiriac gilt mit einem Vermögen von rund einer Milliarde Franken als zweitreichster Rumäne und beschränkt sich nicht aufs Tennis.

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«Mit dem Französisch hapert es noch ein bisschen», gibt Rainer Schüttler lächelnd zu. Dabei arbeitet der Deutsche seit gut einem halben Jahr in Genf. «Ich verstehe allerdings fast alles, nur Feinheiten entgehen mir. Aber sprechen – na ja», sagt der 39-Jährige. Er würde gerne seine Sprachkenntnisse verbessern, doch im Moment fehle ihm die Zeit. Schüttler ist Besitzer des neuen Tennisturniers in Genf. Gemeinsam mit Ion Tiriac, einer der schillerndsten Figuren der Szene.

Vor drei Jahren kauften sie zusammen das Turnier in Düsseldorf, als Schüttler nach 17 Jahren Tennisprofi seine Karriere beendete. «Düsseldorf war schon immer mein Baby, ich war da zehn Jahre lang Botschafter», sagt Schüttler. Doch weil in Deutschland mit Tennis momentan wenig Staat zu machen ist, suchten Schüttler und Tiriac nach einem neuen Standort und wählten Genf aus drei Alternativen. «Hier trafen wir überall auf Begeisterung, bei der Stadt, beim Kanton und beim Tennisklub Genève Eaux-Vives», erzählt Schüttler. Dazu komme die wunderschöne Anlage.

Irritiert sei er aber erst gewesen, als die Sache offiziell wurde und sich René Stammbach, Präsident von Swiss Tennis, plötzlich negativ geäussert habe. «Dabei hatten wir im Vorfeld mit dem Verband gesprochen. Aber egal, das ist inzwischen alles wieder in Ordnung», sagt Schüttler. Er ist überzeugt, dass die Schweiz drei Tennisturniere verkrafte: Basel, Gstaad und nun Genf.

Man nennt ihn auch Graf Dracula

«Wir wollen hier etwas aufbauen», betont Schüttler. Genf sei keinesfalls als Zwischenstation gedacht. Dabei zählt er natürlich auf die Erfahrung von Ion Tiriac, der auch das Masters-1000-Turnier von Madrid besitzt. Der 76-jährige Rumäne mit dem markanten Schnauz kennt sich in der Tennisszene bestens aus. Er war Profi, zunächst allerdings im Eishockey bevor er zum Tennis wechselte. Dann arbeitete er als Manager, unter anderem von Boris Becker.

«Die Arbeit mit Ion Tiriac ist äusserst interessant», sagt Schüttler. Als Manager sei er ein Vorbild. «Ich hätte es mir als Spieler nie erträumt, einmal mit ihm zu arbeiten», sagt Schüttler und schüttelt nur verständnislos den Kopf, wenn sein Kollege als Graf Dracula bezeichnet wird. Das hängt natürlich auch mit Tiriacs Geburtsort in Transsilvanien zusammen. Der begeisterte Jäger gilt mit einem Vermögen von rund einer Milliarde Franken als zweitreichster Rumäne und beschränkt sich nicht aufs Tennis.

Er besitzt unter anderem die Bank Tiriac, die Fluggesellschaft Tiriac Air und eine Versicherungsagentur. Mit einem Partner betreibt er eine Störzucht und verkauft Kaviar. Für seine Freunde organisiert er Jagden, geht selbst auch auf Grosswildjagd in Afrika. Suspekt ist er vielen, weil er im Umfeld von Diktator Nicolae Ceaușescu zu finden und wohl auch Mitglied im Geheimdienst Securitate war.

«Klein aber fein»

Für Schüttler ist Tiriac ein ausgebuffter Geschäftsmann: «Er verkauft nichts unter Wert.» Aber er sei grundehrlich. «Bei ihm braucht es keinen Vertrag, der Handschlag zählt und er steht immer zu seinem Wort», betont Schüttler und bedauert, dass es nicht mehr Geschäftsleute von dieser Sorte gebe. Und er profitierte natürlich vom reichen Erfahrungsschatz seines Partners.

«Für mich selbst ist das ja eher Neuland», sagt Schüttler. Auch wenn er sich während seiner Profikarriere auch immer nebenbei weitergebildet habe. «In Sport habe noch den Bachelor-Abschluss, aber ich habe kein kaufmännisches Diplom», sagt er.

In Genf steht ihm nun Tiriacs rechte Hand, Gérard Tsobanian, zur Seite. «Klein, aber fein», so beschreibt Schüttler das Genfer Turnier. Wie bei Tiriac üblich, ist der VIP-Bereich wichtig. «Der ist eines unserer Standbeine», bestätigt Schüttler. Dazu komme Ticketverkauf, Werbung und Sponsoring. Günstig sind die normalen Tickets. «Wir wollen die Zuschauer ins Stadion locken», sagt Schüttler. 60 Franken kostet das günstigste Billett ab den Viertelfinals. Das sind 26 Franken weniger als Ende Juli in Gstaad.

Schüttler will Schweizer werden

Mit Stan Wawrinka sowie Marin Cilic hat das Turnier beim Debüt zwei Grand-Slam-Sieger des Jahres 2014 als Zugpferde. «Das ist auch etwas Glück», gibt Schüttler zu. Wawrinka wollten sie unbedingt, der hat einen Vertrag. Cilic war lange verletzt und wollte Spielpraxis vor dem French Open. «Von daher ist es ein guter Termin, direkt vor Paris», sagt Schüttler. Doch das Datum sei egal, er müsse sowieso das Beste draus machen.

Seit 15 Jahren schon wohnt Schüttler in der Schweiz, zunächst in Altstätten bei St. Gallen inzwischen mit seiner Frau am Zürichsee. Den Schweizer Pass hat er noch nicht. «Wahrscheinlich werde ich den nun doch mal beantragen», sagt er. Als Besitzer eines Unternehmens in der Schweiz hat er ja nun einen Grund mehr dazu.

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