Das Stade Pierre-Mauroy zu Lille gleicht einem Kühlschrank. Stan Wawrinka trainiert mit Michael Lammer. Ballbüchsen stehen auf dem Tennisplatz, als Ziel. Wawrinka und Lammer spielen zwar die Bälle nahe an die Dosen, treffen aber nicht. Davis-Cup-Captain Severin Lüthi hat eine graue Wollkappe übergezogen, beobachtet das Geschehen. Roger Federer lässt sich auf dem Platz nicht sehen. Er bleibt im Hotel, lässt den lädierten Rücken behandeln.

Vergesse, eine Heizung einzubauen

Es stinkt. Die Franzosen haben das Fussballstadion mit einem Vorhang halbiert, die eine Hälfte des Platzes über die andere geschoben, den Naturrasen abgerollt und verstaut. Es ist die Grasnarbe, die so stinkt. Auf der anderen Seite steht nun ein Tennisplatz, 27 200 Fans finden auf den Tribünen Platz. Sie sollen am Wochenende für angenehmere Temperaturen sorgen. Zusammen mit 24 Ringen, an denen je 12 Heizstrahler befestigt sind.

Vor einem Jahr fiel ein Konzert der Band Depeche Mode im Stadion aus: Es war zu kalt. Ein Franzose sagt, die Bauherren hätten schlicht vergessen, eine Heizung einzubauen. Dank des verschliessbaren Daches und des verschiebbaren Rasens kann das Stadion als Halle genutzt werden. Bei Aussentemperaturen von drei Grad wirds drinnen aber ungemütlich.

Unser tägliches Brot

Das Stadion wurde vor zwei Jahren für 282 Millionen Euro neu gebaut und nach Pierre Mauroy benannt, der fast 30 Jahre lang Stadtammann von Lille gewesen war. Es steht gar nicht in Lille, sondern in der immerhin 62 000 Einwohner zählenden Nachbarstadt Villeneuve d’Asque. Doch es ist die Heimat des OSC Lille, des Fussballklubs in der höchsten Liga und damit des Schweizers Michael Frey. Der U21-Internationale ist vor einigen Wochen von den Berner Young Boys in den Norden Frankreichs gewechselt.

Noch sind keine Fans da, die Heizstrahler aus. Marco Chiudinelli und David Macpherson stossen zum Team. Der Australier ist der Trainer des Weltklassedoppels Mike und Bob Bryan. Er soll helfen, die Schweizer Schwäche im Doppel zu beheben. Noch steht für Lammer und Chiudinelli das Doppel im Vordergrund.

Noch hoffen alle, dass Federer am Freitag ein Einzel spielt. «Alle wissen, dass sie bereit sein müssen», sagt Lüthi. Das könne im Tennis ganz schnell gehen. Nur leichte Anpassungen nehme er im Training vor. «Noch haben wir den Fokus auf dem Doppel», bestätigt Chiudinelli. Das Einzel sei sowieso kein grosses Problem: «Das ist unser tägliches Brot.»

«Der Platz ist sehr gut», sagt Wawrinka. Er müsse sich jetzt einfach anpassen. Eine Stunde habe er am Montag noch locker trainiert, drei Stunden richtig gestern. «Bis jetzt fühle ich mich gut», sagt er. Und obwohl es hart sei mit Matchbällen zu verlieren, habe er in London eine tolle Woche erlebt. Er wisse jetzt, wo er stehe. Positiv müsse er bleiben, auf dem Platz habe er dort alles gegeben.

Lüthi ist zufrieden mit den Bedingungen. «Er erinnert ein wenig an Roland Garros, auch wenn er noch nicht so kompakt ist», sagt er. Platzfehler aber werde es wohl weniger geben, zumal er noch trockener werde, wenn es in der Halle wärmer sei.

Keine Gedanken um Federer

Zufrieden sind auch die Franzosen mit ihrer Halle. «Klar, es ist riesig, aber das sind andere Stadien auch und am Ende ist es halt doch nur ein Tennisplatz», sagt Jo-Wilfried Tsonga. Auf das Spiel habe das keinen Einfluss.

Mehr Einfluss hat sicher, ob Federer nun dabei ist oder nicht, und wenn, in welcher Verfassung. Darüber machen sich die Franzosen angeblich aber nur wenig Gedanken. «Das ändert nicht viel. Okay, es kommt ein anderer Spieler. Aber der gibt 100 Prozent und will gewinnen», sagt Richard Gasquet.

«Wir rechnen damit, dass Federer am Freitag spielt», so Captain Arnaud Clément. «Wir bereiten uns seit zehn Tagen vor und wir sind bereit gegen ein Schweizer Team mit Federer und Wawrinka zu spielen», betont er. Federer wecke das grosse Interesse. «Aber wir spielen nicht gegen das Federer-Team, sondern gegen die Schweiz, die hat gute Spieler», sagt Clément: «Wir wollen ein Team schlagen, das klarer Favorit ist.»

Immerhin gibt Clément zu, dass die Erfahrung aus der Finalniederlage 2010 gegen Serbien ein Vorteil sei: «Es hat mehr Emotionen, mehr Theater im Umfeld und mehr Druck.»