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Immer diese Deutschen...

Thomas Dressen feierte ausgerechnet auf der Streif seinen ersten Weltcup-Sieg

Thomas Dressen feierte ausgerechnet auf der Streif seinen ersten Weltcup-Sieg

Tennisreporter Simon Häring berichtet hier von Nebenschauplätzen seines Arbeitsaufenthalts an den Australian Open.

Es gibt im Tennis Paarungen, bei denen weiss man im Prinzip schon im Voraus, dass es mit dem Teufel zu- und hergehen müsste, damit es eben nicht so ausgeht, wie es die Papierform verlangt. Genauso verhält es sich, wenn Roger Federer auf Richard Gasquet trifft. Auch das 19. Duell verläuft nach Drehbuch. Federer hat den Franzosen jederzeit im Griff. Man wird den Eindruck einfach nicht los: Federer würde Gasquet selbst mit verbundenen Augen bezwingen.

Das gibt den Schweizer Journalisten die Möglichkeit, sich anderen wichtigen Dingen zuzuwenden. Der Hahnenkamm-Abfahrt zum Beispiel. Wohl selten zuvor hat die App der FIS so viele Zugriffe aus Australien verzeichnet. Schliesslich stellt die Schweiz mit Beat Feuz den Abfahrts-Weltmeister. Und wo sehen wir helvetische Skifahrer lieber siegen als beim Klassiker auf der Streif? Auch für mich wäre ein Erfolg wichtig, sitzt in Melbourne neben mir doch die einzige österreichische Journalistin.

Startnummer 7. Beat Feuz wuchtet sich aus dem Starthaus. Mit Hannes Reichelt liegt – wie könnte es auch anders sein? – ein Österreicher vorne. Bei der ersten Zwischenzeit leuchtet ein Balken grün auf: Feuz liegt vor Reichelt. Kurz vor dem Ziel schrumpft sein Vorsprung auf 0,05 Sekunden. Exzessives Aktualisieren der App. Im Ziel: Feuz stellt die Bestzeit auf. Ein kurzes Raunen in Sektor B der Rod Laver Arena – und das nicht wegen eines Federer-Stoppballs, obwohl auch der ganz ansehnlich war.

epa06457070 Second placed Beat Feuz of Switzerland (L), winner Thomas Dressen of Germany (C) and third placed Hannes Reichelt of Austria (R) react on the podium after the Men's Downhill race of the FIS Alpine Skiing World Cup event in Kitzbuehel, Austria, 20 January 2018. EPA/CHRISTIAN BRUNA

Beat Feuz wurde der sicher geglaubte Sieg auf der Streif noch von einem Deutschen geklaut

epa06457070 Second placed Beat Feuz of Switzerland (L), winner Thomas Dressen of Germany (C) and third placed Hannes Reichelt of Austria (R) react on the podium after the Men's Downhill race of the FIS Alpine Skiing World Cup event in Kitzbuehel, Austria, 20 January 2018. EPA/CHRISTIAN BRUNA

Das Zittern beginnt. Der Franzose Johan Clarey liegt zur Rennhälfte eine halbe Sekunde vor Feuz, stürzt aber später. Nummer 13: Matthias Mayer, ein Österreicher, der Olympiasieger. Keine Gefahr. Jetzt kann nichts mehr schiefgehen. Die Besten sind bereits im Ziel. Und Federer führt mit 2:0 nach Sätzen. Beschwingt mache ich mich auf den Weg an meinen Arbeitsplatz.

Doch als ich dort ankomme, prosten sich zwei Deutsche zu: Thomas Dressen (wer?) hat Beat Feuz von der Spitze verdrängt. Immer diese Deutschen, denke ich mir. Immerhin: Bei den Männern wird es in Melbourne keinen deutschen Sieger mehr geben. Mit Alexander Zverev scheiterte am Samstag der letzte Deutsche in der dritten Runde.

Tennisreporter Simon Häring berichtet hier von Nebenschauplätzen seines Arbeitsaufenthalts an den Australian Open.

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